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Tischler-Ausbildung an der Berufsschule steht auf der Kippe

Sassnitz Tischler-Ausbildung an der Berufsschule steht auf der Kippe

Das Bildungsministerium des Landes will den Unterricht in Rostock zentralisieren. Die Kreishandwerkerschaft kämpft für den Standort Sassnitz.

Sassnitz. Artur Richter (22) aus Stralsund liebt das Holz. „Ich bin begeisterter Heimwerker und habe mir schon einen rustikalen Schrank gebaut.“ Tischler will er werden, lernt an der Beruflichen Schule in Sassnitz — so wie die anderen 54 Lehrlinge aus diesem Handwerk. Eine top eingerichtete Werkstatt haben sie hier. Wie lange sie die Maschinen dort noch nutzen können, steht in den Sternen: Das Bildungsministerium des Landes denkt offenbar an eine Zentralisierung der Tischler-Ausbildung. Der Standort Sassnitz könnte für die Azubis dieser Branche unter die Räder kommen.

„Offiziell wissen wir dazu kaum etwas Konkretes“, sagte Angelika Koch, kommissarisch amtierende Koordinatorin an der Beruflichen Schule des Kreises, im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus der Stadt Sassnitz. Der wollte mehr über die Situation an der Schule erfahren und wissen, wo der Schuh drückt, um gegebenenfalls nach Hilfe zu suchen.

Diesen Standort hält Uwe Ambrosat, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, auch nicht für gefährdet. Mit der Ausbildung für die Tischler sieht es da schon anders aus. Ende Februar habe es ein Gespräch mit Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) gegeben. Dort sei die Idee angeklungen, die Tischlerklassen von Sassnitz und Wolgast abzuziehen. Die Schüler müssten dann zum Unterricht nach Waren oder Rostock.

Die Sassnitzer kennen diese Erscheinung: Ihre Lehrlinge aus dem Kfz-Bereich mussten sie schon nach Stralsund schicken, einen Berufsschullehrer, der sie unterrichtet hat, auch. „Die schöne Werkstatt steht jetzt leer“, sagte Angelika Koch niedergeschmettert. Grund ist die sinkende Zahl der Auszubildenden. Wer keine 21 Schüler in einem Lehrjahr zusammenbekommt, kann keine Klasse eröffnen. Ausnahme sind die Landesfachklassen, also Berufsausbildungen, die landesweit nur an einer Schule angeboten werden, wie etwa in Sassnitz die zum Fischer oder zum Hotelkaufmann. Für die Klassen in anderen Zweigen sieht es mau aus. Wegen der geburtenschwachen Jahrgänge sinkt die Zahl der Schulabgänger und damit der Lehrlinge, sagt Ambrosat. Die Situation in der Berufsausbildung sei deshalb seit Jahren angespannt. Die überbetriebliche Ausbildung sei weitgehend weggefallen, jetzt werde das Problem auch an den Berufsschulen besonders deutlich. Dazu kommt noch, dass einige Unternehmen in der Region wegen schlechter Erfahrungen gar keine betriebliche Ausbildung mehr anbieten.

Dieser Prozess könnte durch eine Zentralisierung des schulischen Teils verschärft werden, befürchtet Ambrosat. Die Kreishandwerkerschaft will sich dafür stark machen, dass wenigstens an einem der beiden vorpommerschen Standorte weiter Tischler ausgebildet werden und nicht alle nach Mecklenburg müssen. „Darüber wird es in den nächsten Monaten Gespräche geben“, so Ambrosat, der weiß, dass die Unternehmen ein Interesse an einer Beschulung in der Nähe haben: „Wenn die Jugendlichen noch weiter zur Schule fahren müssen, wird es für die kleinen Betriebe noch schwerer sein, Stellen zu besetzen.“

Davon ist auch Ausschussmitglied Nils Peters überzeugt. „Wenn die Tischlerausbildung in Sassnitz wegfallen würde, wäre das ein herber Schlag.“ Die Rügener Wirtschaft sei gefordert, sich stärker für den Erhalt und die Entwicklung des Berufsschulstandorts zu engagieren. Das wünschen sich auch Angelika Koch und ihre Kollegen. Sie hatten unter anderem versucht, Bäckereifachverkäufer auf der Insel auszubilden. Bislang müssen diese Lehrlinge bis nach Rostock. Die heimischen Betriebe hätten so gut wie gar nicht reagiert. Ebenso ergebnislos blieben die Bemühungen, eine Klasse für Beiköche oder eine für Tourismuskaufleute zu eröffnen. Während es mit vielen Unternehmen eine gute Zusammenarbeit gäbe, hält sich bei anderen Unternehmen das Interesse an der schulischen Ausbildung ihrer Schützlinge stark in Grenzen. Gerade im Bereich der Hotellerie und Gastronomie lasse das Engagement zu wünschen übrig. „Da wären wir manchmal schon froh, wenn die Betriebe die Auszubildenden so wie vorgesehen für den Unterricht freistellen würden.“

Maik Trettin

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Das Bildungsministerium des Landes will die Tischler-Ausbildung offenbar in Rostock zentralisieren. Artur Richter und Tobias Knorr (r.) von Rügen sind Auszubildende im 2. Lehrjahr.

Das Bildungsministerium des Landes will die Lehre für den Beruf offenbar in Rostock zentralisieren.

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