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Sassnitzer füllen Fass mit Zukunftswünschen

Sassnitz Sassnitzer füllen Fass mit Zukunftswünschen

„Zeittonne“ steht zum Stadtjubiläum auf dem Rügen-Platz

Sassnitz. Dass es nicht ohne ein paar spöttische Bemerkungen abgehen würde, war Frank Biederstaedt von vornherein klar. „Willst wohl den Geruch von Fisch für die Nachwelt konservieren?“, witzelten Kollegen und Bekannte, als er das blaue Plastefass über den Hof der Stadtverwaltung bis in die Archivräume schleppte. „Wäre vielleicht auch keine schlechte Idee“, antwortete er augenzwinkernd. Doch es ist nicht der Heringsduft, den der Leiter des Stadtarchivs in Sassnitz für die Nachwelt aufbewahren will. „Das wird eine Zeittonne.“ Beim Stadtjubiläum am 24. Juni können die Einwohner und Gäste ihre Gedanken und Wünsche auf Papier festhalten und in das Fass stecken. Zum 80. Stadtgeburtstag in 20 Jahren soll die Zeittonne dann wieder geöffnet werden.

 

OZ-Bild

Stadtarchivar Frank Biederstaedt präsentiert die „Zeittonne“, die die Sassnitzer mit ganz persönlichen Dingen füllen können. In 20 Jahren soll das Fass wieder geöffnet werden.

Quelle: Foto: Privat

Die Idee ist von vielen Grundsteinlegungen bekannt, bei denen so genannte Zeitkapseln in der Bodenplatte des künftigen Gebäudes versenkt werden. „In so eine Kapsel hätten wir nicht viel hineinbekommen“, sagt Biederstaedt. Auf der Suche nach einem geeigneten Gefäß kamen ihm die Heringstonnen in den Sinn, die für die in Sassnitz beheimatete Fischverarbeitung typisch sind. „Euro Baltic in Mukran hat uns eine spendiert.“ Die, so der Stadtarchivar verschmitzt, habe wirklich noch ein wenig nach Fisch gerochen, sei also tatsächlich in Gebrauch gewesen. „Aber wir haben sie natürlich gründlich gereinigt.“

Aufgestellt wird das Fass beim Fest zum 60. Stadtgeburtstag am 24. Juni auf dem Rügen-Platz in Sassnitz. Das Stadtarchiv hat für die kleinen und großen Besucher unterschiedliche Vordrucke vorbereitet, die sie ausfüllen können. Diese können auf Wunsch mit einem Foto versehen werden. Eine Kamera und ein Drucker stehen dafür parat. Die Zettel werden in einen Umschlag gesteckt und dieser verschlossen. „Da guckt niemand anderes rein“, versichert der Stadtarchivar.

Welche Wünsche, Gedanken und Grüße jeder an sich selbst in der Zukunft senden möchte, ist völlig freigestellt. Der Vordruck ist nur eine Orientierung, die man nutzen kann oder nicht. Die Kinder der Stadt können sich etwas intensiver damit beschäftigen. „In der Grundschule werden wir die Bögen ab Montag verteilen“, so Biederstaedt. Gefragt wird unter anderem nach dem Lieblingstier oder der Lieblingsfarbe, dem besten Freund und der besten Freundin, nach dem, was die jungen Sassnitzer ärgert, ihnen Angst macht, aber auch wofür sie dankbar sind und was sie freut. Spannend dürfte die Antwort auf die Frage sein, was der schönste Moment in diesem Jahr war oder welche Nachricht die Kinder an sich selbst in 20 Jahren hinterlassen möchten.

Dann soll die Zeittonne wieder geöffnet werden. Viele der Kinder von heute sind da möglicherweise selbst Eltern. Was sie vor 20 Jahren dachten und fühlten, können sie ihren Familien oder sich ganz allein vorlesen. Wichtig ist: Niemand anderes wird die Umschläge in die Hand bekommen. Nur die Absender des jeweiligen Briefs dürfen die Zeilen in 20 Jahren aus der Zeittonne fischen und lesen. Bis dahin bleibt die „Post an die Zukunft“ gut und sicher verwahrt.

„Nach den Feierlichkeiten werden wir das Plastefass verschließen.“ Um den Deckel werde dann nicht nur der Metallring gelegt, sagt der Stadtarchivar. Zusätzlich wird auch noch eine Kette mit Schloss um die Abdeckung gezogen. Auf diese Art und Weise hält sich das Papier in der Zeittonne deutlich länger als Hering im Fass. „Wenn das kühl und trocken gelagert wird, vergilbt es kaum“, weiß der Stadtarchivar. Der wird sich sicher auch einen Brief schreiben – und als 57-Jähriger lesen.

Maik Trettin

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