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Shanghai: Sassnitzer im Blitzlichtgewitter

Shanghai/Sassnitz Shanghai: Sassnitzer im Blitzlichtgewitter

Eine Jugendgruppe aus der Rügener Hafenstadt reist in die Partnerstadt Huaian

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Die Sassnitzer am Hot Pot (v.l.): Eric Borchert (18), Tim Plamper (16), Alicia Mühlbrand (17), Daniela Eggert (18), Lena Dröse (17), Jennifer Zerbst (21).

Shanghai/Sassnitz. Der kleine rote Bus fährt die Sassnitzer Jugendgruppe zum Chenghuang Tempel. Im 15. Jahrhundert erbaut, wurde in dem Kloster der Stadtgott Shanghais verehrt. Schon auf dem Weg dorthin ist in den kleinen Gassen geschäftiges Treiben: Drei Frauen sortieren an einer großen Wasserschüssel kniend rohe Hühnerherzen in einen Holzbottich.

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Eine Jugendgruppe aus der Rügener Hafenstadt reist in die Partnerstadt Huaian

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Fleisch wird aufgespießt und in die Auslage gelegt und Düfte von Jasmintee steigen auf.

Richtig überwunden hat von den Sassnitzern, die auf dem Weg in ihre Partnerstadt Huaian sind, den Jetlag an diesem Sonntag noch niemand. Sechs Stunden Zeitunterschied machen sich nicht nur bei Stadtvertreterin und Seniorenbeiratsmitglied Ilona Wünscher (70) bemerkbar – auch Sebastian Kleindienst vom Jugendbeirat und die zehn Jugendlichen von der freiwilligen Feuerwehr, von Empor Sassnitz und aus dem Beirat wirken noch ein bisschen träge.

Der 10000 Quadratmeter große Tempel ist allerdings derart beeindruckend – da ist alle Müdigkeit schnell verflogen. Trotz der historischen Bedeutung der Anlage ist der Innenhof ganz auf Touristen ausgerichtet – und mit zahlreichen Geschäften und Restaurants bestückt. Einige Chinesen wedeln mit bunten Faltblättern, auf denen Uhren und Schmuck zu sehen sind: kaufen, kaufen, kaufen. Ohne Souvenir sitzt am Ende tatsächlich niemand im Bus. Auch die berühmte Nanjing Road – eine mit engen Gassen, über 600 Geschäften und Restaurants belegte Fußgängerzone – lädt ein zum Staunen, Kosten und natürlich Einkaufen. Die jungen Leute von der Insel Rügen haben schnell begriffen, dass ein kurzer Handel manche Ware sogar bis um die Hälfte billiger macht. „Ich bin bei 50 Renminbi, das sind sieben Euro, eingestiegen und habe am Ende 100 Renminbi bezahlt, gefordert hat der Händler anfangs aber 300“, berichtet Daniela Eggert (18) von ihrem Verhandlungsgeschick.

Am späten Nachmittag reihen sich die Teilnehmer des Austausches in eine riesige Menschenschlange ein. Sie führt zu einer Aussichtsplattform, die den Blick auf die Skyline von Shanghai ermöglicht. Auf einer sich bei einsetzender Dunkelheit anschließenden einstündigen Bootstour auf dem 97 Kilometer langen Huangpu Fluss wird ein Blick auf den berühmten mehr als 460 Meter hohen Oriental Pearl TV Tower möglich. Bunte Lichter, Leuchtreklame, blinkende Schriftzüge ... immer wieder stauen sich die Hobbyfotografen auf dem Oberdeck des Bootes, um dieses nächtliche Spektakel einzufangen. Dabei werden die Jugendlichen aus Deutschland plötzlich selbst zum Fotomotiv. „Immer wieder werden wir gefragt, ob wir uns für ein Foto neben jemanden stellen können“, ruft Jennifer Zerbst (21). Und plötzlich sind genau in der Mitte des Schiffsdecks ausgerechnet die Jugendlichen von der Insel Rügen von Blitzlichtgewitter umgeben.

Die Reise begann am zurückliegenden Freitag weniger spektakulär. Ein wenig verlassen stand die kleine Reisegruppe morgens um 8 Uhr auf dem Sassnitzer Bahnhof. Seit zehn Jahren gibt es diesen Austausch mit der chinesischen Partnerstadt Huaian, und diesmal bekommen Jugendliche die Chance, das Reich der Mitte kennenzulernen. Der 16-jährige Jesko Lenz konnte sich in Sassnitz ein Ereignis wie auf der Bootstour in Shanghai noch gar nicht vorstellen. „Ich bin sehr gespannt und möchte vor allem ganz viel vom Land sehen“, sagt er. Die Aufregung war bei allen groß, denn mit dem Flugzeug verreist waren bisher nur wenige aus der Gruppe, geschweige denn gleich zehn Stunden am Stück. Kekse gingen im Zug reihum, denn Zucker ist gut gegen die Aufregung. Am Hamburger Flughafen wurden die letzten Nachrichten vom Handy aus versendet und ab und zu ein Selfie geschossen. Auf dem Frankfurter Flughafen musste sogar gesprintet werden, um den Anschlussflug nicht zu verpassen.

Drei chinesische Begleiter begrüßten die Sassnitzer: Englischlehrerin Jerri (34), Sportlehrer Ye Fan (34) und Übersetzer Mr. Bikai (31). Der rote alte Bus fuhr vor die Flugplatzhalle, eine chinesische Frauenstimme trällerte ein Lied aus dem Radio. Wolkenkratzer am Horizont, oft alt und weiß, manche modern und verglast und 60 Stockwerke hoch. Motorroller mit Elektroantrieb sausten über die Kreuzungen und überall liefen Mütter mit Kindern, Geschäftsleute im Anzug und Touristen aneinander vorbei. Am Abend gab es dann „echt Chinesisch“ an einem runden Tisch, dem sogenannten Hot Pot.

Sonntagabend saßen die kleinen „Fotopromis“ nach der Bootstour auf dem Huangpu Fluss aufgeregt in der Hotellobby. Am nächsten Tag soll es offiziell werden: Der Flug nach Huaian steht an. Die Proben für eine Aufführung werden diskutiert, Lieder ausgewählt und eine Choreografie erdacht. Die Übungen für einen Schulauftritt sollen allerdings erst auf der Busfahrt nach Huaian stattfinden, denn der Abend war noch jung ...

Huaian

Seit 2007 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Huaian und Sassnitz. Damit ist die Hafenstadt eine von 16 Orten weltweit, zu denen Huaian partnerschaftliche Beziehungen pflegt.

5,5 Millionen Menschen leben in Huaian. Die Stadt liegt in der ostchinesischen Region und hat eine Fläche von rund 10000 Quadratkilometern.

Das Gebiet , in dem sich die Stadt Huaian befindet, soll bereits vor 5000 bis 6000 Jahren besiedelt worden sein.

Christine Zillmer

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