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Weg zum Welterbeforum für Privatautos tabu

Sassnitz Weg zum Welterbeforum für Privatautos tabu

Zufahrt zur ehemaligen Waldhalle in der Stubnitz wird ab 1. März gesperrt

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„Ich wohne seit rund 40 Jahren in Sassnitz und kann mich nicht erinnern, dass wir jemals mit dem Auto zur Waldhalle gefahren sind.Dorothea Holtz, Linke

Sassnitz. Rügens Bundestagsabgeordnete und Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am 6. Juni die Zufahrt zum Welterbeforum wohl unter die Räder ihrer Dienstkarosse nehmen, um die neue Attraktion im Nationalpark Jasmund mit einzuweihen. Doch ihre Fahrt, die dem mit Staatsgeschäften dicht gefüllten Terminkalender geschuldet ist, wird eine Ausnahme bilden. Denn der Weg zur ehemaligen Waldhalle, die zum Welterbeforum umgebaut wird, ist für private Autos tabu. Die Zufahrt wird zum 1. März als Waldweg ausgewiesen und damit für den öffentlichen Verkehr gesperrt, haben die Sassnitzer Stadtvertreter mit Stimmenmehrheit beschlossen.

„Die Bundeskanzlerin hat zugesagt“, kündigte Bürgermeister Frank Kracht am Dienstagabend den Stadtvertretern an. Angela Merkel wolle zur Eröffnung des Welterbeforums kommen. Mit dessen Einweihung am 6. Juni beginnt eine neue Ära für das historische Gebäude, das mitten im Nationalpark liegt. In der Vergangenheit war es eine auch bei Sassnitzern beliebte Ausflugsgaststätte, zu der sie auch mit dem Auto fahren konnten – über einen mit altem Kopfsteinpflaster belegten Knüppeldamm in desolatem Zustand. Künftig wird es ein exklusives Wanderziel mit einem Info-Punkt, dem Forum, in dem sich die Wanderer über das Unesco-Welterbe der alten Buchenwälder informieren können, zu dem Waldbestände auf Jasmund gehören, erläuterte Mark Ehlers, Geschäftsführer des Nationalpark-Zentrums, das die neue Attraktion mit betreiben wird, Sassnitzern bereits in einer Einwohnerversammlung. Das Forum soll erwandert werden, betonte er. Aus diesem Grund sei die Sperrung der Zufahrt für den öffentlichen Verkehr vorgesehen (die OZ berichtete) „Ich bin grundsätzlich gegen eine Schließung der Zufahrt.“ Claas Buettler (FDP) lehnt die Ausweisung als Waldweg und die damit verbundene Sperrung für den öffentlichen Verkehr kategorisch ab. Zu Fuß

sei der rund zwei Kilometer lange Weg zum Forum von Sassnitz aus längst nicht von jedem zu bewältigen, begründete er. „Von Leuten, die mich diesbezüglich auf der Straße angesprochen haben, ist keiner für eine Sperrung.“

„Wir sollten dem Nationalpark- Gedanken – zurück zur Natur – Rechnung tragen“, hielt Christine Zillmer (CDU) dagegen. Dorothea Holtz (Linke) pflichtete bei: „Ich wohne seit rund 40 Jahren in Sassnitz und kann mich nicht erinnern, dass wir jemals mit dem Auto zur Waldhalle gefahren sind.“ Die sei immer ein Wanderziel gewesen – damals, um die markante, inzwischen aber abgestürzte Kreideformation der Wissower Klinken in Augenschein zu nehmen und eine Rast in der Ausflugsgaststätte einzulegen und künftig, um sich über das Welterbe in der Ausstellung des Info-Punktes zu informieren. „Ausgegrenzt wird keiner“, betonte sie. Für Besucher mit einem Behindertenausweis werden zwei Parkplätze am neuen Forum eingerichtet. „Sie werden weiterhin durchfahren können. Und für alle, die so einen Ausweis nicht haben, aber nicht gut zu Fuß sind, soll doch ein Shuttle-Verkehr eingerichtet werden“, betonte Dorothea Holtz. Das hatten Fachausschüsse bereits im Vorfeld der Sitzung gefordert. Um diese Forderung wurde die Beschlussvorlage ergänzt, in der es heißt: „Perspektivisch soll mit dem Nationalparkamt über einen Ausnahmetatbestand die Möglichkeit eines Zubringerdienstes/Shuttleservices erarbeitet werden.“

„Diese Lösung muss erst da sein. Erst danach kann über die Wegsperrung befunden werden“, sprach sich Steffen Schröers (AfW) dagegen aus, schon jetzt eine Entscheidung zu fällen. Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Norbert Benedict ist der Weg aufgrund der Historie der Waldhalle „bei Sassnitzern emotional besetzt“. Er nahm den desolaten Zustand der Zufahrt ins Visier. „Er muss dringend instandgesetzt werden.“ Gleichzeitig räumte Benedict ein, dass die Stadt den ehemaligen Pächter der Waldhalle diesbezüglich über Jahre „ziemlich allein gelassen hat“. Würden die Volksvertreter sich gegen die Ausweisung als Waldweg – so wie vorgesehen – aussprechen, würde die Zufahrt eine öffentliche bleiben und die Kommune müsste die Instandsetzung vornehmen, legte er dar. „Dann müssten wir den Sassnitzern aber auch erklären, dass andere Straßen, die ebenso dringend zu sanieren sind, dafür zurückgestellt werden müssen.“

Mit der Ausweisung der Zufahrt als Waldweg geht die in die Verantwortung des Nationalparkamtes über. Das wird den Weg schrittweise instandsetzen, kündigte Gernot Haffner, Amtsleiter des Nationalparks Vorpommern, bereits an. Offen ist der Weg dann nur noch für Rettungs- sowie Ver- und Entsorgungsfahrzeuge und Besucher mit einem Behindertenausweis. Das wird ab dem 1. des kommenden Monats der Fall sein, haben die Stadtvertreter mit 14 Ja- und 7 Gegenstimmen beschlossen.

Udo Burwitz

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