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Second Hand für die Seele

Bergen Second Hand für die Seele

Die Süddeutsche Sabine Faulhaber lebt die Idee der Nachhaltigkeit in ihrem kleinen Geschäft

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Second Hand im Boutique-Style: Sabine Faulhaber (50) präsentiert die Ware so, wie es die zum großen Teil neuen Sachen verdient haben.

Quelle: Foto: Steffi Besch

Bergen. „Isch muss dis erstma richte“, ruft Sabine Faulhaber quer durch ihren kleinen Laden in der Bergener Dammstraße einem Kunden entgegen. Was die gebürtige Karlsruherin dort auf feinstem württembergischen Alemannisch „richtet“, heißt bei uns an der Küste „tosamensöken“. Und das macht die charismatische Blondine alle zwei Monate. Dann werden nämlich die nicht verkauften Stücke aus ihrem Second Hand Shop wieder abgeholt. „Damit wechselt das Sortiment regelmäßig. Und wer die Kleidung, Schuhe oder Spielsachen nicht zurück möchte, entscheidet sich damit automatisch für eine Spende. Diese gebe ich dann direkt bei Bedürftigen ab“, berichtet sie.

Sabine Faulhaber hat sich mit dem einzigen Second Hand Shop der Insel bereits vor zwei Jahren in Bergen selbstständig gemacht, um hier das Konzept der Nachhaltigkeit umzusetzen. Und, weil sie es nicht glauben konnte, dass hier auf der Insel kein derartiges Geschäft existierte. „In meiner Heimat Baden-Württemberg gibt es viele solcher Läden, noble Shops, die eher Boutiquen gleichen. Die Zeiten von muffigen, dunklen Kellerräumen mit unsortierten Klamottenhaufen und beschädigter Ware sind Vergangenheit. Die Kleidungsstücke erreichen mich hier teilweise mit original Etiketten, sind also ungetragen“, erzählt die 50-Jährige. Sie ist von der Second- Hand-Idee begeistert und hat selbst schon immer gern auf Flohmärkten und in Läden gebrauchte Sachen gekauft. Es liegt für sie nahe:

„Wir können mit unseren Ressourcen nicht länger so umgehen und nicht immer alles neu herstellen. Wer billig kauft, kauft Schadstoffe in der Kleidung und nimmt Ausbeutung und unmenschliche Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern in Kauf. Aber auf der anderen Seite frage ich mich, wer es sich bei den steigenden Preisen heute noch leisten kann, alle drei Monate ein paar gute Kinderschuhe für 79 Euro zu erwerben.“

Ihr Weg vom Schwabenländle nach Rügen war von Schicksalsschlägen und Verlusten gepflastert war. Nach sieben Jahren in Namibia zog sie ein Unfall ihrer 96-jährigen Großmutter zurück nach Deutschland.

Für ein halbes Jahr wollte sie bleiben und dann zurück in das Land ihrer Träume. Das Land, dessen Weite und Mentalität der Menschen sie glücklich machte. Das Land, wo die gelernte Apothekenhelferin mit behinderten Kindern gearbeitet hat und auch als Reiseleiterin für einen Veranstalter, der sich auf Touren für körperlich beeinträchtigte Personen spezialisierte.

Aus dem geplanten halben Jahr wurden fast zehn. Sie verlor ein Kind bei der Geburt. Sie trauerte, bildete sich weiter, lebte – irgendwie. „Ich habe immer gesagt, ich kann nicht mehr in Deutschland sein, ich war tot unglücklich. Meine Freundin Sibylle war nach über 30 Jahren Namibia in Stralsund gelandet. Sie sagte vor drei Jahren, ich solle aufhören zu heulen und sie besuchen. Das tat ich auch und machte im Anschluss eine Woche Urlaub auf Rügen. Ich habe mich in die Insel verliebt. Eine Woche später zog ich her. Seitdem begegnen mir jeden Tag tolle, warmherzige Menschen. Ich bin sehr dankbar, hier sein zu dürfen. Ich bin angekommen“, sagt Faulhaber. Sie hat ihren Second Hand Shop in den vergangenen Monaten zu einem Treffpunkt entwickelte, zu einem Ort der Begegnung, des Austauschs. „In Kombination mit einem Café wäre es perfekt“, sagt sie, die eine gute Zusammenarbeit mit den anderen Geschäften in der Altstadt anstrebt. „Getrennt voneinander zu sein ist grauenvoll, oder? Gemeinschaft macht uns glücklich.“

Verzicht auf neue Bekleidung im Kommen

Second Hand Läden werden wegen stetig steigender Preise qualitativ hochwertiger Bekleidung immer beliebter. Viele Menschen verzichten aus Kosten- und Umweltgründen auf die regelmäßige Anschaffung neuer Bekleidung und greifen auf das Angebot gebrauchter zurück.

Mitgliederzahlen bei Plattformen wie ebay und Kleiderkreisel belegen diese Entwicklung. Der erste Insel Second Hand Shop von Sabine Faulhaber befindet sich in der Dammstraße 42.

Die Süddeutsche kauft und verkauft Damen- und Kindermode, Spielzeug, Schuhe und Schmuck, CDs und DVDs, für kleine Insulaner zudem Schulranzen, Roller, Fahrräder, Kindersitze und -wagen.

Der Kunde erhält ein Drittel des Verkaufspreises. Nicht verkaufte Ware muss nach zwei Monaten wieder abgeholt oder kann gespendet werden. Infos unter ☎ 038

38/4038459.

Steffi Besch

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