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Schüler auf Spurensuche in Kingisepp

Sassnitz Schüler auf Spurensuche in Kingisepp

Mit tollen Ergebnissen ist eine Delegation Sassnitzer Schüler aus der russischen Partnerstadt Kingisepp wiedergekommen. Sie waren in ihren Winterferien auf den Spuren der Königslinie unterwegs.

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Kamen mit vielen Reiseeindrücken aus dem russischen Kingisepp nach Sassnitz zurück: Die Schüler Angelina Riede, Betty Brandt (v.l. beide 14), Ede Zabel (17) und Benny Edelmann (15) bei der Präsentation ihrer Ergebnisse nach der Geschichtsexkursion im Sassnitzer Rathaus.

Sassnitz. Mit tollen Ergebnissen ist eine Delegation Sassnitzer Schüler aus der russischen Partnerstadt Kingisepp wiedergekommen. Sie waren in ihren Winterferien auf den Spuren der Königslinie unterwegs.

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Mit tollen Ergebnissen ist eine Delegation Sassnitzer Schüler aus der russischen Partnerstadt Kingisepp wiedergekommen. Sie waren in ihren Winterferien auf den Spuren der Königslinie unterwegs.

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Auf der faulen Haut wollten die vier Sassnitzer Schüler Angelina Riede, Betty Brandt, Benny Edelmann und Ede Zabel in ihrer Winterferienzeit nicht liegen, sondern etwas für die eigene Horizonterweiterung tun. Mit großer Leidenschaft haben sie sich gemeinsam mit ihrer Geschichtslehrerin Marianne Boom von der Regionalen Schule Sassnitz an ein ganz besonderes Thema herangewagt: Den Verwundetenaustausch über die Königslinie Sassnitz — Trelleborg während des Ersten Weltkrieges.

Gestern Nachmittag stellten sie im Rathaus die ersten Ergebnisse ihrer einwöchigen Exkursion in die russische Partnerstadt von Sassnitz, Kingisepp, vor. Zum geschichtlichen Hintergrund:

Von 1915 bis 1918 wurden etwa 63000 Kriegsversehrte im Gefangenenaustausch auf der Königslinie mit Fähren über die Ostsee transportiert. Soldaten aus Russland, Österreich-Ungarn und Deutschland, die während des Ersten Weltkrieges bei Kampfhandlungen so schwer verletzt wurden, dass sie ihr späteres Leben als Invaliden fristen mussten, wurden zwischen den verfeindeten Staaten über die Königslinie ausgetauscht.

Um einige Einzelschicksale von Soldaten, die während des Ersten Weltkrieges an den Fronten zu Krüppeln wurden, genauer zu untersuchen, flogen die Sassnitzer Schüler in ihrer ersten Winterferienwoche von Berlin-Schönefeld nach St. Petersburg. Vom dortigen Flughafen Pulkovo reisten die Jugendlichen mit einem Bus etwa 140 Kilometer weiter westlich nach Kingisepp. Mit dabei waren neben der Geschichtslehrerin Marianne Boom auch drei Mitglieder des Vereins „100 Jahre Königslinie“: Vereinschef Hans-Dietmar Hoffmüller, Gerd Slowy und der Binzer Allgemeinmediziner Dr. Uwe Mittelbach. „Es war einfach überwältigend, wie herzlich wir in Kingisepp empfangen wurden und es war uns schon manchmal peinlich, wie rührend sich unsere Gastgeber um wirklich alles gekümmert haben“, lautete das Resümee von Hoffmüller. „Wir haben uns mit den russischen Schülern des dortigen Gymnasiums auf Englisch unterhalten und dabei viel über ihre Lebensweise erfahren“, sagte der 17-jährige Ede Zabel.

Neben Recherchen in Archiven, Museen und im Eisenbahnmuseum von St. Petersburg sind die Schüler ganz tief in die Kultur des Landes eingetaucht. Russische Bräuche und Sitten sind den vier jungen Rüganern nun besser vertraut.

Für Sassnitz´ Bürgermeister Frank Kracht (Linke) hatten die Schüler einige Gastgeschenke mitgebracht, darunter auch ein reichhaltig verziertes russisches Brot, das in Zukunft unverzehrt im Sitzungssaal des Rathauses einen Ehrenplatz erhalten wird.

„In den Gesprächen mit den russischen Lehrern und Schülern am Gymnasium wurde uns immer wieder gesagt, dass wir Deutschen in Russland nicht verhasst sind“, sagte Geschichtslehrerin Marianne Boom und fügte hinzu: „Wir werden dort nicht mehr in Sippenhaft genommen, weil zwischen den damaligen Faschisten und den Deutschen der nachfolgenden Generationen schon unterschieden wird.“

Höchstwahrscheinlich im kommenden Sommer bekommen die Sassnitzer Schüler Gegenbesuch von einer Delegation aus Kingisepp.

Bei aller Freude über die enge freundschaftliche Verbindung Richtung Osten sagte Bürgermeister Frank Kracht: „Wir haben unsere Fühler auch in Richtung Westen ausgestreckt und streben eine Städtepartnerschaft mit der kleinen amerikanischen Hafenstadt Port Washington an“. Eine Städtekooperation mit einer chinesischen Provinzstadt ist ebenfalls geplant, kündigte der Sassnitzer Verwaltungschef an.

Königslinie und Invalidenaustausch

Die Königslinie ist eine Fährverbindung, die von Sassnitz auf Rügen nach Trelleborg (Schweden) übersetzt.

1915 begann der Austausch von schwerverwundeten Soldaten zwischen Russland und Deutschland, Österreich und der Türkei über die Königslinie. Am 16. August des Jahres lief gegen 13 Uhr der Dampfer „Birger Jarl“ mit den ersten 250 deutschen und österreichischen Verwundeten in den Sassnitzer Hafen ein.

Auch Brief- und Paketsendungen zu den Gefangenenlagern wurden auf dieser Linie befördert. Vorbereitet wurde diese bis dahin beispiellose humanitäre Aktion im Frühjahr 1915 durch Gespräche zwischen dem schwedischen Außenministerium und Deutschland sowie Russland über den Austausch invalider Gefangener. Für die Überfahrt Sassnitz — Trelleborg wurden zwei Passagierdampfer, nämlich die „Birger Jarl“ und die „Aeolus“ von der Dampfschiffgesellschaft Svea gemietet.

Von Christian Rödel

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