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Rügen Frau bricht Interview mit Ex-Bürgermeister ab – wegen schlechter Tierhaltung
Vorpommern Rügen Frau bricht Interview mit Ex-Bürgermeister ab – wegen schlechter Tierhaltung
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13:03 27.10.2018
Journalistin Sabine Ludwig kritisiert die Tierhaltung in Putgarten Quelle: Sabine Ludwig
Putgarten

Die freie Journalistin Sabine Ludwig aus Würzburg wollte eine Reportage über die Insel Rügen schreiben, machte auch Halt im Norden der Insel. Hier stand ein Interview auf dem Rügenhof in Putgarten an. Nachdem sie auf dem Hof die Kaninchen sah, und wie sie gehalten werden, brach sie das Interview ab. Dieser Hof gehört dem ehemaligen Bürgermeister Ernst Heinemann. Er wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe der Frau.

„Ich habe im Garten gewartet, um dort mit der Familie Heinemann über regionale Produkte zu sprechen, dann habe ich die Kaninchen in den engen Boxen entdeckt. Zum einen waren die Boxen viel zu klein, also grob geschätzt jeweils nicht größer als zwei Din-A4-Seiten“, sagt sie. Sie entdeckte abgebrochenes Plexiglas, das sich in den Boxen befindet. Außerdem sollen die Ställe laut Sabine Ludwig dreckig gewesen sein. „Als ich Frau Heinemann damit konfrontiert habe und fragte, wie lange sie dort drinnen leben müssen, meinte sie nur: ,Solange, bis sie geschlachtet werden’“, sagt sie.

Halter wehrt sich gegen Vorwürfe

Für Sabine Ludwig war das Interview damit beendet. „Ein Gespräch war danach für mich emotional nicht mehr möglich. Ich finde die Tierhaltung auf diesem Hof aus tierschutzrechtlicher Sicht sehr bedenklich“, sagt sie. Sie wandte sich im Anschluss des Gesprächs unter anderem an das Veterinäramt des Landkreises.

Ernst Heinemann ist entsetzt über die Aussagen von Sabine Ludwig, zumal sie mit ihm nicht ein einziges Wort gewechselt habe. „Die Behauptungen entbehren jeder Grundlage. Sie hat schlichtweg gelogen, wenn sie sagt, unseren Tieren geht es nicht gut“, so Ernst Heinemann. Die Boxen, in denen er privat die Kaninchen hält, seien groß genug. „Erst kürzlich gab es eine Kontrolle durch einen Mitarbeiter des Landkreises. Auch er hat bestätigt, dass die Tiere gesund sind und ordentlich gehalten werden“, ergänzt er. Ernst Heinemann wird nun gegen die Frau rechtlich vorgehen, kündigt er an.

Keine Anzeigepflicht für Kaninchenhaltung

Der Landkreis Vorpommern-Rügen bestätigt, dass üblicherweise Kaninchen als Zucht-, Mast- oder Streicheltiere privat gehalten werden. Hasen hingegen seien Wildtiere und für eine Haltung im Normalfall nicht geeignet. „Kaninchen zählen nicht zu den Tieren, deren Haltung nach Viehverkehrsverordnung angezeigt werden muss, daher gibt es keine behördlichen Erhebungen über deren Haltung“, teilt Sprecher Olaf Manzke mit. Gemäß Tiergesundheitsgesetz gehören Kaninchen zum Vieh, so dass die Veterinäre des Kreises hier lediglich entsprechende Veranstaltungen wie Märkte oder Ausstellungen überwachen.

Auch gemäß Tierschutzgesetz bestehe keine Anzeigepflicht für Kaninchenhaltungen. „Gewerb­liche oder größere landwirtschaft­liche (Mast-)Kaninchenhaltungen gibt es in unserem Landkreis nicht“, so Olaf Manzke. Kontrollen in privaten Kaninchenhaltungen würden in der Regel aufgrund von Anzeigen erfolgen, meist bei entsprechenden Tierschutzverstößen. „Hier werden dann Kontrollen durchgeführt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Bei schwereren Tierschutzverstößen erfolgt eine Weiterleitung der Vorgänge an die Staatsanwaltschaft“, erklärt der Kreissprecher.

Unterstützung von anderen Haltern

Da es keine entsprechenden Verordnungen für die Haltung von Kaninchen gibt, liege laut Landkreis unter anderem daran, dass es keine Kaninchenkrankheiten, beziehungsweise -seuchen gibt. Krankheiten wie Myxomatose (Kaninchenpest) oder die Viruserkrankung Rabbit Haemorrhagic Disease, sind weder melde- noch bekämpfungspflichtig. Lediglich die ansteckende Erkrankung Tularämie ist als meldepflichtige Krankheit bekannt und komme gelegentlich vor.

Unterstützung bekommt Ernst Heinemann unterdessen von anderen privaten Kaninchen-Haltern auf der Insel. „Ich habe selbst vier Karnickel, die auf diese Weise leben. Seit mehr als 20 Jahren befinden sich vier bis sechs Kaninchen in selbst gebauten Boxen. Sie sind alle immer gut genährt gewesen, nie gab es Probleme“, sagt ein Rentner aus Binz, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Auch er kennt die Kaninchen auf dem Rügenhof. „Ich hatte hier nie den Eindruck, dass es diesen Tieren schlecht geht“, sagt er.

Tierschützer sprechen sich hingegen für große Gehege aus. „Kaninchen sind gesellige Tiere. Sie sollten deshalb viel Auslauf bekommen“, sagt Heike Stock vom Tierschutzverein Rügen/Hiddensee. Wenn sie in Boxen gehalten werden, sollten diese nicht zu eng sein.

Mathias Otto