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Sassnitz will Möwen das Zubrot entziehen

Sassnitz Sassnitz will Möwen das Zubrot entziehen

Vögel werden für Einwohner zur Plage / Ordnungsausschuss will Füttern nicht mit Verbots-, sondern Hinweisschildern eindämmen

Sassnitz. Wer sich im Sassnitzer Stadthafen ein Fischbrötchen gönnt, muss aufpassen, dass ihm die Möwen den rügentypischen Leckerbissen nicht wegschnappen. „Die Vögel sind so gierig. Manchmal gibt es sogar blutige Finger“, weiß Stadtvertreter Jonny Zunke. Damit nicht genug: Immer mehr Sturmmöwen „verzieren“ Balkone, Dächer und Hausfassaden in der Stadt mit ihren Hinterlassenschaften, immer mehr Lachmöwen stimmen mitten in den Wohngebieten ihren „Gesang“ an. Einwohnern vergeht das Lachen. Die Möwen werden in Sassnitz zur Plage. Hafenstädter fordern ein Verbot für das Füttern der Vögel.

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Vögel werden für Einwohner zur Plage / Ordnungsausschuss will Füttern nicht mit Verbots-, sondern Hinweisschildern eindämmen

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„Möwen sind Kulturfolger.“ Silke Buettler, Vorsitzende des Sassnitzer Ordnungsausschusses hatte sich gründlich vorbereitet und extra Fachliteratur gewälzt im Vorfeld der Sitzung am Mittwochabend, in der es hieß: Wie werden wir der Möwenplage Herr? Die Vögel halten auch die Verwaltung auf Trab. Der wurden bereits mehrfach Möwenbelästigungen gemeldet, sagte Ordnungsamtsleiterin Vera Wilke. „Jetzt haben sich Anwohner der Hauptstraße mit einem Schreiben an den Bürgermeister gewandt. Sie beklagen, dass immer mehr Möwen in die Stadt kommen und sie bevölkern. Die Anwohner regen deshalb ein Fütterungsverbot zur Gefahrenabwehr an.“

Früher hätten die Möwen vor allem den Hafen bevölkert, erinnerte Dorothea Holtz, die im Fischwerk gearbeitet hat. Das große Fischkombinat ist längst Geschichte. Zudem sei die Zahl der Kutter, die vom Hafen zum Fang auslaufen und den danach wieder ansteuern, enorm gesunken, ergänzte Dieter Neels und schlussfolgerte: „Damit geht auch weniger Fischküt (die Eingeweide der während der Heimfahrt vom Fang ausgenommenen Fische; Anmerk. d. Red.) über Bord.“ Dass die Möwen sich neue Futterquellen suchen, wundert den Stadtvertreter nicht. Schließlich sind sie so genannte „Kulturfolger“.

Sie ziehen dorthin, wo der Mensch ihnen Futterangebote schafft. Sie bevölkern zum Beispiel Müllhalden. „Oder zerpflücken die zum Abtransport herausgestellten gelben Säcke im Stadthafen, deren Inhalt in der Folge im Hafenbecken oder bei ungünstiger Windrichtung im Nationalpark, am Strand der Kreideküste landet“, lieferte Thomas Kursikowski ein Beispiel für diese „Kulturfolge“.

Dass die Möwen immer mehr ins Stadtgebiet ziehen, wundert Dieter Neels nicht, der im Rügener Ring wohnt. „Selbst in unser Wohngebiet kommen die Möwen abends, weil sie von einigen Anwohnern gefüttert werden.“ Genau diese falsch verstandene Tierliebe führe mit zu der Plage, ergänzte Silke Buettler und bemühte ihren zur Sitzung vorbereiteten Zettel, um einen Uni-Biologen zu zitieren: „Die Vögel brauchen keine zusätzliche Fütterung, denn das Nahrungsangebot in freier Natur ist ausreichend.“ Wer den überflüssigen Futterteller dann noch mit Brot bestücke, schade den Vögeln sogar. „Denn Brot quillt im Magen der Möwen auf“, so Buettler.

Soll Rügens Hafenstadt Warnemünde oder Zinnowitz folgen. In beiden Bädern ist das Möwenfüttern verboten, in Warnemünde droht sogar ein Strafgeld. „Mit einem Verbot werden wir gar nichts erreichen“, lehnte Dieter Neels diese Möglichkeit ab. „Wir sollten Urlauber wie Einheimische aber darum bitten, dass Füttern der Möwen zu unterlassen“, plädierte er für das Aufstellen von zwei bis drei kleiner Schilder im Stadthafen. „Nette, und keine mit einem erhobenen Zeigefinger“ sollten es nach Ansicht Ilona Wünschers sein, die von einem Verbot auch nichts hält. „Denn wer soll das Einhalten kontrollieren?“, fragte sie. Genau das sei auch in Warnemünde das Problem beim Durchsetzen der Fütterungsverbotsverordnung, pflichtete Silke Buettler bei.

„Das Problem schreit geradezu nach Bildungsarbeit“, stellte Christian Cimander fest. Er schlug vor, für Touristen Flyer herauszugeben, die über Möwen informieren und über die Folgen unnötiger Fütterung aufklären. Solche Aufklärungsarbeit sollte auch an Schulen in der Stadt geleistet werden. „Und mit einem Banner auf der Internetseite der Stadt und auf Werbeflächen an den Ortseingängen könnte dafür geworben werden, das Füttern zu unterlassen“, so Cimander. Statt verbieten, sollte Sassnitz bitten – war sich der Ausschuss einig.

Udo Burwitz

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