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Rügen Scandlines-Ära auf Rügen zu Ende
Vorpommern Rügen Scandlines-Ära auf Rügen zu Ende
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00:00 13.03.2013
Henning Dost nimmt im Mukraner Büro Abschied — mit einem Modell der „Sassnitz“ und der Scandlines-Fahne auf der Vitrine. Quelle: Maik Trettin

MukranVor Tagen schon hat er das Licht in seinem Büro ausgeknipst und Fax und Telefon abgestellt. Wenn Henning Dost jetzt von der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin zurückkehrt, endet die Rügener Scandlines-Ära für immer. Mit dem Verkaufsmanager mustert der letzte Mitarbeiter des Unternehmens auf der Insel ab. Die OSTSEE-ZEITUNG traf den 59-jährigen Rüganer in den früheren Büroräumen in Mukran, der jetzt planmäßig in die Altersteilzeit geht.

OSTSEE-ZEITUNG: Die elf ehemaligen Scandlines-Kollegen, die sich in Mukran nach wie vor um die Passagier- und Frachtabfertigung kümmern, laufen in der weiß-rot-blauen Stena-Kleidung über die Flure. Sie selbst gehen ab sofort in „Zivil“. Wie fühlt sich das an?

Henning Dost: Seltsamer, als ich vorher dachte. Ich hatte in all den Jahren immer gute Kollegen und ein hervorragendes Team um mich. Ich hoffe, dass die Kontakte nicht ganz abbrechen.

Andererseits ist der Zeitpunkt ein guter: Stena-Line hat von Scandlines die schwedischen und baltischen Routen übernommen, die gut in das Konzept der Schweden passen. Und die Königslinie wird statt von einer Fondsgesellschaft wieder von einer Reederei betrieben, deren Herz für die Seefahrt und die Schiffe schlägt. Stena Line hat gutes Personal übernommen.

OZ: Sie dürften mit dem Wechsel des Unternehmensnamens beziehungsweise -eigentümers mittlerweile einige Erfahrung haben . . .

Dost: Oh ja. Als Schiffsoffizier habe ich zusammen mit meinen Kollegen „stürmische Zeiten“ mitgemacht. Erst beim Fährschiffamt/ Fährbetrieb Sassnitz/Deutschen Reichsbahn, dann bei der TS-Line, der Deutschen Fährgesellschaft Ostsee (DFO) und schließlich bei Scandlines. Besonders turbulent wurde es nach dem Scandlines- Verkauf. Ständig änderte sich etwas, und meistens erfuhren wir davon erst aus der Zeitung. Häufig wechselten die Vorstände und Geschäftsführer, die beiden Neubauschiffe in Stralsund wurden abbestellt, gut eingeführte Fährrouten und Schiffe verkauft. Da bestand natürlich eine gewisse Verunsicherung beim Kunden und bei den Mitarbeitern. Diese Zeit der Unruhe ist jetzt offenbar vorbei, aber die bisherigen Eigentümer von Scandlines wollen wieder verkaufen.

OZ: Nach einer Lehre im damals neuen Rügen-Hotel in Sassnitz und dem Studium an der Leipziger Hotelfachschule waren Sie Restaurantleiter im Rügen-Hotel, bevor Sie als Servicemanager aufs Schiff gingen. Was war dort Ihre Aufgabe?

Dost: Ich hatte mich an Bord um die Restaurants, Cafés, Parfümerien und Läden zu kümmern und die Versorgung in den Offiziers- und Mannschaftsmessen zu organisieren. Ursprünglich sollte ich das nur ein halbes Jahr als Vertretung fahren. Daraus wurden dann 16 Jahre als Schiffsoffizier, bevor ich anschließend für zwölf Jahre in den Bereich Verkauf/Vertrieb ging.

OZ: Haben Verkauf und Gastronomie an Bord heute noch den Stellenwert wie damals?

Dost: Die Passagiere und deren Gewohnheiten haben sich im Laufe der Jahre verändert. Als wir noch im Bornholmverkehr mit dem Fährschiff „Rügen“ fuhren, gab es beispielsweise das Ostsee-Buffet für seinerzeit 14 D-Mark mit Bornholmer Räucherfisch und Wildlachs. Das kam bei den Kunden sehr gut an. Auch waren bis 1998 unsere Silvesterpartys an Bord stets ein Renner. In den Jahren haben die Umsätze in unserem Bereich schätzungsweise 40 Prozent am Gesamtvolumen einer Tour ausgemacht. Das hat sich heute alles verschoben. Durch neuen Kostendruck sind die Ticketpreise gestiegen und die Leute sparen auf den Reisen.

OZ: Sehen Sie auch ein anderes Publikum auf den Fähren nach Skandinavien?

Dost: Durch ein Überangebot im Tourismusbereich gab es in den vergangenen Jahren einen allgemeinen Rückgang im privaten Reiseverkehr in Richtung Nordeuropa. Das hat sich wieder stabilisiert. Die Ferienhauskunden etwa sind eine beständige Klientel, die jedes Jahr die Fähren nutzt. Deutlich seltener sind dagegen die Handwerker und andere Arbeitskräfte zu sehen, die per Schiff zur Arbeit nach Skandinavien gefahren sind. Denn auch dort waren die Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren. Der in den Jahren von 2004 bis 2010 zu beobachtende Bauboom ist abgeebbt. Dafür verzeichnen wir ein stärkeres Interesse bei den Campern mit Wohnmobilen und Gespannen. Zugelegt hat auch der Angeltourismus.

OZ: Werden die Tagesfahrten ab Sassnitz, zum Beispiel nach Kopenhagen und Malmö, auch von Stena Line angeboten?

Dost: Ja, diese Angebote wurden jetzt auf der ITB in Berlin neu präsentiert und werden den Tourismusbüros zugesandt. Schade nur, dass die Gäste immer kürzer auf Rügen verweilen. Ich bin aber überzeugt, dass die Königslinie wieder verstärkt schwedische Touristen nach Rügen ziehen wird. Hier sollten wir Touristiker kooperieren.

OZ: Wir? Ich dachte, Sie wären jetzt ausschließlich Vorruheständler?

Dost: Das glaube ich nicht. Ich werde ganz bestimmt auf irgendeine Weise mit dem Tourismus verbunden bleiben. Die Fährschiffe begeistern mich nach wie vor.

OZ: Was würden Sie sich für den Fährverkehr zwischen Deutschland und Skandinavien wünschen?

Dost: Eine gute Auslastung und eine gesicherte Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter. Generell wünsche ich mir wieder beständige Bahnverbindungen zum Kontinent, wie es sie bis vor sechs Jahren mit der Linie Berlin — Malmö gab. Die Erreichbarkeit der Häfen spielt eine große Rolle bei unseren Kunden.

Schiffsoffizier auf der Ostsee

1953 wurde Henning Dost als Sohn des bekannten Ornithologen Hellmuth Dost in Bergen geboren. Im Fährbetrieb Sassnitz lernte er Koch im Rügen-Hotel und besuchte von 1974 bis 1977 die Hotelfachschule in Leipzig. Von dort kehrte er als Diplom-Betriebswirt (FH) zurück und arbeitete als Restaurantleiter im Rügen-Hotel bis 1985.16 Jahre lang fuhr er als Servicemanager und Schiffsoffizier unter anderem auf den Linien zwischen Warnemünde und Gedser, Sassnitz und Rønne, Sassnitz — Trelleborg , Rostock — Trelleborg. 2001 wechselte er in den Bereich Verkauf/Vertrieb von Scandlines und übernahm als Verkaufsleiter die neuen Länder. Am 8. März war sein letzter Arbeitstag auf der Reisemesse in Berlin.

Interview von Maik Trettin

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OZ

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