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Scheerbart: Genie der Selbstironie

Scheerbart: Genie der Selbstironie

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Paul Scheerbart(1863-1915) schuf 1901 in Breege auf Rügen seinen Roman „Die große Revolution“. Zeichnung: ARTus

Erich Mühsam(1878-1934), der mit Blick auf Paul Scheerbart um 15 Jahre jüngere Schriftstellerkollege und unentwegt aufmerksame Begleiter der Vergessenen seiner Zeit, selbst Außenseiter im Literaturbetrieb, mochte Außenseiter. Und hatte als undogmatisch Politischer in seinen „Unpolitischen Erinnerungen“(erstmals als Feuilletonserie in der Vossischen Zeitung ab 1927 gedruckt) gerade jene Akteure mit einfühlsamen Kapiteln bedacht, die seine Wege einst kreuzten. Hatte ich sein Kapitel Scheerbart überlesen? Erst Freunde in Groß Breesen bei Zehna, Inhaber des 1. Bücherhotel Deutschlands, die mich zum Welttag des Buches zur Nachtlesung von ARTus-Kolumnen am vergangenen Sonnabend eingeladen hatten, bewirkten (m)einen spektakulären Bücherfund am nachfolgenden Sonntag. In der angrenzenden Schatzbücherscheune, in der man Bücher 2:1 tauschen kann, fiel mir aus einem Karton ein umfänglich kleiner Roman zu. Vorerst war es ja nur der gut gestaltete Umschlag, der auffiel.

Er krönte ein Buch des Gustav Kiepenheuer Verlages von 1983, das Walter Schiller aus Altenburg gestalterisch geadelt und meine Neugier erweckt hatte. Ich blätterte weiter, las eigentümliche Sätze von „magischen Spiegeln“, dem „Nährwert und Wohlgeschmack“ von Menschenfleisch und fand zum Glück am Schluss das ungemein kenntnisreiche Nachwort von Vera Hauschild und war -plötzlich- wie vom Donner gerührt, so gesehen elektrisiert. Stand da doch, wo und wann Scheerbart am Buch geschrieben hatte: In Breege auf Rügen! „In sechs Monaten, zwischen Februar und Juni 1901“, vor genau 115 Jahren! Da habe der heute zur Avantgarde der utopisch-phantastischen Literatur zählende Autor sein Buch „Die große Revolution“ geschrieben. „Rechnet man die Zeit der Vorarbeiten dazu, so investierte er etwa acht Monate Lebenskraft und alles Geld, das er aufbringen konnte, in die Abfassung dieses Romans.“ Bei Mühsam nachschlagend, las ich über „das Genie der Selbstironie“ weiter: „Die Zeit, die diesen kosmischen Spötter als sich zugehörig erkennen wird, diese Zeit, daran zweifle ich nicht, wird noch kommen. Es wird die Zeit sein, die von Freiheit des Menschen und seiner Gedanken- und Gefühlswelt wissen und die hinter dem dröhnenden Lachen des Dichters, der seine philosophischen Romane auf dem Mond und dem Jupiter spielen lässt, den tiefsten sozialen Ernst heraushören wird.“ Wo in Breege mag er wohl gelebt und am Buch geschrieben haben? ARTus

OZ

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