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Rügen Trotz Aktionsplan: In Lietzow lärmt es weiter
Vorpommern Rügen Trotz Aktionsplan: In Lietzow lärmt es weiter
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00:00 27.03.2014
Bürgermeister Jürgen Böhnig mit der Lärmkarte für Lietzow an der Ortsdurchfahrt. Quelle: ub/Archiv

Für Anwohner an der B 96 in Lietzow gibt es auch weiterhin nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie greifen zu Ohrstöpseln, wenn sie zu Bett gehen, oder sie ertragen den Lärm, den die direkt vor den Fenstern vorbeirauschenden Fahrzeuge auf der Ortsdurchfahrt verursachen. Zwar haben die Lietzower Gemeindevertreter gerade erst einen Aktionsplan gegen den Lärm beschlossen. Doch effiziente Maßnahmen, mit denen sich der Geräuschpegel drastisch minimieren lässt, beinhaltet das Papier nicht. „Ein historisch gewachsener Ort ist nicht rettbar“, stellt Bürgermeister Jürgen Böhnig fest.

„Es gibt Lietzower, die sich sogar Tempo 30 wünschen“, sagt Sonja Nagel. Sie hat sich von amtswegen des Lärms in der Kommune am Großen und Kleinen Jasmunder Bodden angenommen. Ende November des vergangenen Jahres beauftragte die Gemeinde das Amt in Bergen, für Lietzow so einen Aktionsplan gegen den Lärm zu erarbeiten. Bereits damals ließ Sonja Nagel, die im Bergener Bauamt arbeitet, die Lietzower rot sehen. Sie legte dem Gemeinderat eine Karte vor, auf der die Lärmbelästigung farblich dargestellt wurde. Grundlage hierfür bildeten Untersuchungen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG). Das Ergebnis für Lietzow weist einen rot markierten Korridor entlang der B 96 durch den Ort aus. Die Farbe signalisiert eine erhöhte Lärmbelästigung. Die für MV festgelegten Grenzwerte von 65 Dezibel am Tag und 55 Dezibel in der Nacht werden entlang der Hauptverkehrsader, die in der Saison bis zu 28 000 Fahrzeuge am Tag passieren, weit überschritten.

Gemessen wurden hier bis zu 75 Dezibel (OZ berichtete).

„Wir haben die Lietzower am Lärmaktionsplan beteiligt“, informierte Sonja Nagel die Gemeindevertreter jetzt, dass an 116 betroffene Haushalte Fragebögen verschickt wurden. Davon seien 32 ausgefüllt ans Amt zurück gekommen, was Nagel als „recht gutes Ergebnis“ kommentierte. Die Auswertung ergab: 25 Betroffene empfinden den Lärm am Tag und in der Nacht als störend, 16 fühlen sich durch den sogar gesundheitlich beeinträchtigt. „Die Hälfte dieser Betroffenen hat selbst schon etwas zur Lärmminimierung durch den Einbau von Schallschutzfenstern und das Anpflanzen von Lärmschutzhecken unternommen“, bringt Sonja Nagel das Ergebnis der Fragebogen-Aktion auf den Punkt. Die bei einigen Lietzowern in der Forderung mündet, die Geschwindigkeit auf der Ortsdurchfahrt auf Tempo 30 zu reduzieren.

Das allerdings hält Sonja Nagel für „utopisch“. Auf einer Bundesstraße sei dies schwer möglich, begründete sie. Im Kampf gegen den Lärm könnte eine Ampel lächeln. „Das Aufstellen einer sogenannten Smiley-Ampel wäre als erzieherische Maßnahme möglich.“ Ansonsten bestehe lediglich die Aussicht, dass „irgendwann ab 2020 die Ortsumgehung Bergen gebaut wird“. Über diese Trasse könnte der Verkehr zum Fährhafen sowie nach Jasmund und Wittow umgeleitet und somit das Aufkommen in Lietzow reduziert werden. „Das ist aber alles noch weit weg“, räumte selbst die Bauamtsmitarbeiterin ein, die in den Bericht für Lietzow an das LUNG auf jeden Fall die Forderung aufnehmen will, dass über neue Fördermöglichkeiten für Lärmschutz-Maßnahmen sofort informiert wird, damit die Lietzower davon profitieren können.

Mit ihrem „Ja“ zum Aktionsplan schicken die Gemeindevertreter das Papier jetzt zum LUNG. Nicht ohne Kommentar. „Da läuft gar nichts“, fasste Jürgen Böhnig ernüchternd zusammen.

EU-Richtlinie wird umgesetzt

2002 hat die EU eine Richtlinie zur „Bekämpfung von Umgebungslärm“ herausgegeben. Die darin verankerten Vorgaben sind zwar bereits in das Bundesimmissionsschutzgesetz übernommen, bisher allerdings nicht umgesetzt worden. Das wird jetzt mit den Lärmaktionsplänen nachgeholt, die auch für Kommunen in MV erarbeitet werden. Auf der Insel gehört Bergen dazu.
Im Gegensatz zu Lietzow, wo kaum Möglichkeiten zur Lärmminimierung gesehen werden, machen die Bergener richtig Front gegen den Verkehrskrach. Das von den Stadtvertretern verabschiedete Maßnahmepapier sieht unter anderem vor, das Zentrum in eine verkehrsberuhigte Zone umzuwandeln und für große Teile der Ringstraße und der Gingster Chaussee ein Nachtfahrverbot für schwere Lastwagen durchzusetzen.



Udo Burwitz

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