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Zwischen Mädesüß und Knabenkraut

Bergen Zwischen Mädesüß und Knabenkraut

Naturschützer pflegen die Tilzower Wiese / Hier kommen seltene Pflanzen- und Tierarten vor

Bergen. Es ist halb zehn an einem Sonntagmorgen, als auf der Tilzower Wiese der letzte Halm gemäht ist. Zufrieden stützen sich die sieben „Sensenmänner und -frauen“ auf die Stiele ihrer Geräte und dehnen ihre schmerzenden Rücken. Seit früh um sechs Uhr sind die ehrenamtlichen Helfer des Nabu Rügen auf der Wiese, auch am vorangegangenen Morgen haben sie schon vier Stunden lang die Sensen geschwungen. Dann sind die 9000 Quadratmeter gemäht.

Zweimal im Jahr wird das Flächennaturdenkmal „Wiesenknöterich-Riedwiese Tilzow“ von Freiwilligen in Handarbeit gemäht und das Mahdgut von der Fläche geholt. Das ist mühsam, besonders wenn Arbeit und Sonne den Schweiß fließen lassen. Aber die Mühe lohnt sich, denn auf dieser Feuchtwiese findet man dank der Pflege viele inzwischen seltene Pflanzenarten und Feuchtezeiger. Sie tragen so klangvolle Namen wie Schlangenknöterich, Breitblättriges Knabenkraut, Kuckuckslichtnelke, Kleiner Baldrian, Mädesüß, Bachnelkenwurz und Sumpfdotterblume. Im Pflanzendickicht haben viele Tiere ihr Zuhause, besonders Käfer, Schmetterlinge, Heuschrecken, Spinnen, Frösche und Blindschleichen. Oder die Zwergmaus, deren kugelige Nester in den Gräsern hängen. Manchmal findet man Vogelnester von Bodenbrütern, zum Beispiel vom Fasan. Größere Tiere wie Feldhasen, Rehe und Weißstörche suchen hier regelmäßig Nahrung.

Diese Idylle zu erhalten, hat sich der Nabu Rügen zum Ziel gemacht. Der Umweltverband koordiniert seit zehn Jahren die Helfer und besorgt finanzielle Zuschüsse für neue Geräte und Fahrtkosten. Die Fördermittel kommen vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern und vom Kreis Vorpommern-Rügen. Unter der Leitung von Anna Kamin sind hier manchmal bis zu 15 Naturfreunde im Einsatz, um wie in alten Zeiten zu mähen, das Heu zu wenden, zum Weg zu bringen und auf einen Hänger der Agrargenossenschaft Neklade zu packen, deren Kühe das besonders edle Produkt vernaschen dürfen. Die freiwilligen Helfer wissen, dass sie etwas tun, was kein moderner Bauer schafft: eine moorige Feuchtwiese bewirtschaften, ohne dafür einen Traktor zu benutzen. Dessen Gewicht würde den schwammigen Oberboden zu sehr verdichten, und das schadet den empfindlichen Arten, die hier geschützt werden sollen.

Das Flächennaturdenkmal „Wiesenknöterich-Riedwiese Tilzow“ wurde 1988 vom damaligen Kreis Rügen unter Schutz gestellt, weil der besondere Artenreichtum der Wiese Fachleuten aufgefallen war.

Etwa das Vorkommen des Wiesen- oder Schlangenknöterichs, wissenschaftlich Bistorta officinalis. Der war einst eine Charakterart der Pflanzengesellschaft „Schlangenknöterich-Kohldistel-Feuchtwiese“.

Diese Art hat sich nicht nur auf Rügen rar gemacht, in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen Mecklenburg-Vorpommerns wird sie als stark gefährdet eingestuft.

Das liegt hauptsächlich an der großflächigen Entwässerung durch das Meliorationskombinat, das seit den 60er Jahren kaum eine feuchte Senke verschont hat. Viele nasse Wiesen wurden nach der Wende auch aufgegeben, hier haben Schilf und Brennnessel fast alle anderen Arten verdrängt.

Andere Wiesen wurden wiederum intensiv genutzt, also gedüngt und mit schweren Geräten befahren. Dort wachsen jetzt eher häufig Pflanzen, die Eutrophierung und Bodenverdichtung anzeigen: Quecke, Flatterbinse, Kriechender Hahnenfuß und verschiedene Ampfer.

Wer einen Blick auf die zarten Schönheiten der Tilzower Wiese werfen möchte, findet es südlich von Bergen an der Straße nach Tilzow gleich hinter der Bahnunterführung. Natürlich sind auch mehr Helfer gern gesehen, die mit Sense, Rechen oder Forke umgehen können und keine Angst vor Bewegung an der frischen Luft haben.

Interessenten können sich bei der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises melden. Natürlich können hier auch Fragen oder Hinweise zu anderen naturschutzrelevanten Themen angebracht werden.

Kontakt: ☎ 0 38 31/35731 71 oder Birger.Buhl@lk-vr.de.

Birger Buhl

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