Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Von Wurstsalat bis Warenkunde

Sassnitz Von Wurstsalat bis Warenkunde

Mehr als 70 Lehrlinge aus Hotellerie und Gastronomie bei den Zwischenprüfungen an der Berufsschule

Sassnitz. Vivien Heise holt sich noch frische Kräuter aus der Lehrküche, zupft ein paar Blätter ab und dekoriert damit ihr Gericht. Fertig. Ob die junge Frau, die auf der Selliner Seebrücke zur Restaurantfachfrau ausgebildet wird, mit ihrem Wurstsalat den Geschmack der Profis getroffen hat, wird sich zeigen. Aber der ist gar nicht so entscheidend bei der Zwischenprüfung, sagt die Berufsschullehrerin Dimitrola Schönemann. „Die jungen Leute sollen unter Beweis stellen, dass sie mit den Abläufen vertraut sind, dass sie zur Herstellung eines Gerichts einen Arbeitsablaufplan schreiben und zum Beispiel die dafür notwendigen Waren in der richtigen Menge selbst bestellen können.“

 

OZ-Bild

Das Auge isst mit: Dass sie einen schmackhaften Wurstsalat zubereiten können, mussten die Lehrlinge unter Beweis stellen.

Quelle: Foto: Maik Trettin
OZ-Bild

„Die jungen Leute sollen unter Beweis stellen, dass sie mit den Abläufen vertraut sind und zum Beispiel Waren in der richtigen Menge selbst bestellen können.Dimitrola Schönemann, Lehrerin

Für einen Koch mag die Zubereitung eines Wurstsalats für vier Personen Berufsalltag sein. Doch auch die anderen Auszubildenden, etwa die Hotel- oder die Restaurantfachleute, sollen wenigstens die grundlegenden Handgriffe des Hotel- und Gastgewerbes beherrschen. Und so müssen die künftigen Köche beispielsweise auch wissen, wie ein fachlich einwandfrei gedeckter Tisch auszusehen hat. Wie alle anderen müssen auch sie in der Zwischenprüfung fünf verschiedene Serviettenformen brechen, also falten, müssen an einem Tisch erklären, welches Getränk aus welchem Glas getrunken wird und welche Spezialbestecke man wozu benutzt. Auch wenn sie die Tierchen vielleicht nicht selbst kosten würden: Wie man mit der Spezialzange Schnecken isst, gehört zum Grundwissen aller künftigen Gastronomen und Hotelfachleuchte.

Dimitrola Schönemann ist in Eile. Die Lehrerin organisiert gemeinsam mit ihren Kollegen von der Berufsschule und aus Rügener Hotels und Restaurants die Zwischenprüfung. „Die Teilnahme ist für die Schüler Voraussetzung, wenn sie sich später zur Abschlussprüfung anmelden wollen“, sagt sie. 78 Auszubildende haben sich für den Zwischentest eingetragen. Ob auch wirklich alle kämen, wisse man vorher nie. Zum Team der Prüfer gehören die Berufsschullehrer Edeltraud Haase und Bernd Vormelker sowie die Fachkollegen Uta Bünting vom Binzer IFA-Ferienpark und Dietmar Wenzlaff vom Göhrener Nordperd-Hotel. Sie werden im Anschluss die „Rohstoffstrecke“ bewerten. Die Prüflinge können drei der vorgegebenen Produkt auswählen, über die sie am meisten wissen. Dann sind in einem schriftlichen Teil Fakten gefragt: Welche ernährungsphysiologische Bedeutung hat das ausgewählte Lebensmittel? Wo kommt es her, wie wird es angebaut? Was lässt sich daraus herstellen, wie wird es zubereitet? Im anschließenden mündlichen Teil haken die Prüfer bei Bedarf noch einmal nach.

Viele Auszubildende sind es nicht, die derzeit einen Beruf in der Gastronomie oder Hotellerie ergreifen wollen. „Die Betriebe bilden deutlich weniger junge Leute aus als früher“, weiß Dirk Reichel, Leiter des Sassnitzer Berufsschulstandorts. Die Rahmenbedingungen in der Branche hätten sich kaum zum Positiven verändert. Die Berufe seien für viele junge Menschen einfach nicht attraktiv. „Es gibt Betriebe, die da gegensteuern und sich etwas einfallen lassen“, sagt Reichel. Viele aber scheinen darauf zu warten, dass sich das Problem von selbst löse.

Eine Zeit lang hatte die Branche auf ausländische Jugendliche gehofft und vor allem jungen Leute aus Südeuropa eine Ausbildung und anschließende Arbeit in Deutschland schmackhaft gemacht. Nicht wenige von denen, die hierher kamen, sind bald wieder nach Hause gefahren. Ein entsprechendes Förderprogramm wird nach fünf Jahren nicht verlängert. Zunehmend interessieren sich anerkannte Asylbewerber für eine Berufsausbildung in der neuen Heimat. Einige von ihnen befinden sich derzeit noch in der Sprachausbildung, andere belegen schon Kurse zur Vorbereitung auf eine Lehre. „Da kommen jetzt die ersten Schüler“, sagt Reichel. Dass sie den Nachwuchsmangel der Branche allen zahlenmäßig ausgleichen können, darf aber bezweifelt werden.

Maik Trettin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald
„Schönheit trägt S, Erfolg XS“. Sarah Bonitz als magersüchtige Anna. Gestern feierte das Stück im Jahngymnasium Premiere.

Das neue Klassenzimmerstück des Theaters macht Magersucht zum Thema – direkt und aufrüttelnd

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Sassnitz
Verlagshaus Rügen

Markt 25
18528 Bergen auf Rügen

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag:
9.00 bis 12.30 Uhr und von 13.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Jens-Uwe Berndt
Telefon: 0 38 38 / 20 14 53
E-Mail: ruegen@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.