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Vom Umgang mit todkranken Menschen

Bergen Vom Umgang mit todkranken Menschen

Die mittlerweile vierte Rügener Hospizwoche startet am kommenden Sonnabend.

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Puppenspielerin Birgit Schuster ist während der Hospizwoche im Grundtvighaus zu erleben.

Quelle: Foto: Ann-Christin Schneider

Bergen. „Sie sind todkrank und haben nur noch wenige Wochen zu leben.“ Im deutschen Film ist die schonungslose Offenheit der Ärzte gegenüber ihren Patienten an der Tagesordnung. In vielen Kliniken und Praxen der Bundesrepublik mittlerweile auch, weiß Anke Rosenau. Sie ist Koordinatorin beim Ambulanten Hospizdienst auf der Insel. Gemeinsam mit den Mitstreitern vom Förderverein für Hospizdienste und dem stationären Hospiz hat sie zum mittlerweile vierten Mal die Rügener Hospizwoche vorbereitet. Eine Woche lang, vom 7. bis zum 13. Oktober, werden sie das Sterben und den Umgang mit dem Tod und todkranken Menschen thematisieren.

Auftakt im Pflegeheim

4. Rügener Hospizwoche findet vom 7. bis zum 13. Oktober statt.

Auftaktveranstaltung am 7. Oktober ab 11 Uhr im DRK-Pflegeheim in Bergen-Rotensee.

Abschluss am Freitag jeweils um 20 Uhr mit einem Benefizkonzert in der Gingster Kirche und dem Film „Bilder, die bleiben“ im Bergener Medien- und Informationszentrum.

Einer der Referenten wird Dr. Bernhard Möx sein. Er ist Oberarzt für Innere Medizin am Rügener Sana-Krankenhaus und Vorsitzender des Hospizvereins. „Schwere Erkrankung – wie ehrlich sollten wir sein?“ Darüber wird er sprechen und mit Besuchern ins Gespräch kommen. Die Kommunikation mit Schwerstkranken und ihren Angehörigen ist und bleibt ein sensibles Thema, weiß Anke Rosenau aus ihrer täglichen Arbeit. „Die haben mir das einfach so ins Gesicht geknallt“, klagen viele Menschen über Ärzte, die ihren Patienten den nahen Tod mit offenbar zu wenig Feingefühl ankündigen. „Das begreift man beim ersten Mal oft gar nicht“, sagt die Hospiz-Koordinatorin. Die Menschen seien auch in dieser Frage sehr verschieden. Die einen ertragen es nicht, wenn man ihnen etwas verschweigt. Andere können mit einer solchen negativen Prognose umgehen, wenn man es ihnen schonend beibringt und sie sich langsam darauf einstellen können. Und dann gibt es die, die die Wahrheit bis zum Schluss gar nicht wissen wollen. „Vielen Menschen geht es ja bis kurz vor dem Tod noch gut.“ Allerdings, sagt Rosenau, könne sich der Zustand schnell verschlechtern. Die Anzeichen dafür erkennen viele nicht, wollen sie oft auch nicht erkennen.

Wie Angehörige einem Sterbenden begegnen, darum geht es in einem Seminar mit einer Berliner Pflegefachkraft und einem Kulturwissenschaftler und Pflegeassistenten. Beide beleuchten das Spannungsfeld zwischen Ekel und Scham, in dem sich viele Verwandte, Freunde, aber auch Fachkräfte, die einen todkranken Menschen auf seinem letzten Weg begleiten, befinden. „Prinzipiell ist ja nichts Ekliges daran“, beruhigt Anke Rosenau. Dennoch seien viele von bestimmten Symptomen, die manche Krankheiten im Endstadium mit sich bringen, unangenehm berührt. „Wenn die Pflegekraft schon das Gesicht verzieht, wenn sie nur ins Zimmer kommt, macht es das für den Sterbenden noch schwerer.“ Das Seminar sei folgerichtig nicht nur ein Angebot, das sich an Angehörige richte, sondern an alle, die professionell in der Pflege und der Hospizarbeit tätig sind. In einem anderen Vortrag unter dem Titel „An sich selbst denken, wenn es am schwersten fällt“, spricht eine Psychotherapeutin über die notwendige Selbstfürsorge, die sich sowohl die sterbenden Menschen als auch diejenigen, die sie pflegen, angedeihen lassen sollten.

Auch Kinder können sich mit dem Thema beschäftigen. „Leb wohl, lieber Dachs“, heißt das Stück, das die Puppenspielerin Birgit Schuster am 10. Oktober im Sassnitzer Grundtvighaus aufführt. In der poetischen Geschichte über das Trauern und Abschiednehmen geht es um den Dachs, der für alle anderen Tiere des Waldes da war und eines Tages tot ist.

Die Filmemacherin Katharina Gruber können die Rüganer am Freitag, dem 13. Oktober, im Bergener MIZ kennenlernen. Dort wird sie ihren Film „Bilder, die bleiben“ vorstellen. Drei Monate lang hat sie eine 45-Jährige mit der Kamera begleitet, die damit rechnet, bald sterben zu müssen. Offen und eigenwillig setzt sich die Protagonistin mit dem Tod und der bevorstehenden eigenen Bestattung auseinander.

Maik Trettin

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