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Wald verkauft: Kriegsgräber gefährdet?

Martinshafen Wald verkauft: Kriegsgräber gefährdet?

Bund hat Wald in Martinshafen veräußert / Vorkaufsrecht der Gemeinde abgelehnt

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Steinmetzmeister Christian Krüger (r.) und Mitarbeiter Jochen Tänzer nehmen die Grabplatten der Kriegsgräberstätte in Martinshafen auf. Sie sollen in der Werkstatt gesäubert und die Inschriften erneuert werden.

Quelle: Udo Burwitz

Martinshafen. Steinmetzmeister Christian Krüger und Mitarbeiter Jochen Tänzer schieben Sackkarren durch den Kiefernbestand am Hafen in Martinshafen. Sie haben ein Ziel – die Kriegsgräberstätte, die sich in dem Wald neben dem maritimen Anleger am Großen Jasmunder Bodden befindet. Dort wartet ein Kraftakt auf beide. Das Duo stemmt die 32 Grabplatten von den letzten Ruhestätten der Kriegstoten und hebt sie auf die Sackkarren. Schwer beladen, chauffieren sie diese zum Auto am Waldrand und hieven sie auf die Ladefläche. „Die Grabplatten werden wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt“, kommentiert Wilhelm Hacker, Vorsitzender des Regionalverbandes Rügen der Kriegsgräberfürsorge, die Aktion.

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Bund hat Wald in Martinshafen veräußert / Vorkaufsrecht der Gemeinde abgelehnt

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„Das ging schnell“ freute sich Hacker am Donnerstag einerseits über die reibungslose Verladeaktion. Der Sagarder ist vor allem aber froh, dass die Instandsetzungsarbeiten an der Kriegsgräberstätte so rasch begonnen werden können. Dafür hat er sich persönlich eingesetzt. Weil die Inschriften auf den Grabplatten für die 29 Flüchtlinge und drei Marinesoldaten, die in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges nach dem Ausbruch einer Epedemie in Martinshafen starben, kaum noch lesbar sind, hatte er vor etwa einem Monat eine finanzielle Unterstützung für die Erneuerung beantragt (die OZ berichtete). „Diesen Antrag hat der Landesverband der Kriegsgräberfürsorge bereits bewilligt“, konnte er jetzt berichten. Rund 1200 Euro wird es kosten, damit die Stätte des Gedenkens und der Mahnung in Martinshafen keine fast namenlose bleibt und Besucher wieder lesen können, wer hier seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Doch Wilhelm Hackers Freude ist getrübt. „Der Wald in Martinshafen ist verkauft worden“, begründet er. „Was wird aus der Kriegsgräberstätte? Bleibt sie für die Zukunft erhalten?“ Der 74-Jährige meldet selbst Skepsis an. Er habe den Kaufvertrag gelesen, sagt er. „Da steht drin, dass es hier keine Denkmale geben soll.“ Genau das lässt ihn um die Zukunft der Mahn- und Gedenkstätte fürchten.

„Könnte doch sein, dass nicht von heute auf morgen, aber in einigen Jahren alles platt geschoben wird, um hier ein Haus zu bauen“, spekuliert Hacker. Der Eintrag im Kaufvertrag, dass es keine Denkmale gibt, stimme jedenfalls nicht. Deshalb habe er den Vertrag zum Landesverband der Kriegsgräberfürsorge geschickt. „Der soll darauf drängen, dass der Vertrag in diesem Punkt korrigiert wird, damit wir auf der sicheren Seite sind“, fordert Wilhelm Hacker. „Der Bund hat den Wald in Martinshafen an privat, an Leute aus Leipzig, veräußert“, bestätigt Sandro Wenzel den Verkauf. Über den sei die Gemeinde informiert worden, so der Bürgermeister weiter. „Die Kommune hat wegen der Kriegsgräberstätte und dem geplanten Ausbau des Hafengebietes zum touristischen Zentrum der Gemeinde von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen wollen. Dieser Antrag wurde allerdings abgelehnt.“ Die Kriegsgräberstätte sieht Wenzel allerdings nicht gefährdet und auch die Gefahr gebannt, dass Besucher an den Zugängen zum Wald mal Schilder mit der Aufschrift „Zutritt verboten“ finden werden. „Im Vertrag“, den er auch studiert habe, „ist extra noch einmal schwarz auf weiß festgeschrieben, dass der Wald öffentlich begehbar bleiben muss“.

Christian Krüger und Jochen Tänzer haben jetzt in der Werkstatt zu tun. Die Grabplatten von Martinshafen werden mit Wasser gründlich gereinigt, die Inschriften werden nachgearbeitet und anschließend mit Spezialsteinschriftfarbe nachgemalt, erläutert Christian Krüger die anstehenden Arbeiten. „Binnen einer Woche soll das geschafft sein“, gibt der Steinmetzmeister als Ziel vor. Inzwischen werden Mitarbeiter einer Sassnitzer Friedhofsgärtnerei einen Pflegeeinsatz auf dem Areal der Kriegsgräberstätte starten. Anschließend werden die erneuerten Grabplatten wieder verlegt.

Udo Burwitz

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