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Rügen Sassnitzer Kurplatz: Behörde sagt Nein zum Oval
Vorpommern Rügen Sassnitzer Kurplatz: Behörde sagt Nein zum Oval
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00:00 03.01.2018
In Kürze sollen die Hüllen und das Gerüst an der Sassnitzer Kurmuschel fallen. Die ist in den zurückliegenden Wochen saniert worden. Quelle: Foto: Maik Trettin

Die Stadt Sassnitz hat die Pläne zur Neugestaltung des Kurplatzes völlig über den Haufen geworfen. Monatelang war unter Führung der externen Rahmenplanerin Erika Streubel über ovale Ebenen diskutiert worden. Zwei Ellipsen sollten ineinander übergehen. Damit nehme man die Formensprache der denkmalgeschützten Beton-Muschel auf, lautete seinerzeit die Argumentation. Und außerdem sei der Platz schon früher geschwungen gewesen.

Das Areal vor der Kurmuschel in Sassnitz soll auch nach der Sanierung wie bisher rechteckig bleiben.

Oder auch nicht. „Die geschwungene Form des Platzes war lediglich in einem von mehreren Entwürfen vorgesehen“, sagt Dr. Markus Sommer-Scheffler von der Unteren Denkmalbehörde im Landkreis. Diese Idee sei nach derzeitigem Kenntnisstand gar nicht umgesetzt worden. „Die geschwungene Variante wurde verworfen und nie gebaut.“ Stattdessen hatten sich der Schalenbaumeister Ulrich Müther beziehungsweise seine Auftraggeber seinerzeit für eine rechteckige Form des Areals vor der Muschel entschieden. Und das offenbar ganz bewusst, wie der Denkmalpfleger ergänzt: „Das Geschwungene der Muschel sollte durch den Kontrast zum rechteckigen Platz davor noch besser zur Geltung kommen“, weiß Sommer-Scheffler nach der Sichtung der Unterlagen.

Verfechter der aktuellen Form hatte es seinerzeit auch in der Stadtvertretung gegeben. Claas Buettler beispielsweise waren die Entwürfe der Stadtplanerin von Anfang an zu schwungvoll. Durch die Ellipsen verliere man Platz, plädierte er für die Beibehaltung des Rechtecks: „Warum müssen wir alles komplett umstoßen und neu machen? Warum sanieren wir nicht einfach das Vorhandene?“

Genau das soll jetzt offenbar geschehen. Die Stadt Sassnitz hat der Denkmalbehörde einen veränderten Gestaltungsvorschlag präsentiert, wie Sommer-Scheffler bestätigt. Es liege jetzt ein Antrag vor, wonach der Kurplatz künftig wieder rechteckig sein soll. Dieser Variante wird die Denkmalbehörde voraussichtlich auch prinzipiell zustimmen können. „Das ist eine prima Lösung“, zeigt sich Markus Sommer-Scheffler von der Rechteck-Form begeistert.

Das sieht Philip Kurz ganz genauso. Er ist Geschäftsführer der Wüstenrot-Stiftung, die Ende vergangenen Jahres mit der Sanierung der Kurmuschel begonnen hat. „Die Denkmalumgebung ist äußerst wichtig“, sagt er und verweist darauf, dass der Platz nach derzeitigem Wissensstand immer rechteckig und mit Gehwegplatten gepflastert gewesen sei. Auch seiner Ansicht nach komme der Schwung der Muschel besonders gut im Gegensatz zu rechteckigen Formen in der Umgebung zur Geltung. Dass die Denkmalschutzbehörde diese Auffassung teile, sei eine gute Nachricht, sagt Kurz.

Ihm zufolge laufe die Sanierung des Müther-Baus sehr gut. Das Bauwerk hat einen neuen Anstrich bekommen, der sich an dem ursprünglichen orientiert. Dass es im Original Farbnuancen gab, habe man gewusst. „Aber wir dachten bislang immer, die würden von unten nach oben verlaufen.“ Bei den jetzigen Untersuchungen zeigte sich, dass die Farbschattierungen von der Mitte aus zu den seitlichen Segmenten etwas gedeckter werden, das mittlere Segment also das hellste ist. Zurzeit sind die „Bullaugen“ der Garderobenanbauten noch in der Werkstatt. Sind sie eingesetzt, könnten Hülle und Gerüst an der Kurmuschel fallen.

Dann sollte ursprünglich der Platz vor der Bühne in Angriff genommen werden. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, ist ungewiss. Das Fördergeld war für die Umsetzung des ovalen Entwurfs genehmigt, bestätigt die Sassnitzer Bauamtsleiterin Claudia Klemens. Die Kosten für die veränderte Planung müssen jetzt erst neu berechnet werden, um auch dafür Förderung zu beantragen.

Beliebter Veranstaltungsort

1988 wurden die Kurmuschel und der Kurplatz in Sassnitz eingeweiht. Die Entwürfe stammen vom Binzer Schalen-Baumeister Ulrich Müther, der sie auch umsetzte. Erst 2015 wurde sie in die Denkmalliste des Kreises aufgenommen.

Zuvor stand an dieser Stelle die „Musikhalle“, die 1905 an dem Standort entstand. Abgerissen wurde sie im Jahre 1983. Bis dahin war sie Veranstaltungsort für Konzerte und Kinovorführungen.

Rund 300000 Euro steuert die Wüstenrot-Stiftung zur Sanierung der Kurmuschel bei.

Maik Trettin

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