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Renaissance für Ölkabinett

Sagard Renaissance für Ölkabinett

Die Sagarder wollen ihre historische Tankstelle an der Thälmannstraße sanieren. Sie soll im bereits durch Städtebaufördermittel auf Vordermann gebrachten Ortskern zu einem Hingucker werden. Die Gemeinde steuert 2000 Euro bei. Zudem wollen sich Handwerker kostenlos für das Vorhaben engagieren.

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„Hier habe ich damals auch meinen alten F 9 betankt“, erinnert sich Siegfried Bruhn, der mit seinem Auto an der ehemaligen Tankstelle in der Ernst-Thälmannstraße.

Quelle: Foto: Udo Burwitz

Sagard. Super oder Diesel? Diese Frage stellt sich an der alten Tankstelle in der Thälmann-Straße in Sagard schon lange nicht mehr. Denn gezapft wird dort bereits seit Jahrzehnten nicht mehr. „Das wird sich auch nicht ändern“, sagt Bürgermeister Sandro Wenzel. „Auch wenn an der alten Tankstelle wieder Zapfsäulen stehen werden.“ Dafür wollen Sagarder sorgen.

OZ-Bild

Die Sagarder wollen ihre historische Tankstelle an der Thälmannstraße sanieren. Sie soll im bereits durch Städtebaufördermittel auf Vordermann gebrachten Ortskern zu einem Hingucker werden. Die Gemeinde steuert 2000 Euro bei. Zudem wollen sich Handwerker kostenlos für das Vorhaben engagieren.

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„Wir haben vor, die historische Tankstelle zu sanieren“, kündigt das Gemeindeoberhaupt an.

„Die Straßen und Plätze in unserem Ortszentrum sind mit viel Fördergeld auf Vordermann gebracht worden. Nur die alte Tankstelle wurde vergessen“, erinnert Sandro Wenzel an das in den zurückliegenden Jahren umgesetzte Sanierungsprogramm im historischen Ortskern. Innerhalb des Programms der Städtebauförderung flossen 6,3 Millionen Euro in den Sagarder Ortskern. Mit diesem Geld konnte unter anderem auch der im Sanierungsgebiet liegende Teil der Thälmannstraße neu und attraktiver gestaltet werden. Fahrbahn sowie angrenzende Gehwege und Plätze erhielten ein neues Pflaster. Allein 1,6 Millionen Euro aus dem Fördertopf flossen in private Gebäude im historischen Ortskern. Ein Teil davon in Häuser an der Thälmannstraße. Die sind in altem Glanz neu erstrahlt, während an der Holzkonstruktion des markanten Vorbaus der ehemaligen Tankstelle an der Ecke Thälmannstraße/August-Bebel-Straße die Farbe blättert. „Keine Augenweide“, findet Sandro Wenzel. „Dabei könnte so eine historische Tankstelle doch ein Hingucker sein. Zudem wäre sie für Einheimische wie Besucher ein interessantes Detail unserer Ortsgeschichte.“

Das soll jetzt aufpoliert werden. Mit seiner Idee zum Erhalt und der Sanierung fand Sandro Wenzel nicht nur beim Nachfahren des einstigen Tankstellen-Inhabers und Grundstückseigentümers offene Ohren, sondern auch im Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde. Der habe dem Vorhaben, an dem sich die Kommune mit 2000 Euro beteiligen werde, bereits zugestimmt erläutert Wenzel und kündigt an, dass die Kommune für diesen Betrag das Tragwerk der Holzkonstruktion sanieren lassen werde. „Die sprichwörtlich offenen Türen habe ich mit der Idee bei Handwerkern und Unternehmern in der Kommune eingerannt.

Sie unterstützen das Vorhaben.“ Ob Dachdecker oder Maler – sie werden ihre Instandsetzungsarbeiten an der alten Tankstelle sponsern.

„Damit erlebt das Ölkabinett in Sagard seine Renaissance“, sagt Siegfried Bruhn. Der 75 Jahre alte Sagarder, der selbst seit Jahrzehnten in der Gemeindevertretung aktiv ist, fährt mit seinem Auto demonstrativ schon mal vor unter dem markanten Vorbau-Dach der Tankstelle. „So habe ich das schon mit meinem alten F 9 und später mit einem Wartburg getan“, erinnert er an die Tankstellen-Geschichte. 1938 wurde die an der heutigen Thälmannstraße eröffnet. „Otto Schröter betrieb damals die Kfz-Werkstatt, die es noch heute gibt, seine Frau hat das Benzin verkauft.“ Bis 1975 wurde in dem Familienbetrieb gezapft. „Natürlich nicht wie heute. Damals wurde das Benzin noch per Hand aus der Säule gepumpt.“ Pur, so Siegfried Bruhn, sei es auch nicht in den Tank gekommen. „Es wurde vorher mit Öl gemischt.“ Das wurde aus zwei großen Blechsäulen gezapft. „Die nannten sich Ölkabinett“, klärt der Sagarder auf. Ob Ölkabinett oder Benzinpumpe – „Mit dieser historischen Technik soll die Tankstelle im Stil der 1960er Jahre wieder ausstaffiert werden“, kündigt Sandro Wenzel an. „Wird garantiert ein Hingucker, der nur nicht zum Zapfen bestimmt ist“, ist der Bürgermeister überzeugt.

Pumpen statt Zapfen

1938 wurde die ehemalige Tankstelle in der heutigen Thälmannstraße in Sagard eröffnet. Ihren Tank ließen sich Einwohner und Besucher der Jasmunder Kommune von den Schröters füllen. Otto Schröter betrieb eine Autowerkstatt (gibt es noch heute) auf dem Areal, seine Frau verkaufte das Benzin. Den Staffelstab gaben sie an die Nachfahren Helga und Fred weiter.

1975 endete die Ära der Tankstelle mitten im Sagarder Ortskern an der Thälmannstraße, wo der Kraftstoff nicht einfach per Zapfpistole in den Tank befördert, sondern per Hand aus der Säule gepumpt und mit Öl gemischt wurde.

Udo Burwitz

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