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Zwischen Badekarren und Leinwandzelten

Lauterbach Zwischen Badekarren und Leinwandzelten

Vor 200 Jahren machte Fürst Malte das Seebaden auf Rügen salonfähig / Er erwies sich als geborener Kurdirektor

Lauterbach. Das Jahr 1816, in dem das Seebad Lauterbach eröffnet wurde, war für Putbus ein ganz besonderes. Denn der Fürst Wilhelm Malte zu Putbus (1783-1854) verwirklichte vor 200 Jahren eine Idee, die er mit seinem Studienfreund Graf Hahn ersonnen hatte. Er machte das Seebaden auf der Insel Rügen salonfähig und legte den Grundstein für die Seebäder an Rügens Ostküste.

 

OZ-Bild

Fürst Wilhelm Malte zu Putbus gründete vor 200 Jahren das Seebad Lauterbach. Repro: Bildarchiv Farin

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Anfangs mussten für die kalten Seebäder einige Provisorien genügen – wie etwa das Aufstellen von Leinwandzelten für badelustige Herren und die Badekarren für Damen am Neuendorfer Strand. Diese zeichnete ein berühmter Rügenbesucher schon im Sommer 1815. Kein geringerer als der Romantiker Caspar David Friedrich startete hier im August seine Wanderung auf der Insel, bei der zahlreiche Skizzen und Vorlagen für spätere Meisterwerke entstanden.

Die warmen Seebäder fanden in Putbus statt. Man richtete in der Alleestraße einen Baderaum mit großen Holzzubern ein, wo die Gäste in erwärmtem Wasser aus dem Rügischen Bodden badeten. Damals setzte man sich noch in den Kopf, das Wasser per Pumpe in den Ort zu bringen. Daraus wurde ein Pferdewagen mit Wasser gefüllten Tonnen. Edel ging es in dem Badehaus zu, wo die Gäste in zwei Mamorwannen aus Italien badeten. Die Allee in der Nähe des Schlosses, die damals „Unter den Linden“ genannt wurde, bebauten in den Jahren nach 1815 viele Einwohner, die durch die sich lohnende Zimmervermietung und die Gästebetreuung angespornt waren.

Nachdem das Seebad rasch großen Zuspruch fand und sich der Ortsgründer von dem Besuch anderer europäischer Bade- und Kurorte inspirieren ließ, entschloss sich Wilhelm Malte zum Bau des Badehauses in der Goor. Das kleine Badehaus in der Stadt reichte bei weitem nicht mehr aus. Im Sommer 1818 wurde für das nach dem preußischen König benannte Gebäude der Grundstein gelegt. Ursprünglich ließ der Fürst das Gebäude als Dreiflügelanlage mit Innenhof erbauen. Während im rechten Flügel die Badezellen und Logierräume eingerichtet wurden, diente der linke als Speisesaal. Diese drei Giebelhäuser verband man mittels einer Wand. Zwölf Nischen mit Büsten schmückten sie. Das Ganze versah man mit einem aus 22 hölzernen Säulen bestehenden Vorbau und so wirkte alles wie ein einziges Gebäude. Die Inneneinrichtung des Badehauses entsprach in Eleganz und Komfort der damaligen Zeit. In den Logierzimmern, in denen Sofas, „Fußteppiche“, Tür- und Fenstervorhänge, große Spiegel und Toiletten vorhanden waren, herrschte nicht jene herrische Kühle der fürstlichen Festräume. Gebadet wurde in zehn sogenannten Kabinetten, wohin man mit einer „Wasserbewältigungsmaschine“ aus dem Bodden das Wasser leitete. Die Gastfreundschaft und Zugänglichkeit der Fürstenfamilie wurde in Reisebeschreibungen aus der Zeit des Öfteren lobend erwähnt und dies erwies sich als Markenzeichen von Putbus.

Wilhelm Malte – der geborene Kurdirektor? Mit Sicherheit, denn sein planmäßiges Vorgehen zum Aufbau einer für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Infrastruktur eines modernen Seebades spricht für ihn. In seinem Auftrag hatte es die Fürstliche Badeverwaltung geschafft, aus dem bisher unbekannten Putbus einen Ort zu entwickeln, in dem sich die hohen Herrschaften dieser Zeit versammelten.

Zwischen 200 und 300 Badegäste weilten schon in den ersten Jahren zur gleichen Zeit hier im Südosten der Insel. Das war für damalige Verhältnisse eine bewundernswerte Zahl.

Ein Zeitzeuge berichtet von dem Badeleben mit „großen Badefreuden“ in einem humorvoll gehaltenen Brief: „Überhaupt hat die launige Göttin Saison hier mancherlei Raritäten zusammengeführt: . .

. Brillenträger und Grillenfänger, Stutzer und Putzer, Bescheidene und Geschiedene, Bücklinge und Höflinge, Schöne und Muttersöhnchen usw. Neben dem ehrsamsten Pommer wandelt hier der derbe Mecklenburger, neben dem vielredenden Stettiner der wohlredende Sachse, neben dem ästhetischen Berliner der keifende Hansestädter “

André Farin

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