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Rügen „Schatulle“ wird wieder Schmuckkästchen
Vorpommern Rügen „Schatulle“ wird wieder Schmuckkästchen
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00:00 26.03.2014
Gegenwärtig wird am Treppenaufgang des Haupthauses Bahnhofstraße 50 in Bergen gearbeitet und der neue Anbau vorbereitet. Quelle: Maik Trettin
Bergen

Angesichts der Großbaustelle des künftigen Einkaufszentrums in der Bergener Bahnhofstraße wird das, was nur wenige Meter weiter passiert, von den Passanten oft übersehen. Nur zwei Häuser weiter sind die Bauarbeiter einem der letzten unsanierten „Schätzchen“ der einstigen Bergener Handwerkermeile zu Leibe gerückt: Das Gebäude mit dem markanten Zwiebelturm und der Nummer 50 wird komplett umgebaut und zum großen Teil nach historischem Vorbild wieder hergerichtet. Hier, wo ursprünglich ein Korbmacher lebte und arbeitete, sich später die Insulaner in der „Schatulle“ mit Kunstgewerbe und im Bibliotheksanbau mit Lesestoff versorgten, sollen bis zum Jahresende zwei Wohnungen und jede Menge Bürofläche entstehen.

2,1 Millionen Euro lässt sich die Bergener Wohnungsgesellschaft BeWo, der das Haus gehört, Sanierung und Umbau kosten. „Wir hatten das Gebäude schon lange auf der Agenda“, sagt Geschäftsführer Gerd Zander. Er hatte der Stadt Bergen seinerzeit Pläne zur Neugestaltung der Bibliothek, die sich jahrzehntelang im Anbau an der Arkonastraße befand, unterbreitet. Doch Bergens Stadtväter entschieden sich für einen Neubau am Marktplatz, das so genannte Medien- und Informationszentrum (MIZ). Daraufhin wurde bei der BeWo neu geplant und Ende letzten Jahres mit dem Abriss der freigezogenen Bibliotheksräume begonnen.

An der Arkonastraße wird ein kompletter Neubau entstehen. In dem sowie in den ersten beiden Etagen des Haupthauses befinden sich künftig rund 900 Quadratmeter Bürofläche. Die Verhandlungen mit dem künftigen Pächter stehen laut Zander kurz vor dem Abschluss. Und auch für die beiden, auf 170 Quadratmeter verteilten Wohnungen in den oberen Geschossen des Haupthauses gibt es schon Interessenten, sogar aus der Führungsspitze des Bergener Rathauses.

„Wir können über Nachfrage nicht klagen“, sagt Gerd Zander. Der führt das zum einen auf ein grundsätzliches Interesse der Bergener am Wohnen in der Altstadt zurück. Zum anderen werde der dann sanierte Bau den künftigen Bewohnern neben dem historischen Flair auch solche modernen Annehmlichkeiten wie eine Südterrasse und einen Fahrstuhl sowie die Nähe zum neuen Einkaufszentrum bieten.

Bei der Sanierung arbeite die BeWo eng mit der Denkmalbehörde des Landes zusammen, sagt der Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft. Auch wenn in den 60er Jahre beispielsweise Geländer des 1909 erbauten Hauses verändert wurden — vieles andere ist noch original erhalten oder soll originalgetreu wieder hergestellt werden. „Wie alles mal aussah, wissen wir ziemlich genau“, so Zander: „Wir haben im Bauamt noch die alten Baupläne für das Gebäude gefunden.“ Holzfenster sollen die alten ersetzen, Türen aufgearbeitet werden. Mit den Dielen klappe das leider nicht mehr. Dafür wird das Dach mit den in der Entstehungszeit des Hauses in Vorpommern weitverbreiteten Betonplatten gedeckt. Die Kombination aus Ziegel- und Putzfassade am Hauptgebäude bleibt erhalten; der Anbau an der Arkonastraße wird zumindest farblich so gestaltet wie das Eckhaus. Auf dem Hof an der Arkonastraße werden für die Mieter sowie die Angestellten oder Kunden des Büros 25 Parkplätze hergerichtet.

Für die Bergener Wohnungsgesellschaft wird das voraussichtlich die größte Investition in diesem Jahr sein. Vorgesehen ist noch ein Teilabriss im Stadtteil Rotensee. In der dortigen Ruschvitzstraße 53 bis 55 sollen 14 Wohnungen verschwinden. „Einen Aufgang werden wir ganz abreißen, bei den anderen Etagen runternehmen“, kündigt der Geschäftsführer an. Die nächste größere Investition in Wohnungen wird dann voraussichtlich im übernächsten Jahr Bergen-Süd zugute kommen. Im dortigen Otto-Grotewohl-Ring sind die Aufgänge mit den Hausnummern 1 bis 4 die letzten, die noch nicht saniert wurden. „Da beginnen wir jetzt mit den Planungen“, sagt Zander.

Korbmacher baute das Haus vor über 100 Jahren

1909 wurde das Haus an der Bahnhofstraße 50 in Bergen fertiggestellt. Hier befand sich bis in die 60er Jahre die Korbmacherei von Ernst Wolle, der im Familienbetrieb mit seinem Vater Gottfried und später seinem Sohn, der ebenfalls Gottfried hieß, unter anderem Strandkörbe herstellte. Anschließend zog in das Eckgeschäft die „Schatulle“ ein, heißt es in einer historischen Abhandlung von Barb und Karl Zerning über die Geschichte dieses Handwerks.2,1 Millionen Euro investiert die Bergener Wohnungsgesellschaft BeWo für die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses und den Anbau an den Giebel an der Arkonastraße. Hier sollen zwei Wohnungen und 900 Quadratmeter Bürofläche entstehen. Insgesamt besitzt die städtische Wohnungsgesellschaft rund 2400 Wohnungen. 370 wurden in den vergangenen Jahren abgerissen. Der Leerstand liegt bei acht Prozent, die Durchschnittsmiete bei 4,30 Euro.



Maik Trettin

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