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Rügen Schlangestehen am Ergometer
Vorpommern Rügen Schlangestehen am Ergometer
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00:01 27.01.2018
Die Übungen mit Therabändern sind ideal gegen alle möglichen Verspannungen. Der Privatcoach Robert Hamann trainiert mit den Samtensern Marlen Dzugau und Volker Liebe (v.l.n.r.) zwei Mal in der Woche. Quelle: Fotos: Lena Roosen
Rügen

Der volle Parkplatz spricht Bände: Gute Vorsätze, das neue Jahr ist noch nicht alt. Die Menschen strömen ins Fitness-Studio im Samtenser Sporthotel, die Kurse sind gut belegt und Spitzenzeiten führen zu Wartezeiten an den Geräten.

Der Januar ist die Zeit der guten Vorsätze und die Hochsaison der Fitness-Studios: Dort wollen sich jetzt zahlreiche Insulaner als Neukunden in Form bringen.

„In jedem Jahr geht es stürmisch los, leider sind es nur etwa 40 Prozent, die bleiben, spätestens im April sind die Leute erst mal wieder weg“, fasst Sportmanager Uwe Bondör den Trend zusammen, der zu Jahresbeginn in allen drei großen Fitness-Studios Rügens in Samtens, Bergen und Sassnitz zu beobachten ist. „Schon zwischen Weihnachten und Neujahr war es brechend voll. Nach Völlerei und Nascherei über die Festtage machen die Leute zwei bis drei Wochen Sport, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen“, berichtet Robert Hamann. Nur zwei bis drei Wochen? Hamann schmunzelt. Das sei die Krux aller Fitness-Studios, für die der Januar der wichtigste Monat des Jahres ist. Die Leute kämen als Neukunden in Scharen, viele endeten allerdings als Karteileichen, denn spätestens im Frühjahr lasse der Elan wieder nach. „Immer die gleiche Chose.“

Hamann trainiert sich selbst vormittags im High-Tech-Studio in Samtens, zu späterer Stunde kümmert sich der Kraftsportler um andere. Zum Beispiel um Marlen Dzugau und Volker Liebe. Das Paar hat zu Jahresbeginn seine Gesundheitspläne in die Tat umgesetzt und begonnen, etwas für Körper und Seele zu tun. „Da passte es wunderbar, dass Robert Hamann unser Nachbar ist und vorhat, als persönlicher Coach seine eigene kleine Fitness-Firma zu gründen“, erzählt die 34-Jährige. Gerade weil die beiden beruflich stark eingebunden sind, hätten sie sich gesagt: Jetzt oder nie. Natürlich gelte es zunächst, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden, aber das „Projekt“ hat sich mit zwei Trainingsstunden in der Woche eingespielt und Hamann seine ersten Kunden. Mit vier Kilo schweren Kugelhanteln und Terabändern wird nach einer Aufwärmphase am Ergometer körperliche Ertüchtigung geübt, Musik im Hintergrund macht die harten Übungen leichter und die Laune besser, Schweiß fließt trotzdem. Nach einer Stunde Training schlürfen die beiden erschöpft am Becher mit gesundem Eiweiss-Drink. Dass sie sich nicht wie die meisten anderen gesundheitsbewussten Insulaner in einem der drei Studios auf Rügen angemeldet haben, hat seinen Grund: „Wir wollten nicht stupide in einer Muckibude vor uns hin trampeln, sondern etwas Ganzheitliches tun – Ernährungsberatung, Übungen, speziell auf unsere körperliche und psychische Konstitution abgestimmt, und Tipps, dies alles in den Alltag zu integrieren“, beschreibt Volker Liebe das Konzept. Seitdem gibt es morgens ein selbst hergestelltes Müsli mit Chia-Samen, ungesüßtem Joghurt und Nüssen, außerdem Gemüse und Salat – für die ganze Familie, auch für die drei Kinder der beiden. Dzugau und Liebe haben vor, nicht gleich wieder abzuspringen.

Auch die Freundinnen Juliane Lange und Patricia Bachstädt aus Bergen sind entschlossen, Laufband, Crosser und Bike langfristig in ihr Leben zu integrieren. Sie trainieren drei Mal in der Woche in Bergen, wo Diana Weikum, die Inhaberin des Studios „RügenFit“, seit drei Jahren alles tut, um Behaglichkeit zu verbreiten. Gedimmtes Licht, eine kleine Bar mit gesunden Getränken, Sauna zum Entspannen. „Die Gäste wollen sich wohlfühlen, Wellness ist heute weitaus wichtiger als noch vor zehn Jahren, durch die Medien wissen die Leute, worauf es ankommt in puncto Ernährung, Bewegung und Gesundheit“, erklärt die sportliche Blondine. Der Januaransturm sei kein Klischee, sondern für Fitness-Studios die wichtigste Zeit des Jahres.

Denn je länger sich ein Neuling vertraglich bindet, desto günstiger sind die Preise. Für die Studios garantiert der Januar, die Zeit der guten Vorsätze und des schlechten Gewissens, das Überleben.

Mit Rabattaktionen und Sondertarifen werden Neukunden angelockt, von denen viele hoffen, dass alleine die sportliche Umgebung sie zur Traumfigur trägt. Im Fitness-Studio BFC in Sassnitz hatten die Macher eine besondere Idee: „Jeder Neukunde, der weiter als 20 Kilometer von der Hafenstadt entfernt wohnt, erhält einen Rabatt entsprechend der Höhe der Distanz“, berichtet Kevin Latzel.

In Samtens setzt man weniger auf Rabatte, als auf langfristige Vergünstigungen, die einer auf Rügen besonders wichtigen Klientel entgegen-kommen: Den zahlreichen Menschen im Hotel- und Gaststättengewerbe. „Bei uns können die Leute bis zu drei Monate pausieren, das heißt, sie zahlen nichts und ihr Vertrag läuft dennoch weiter, in der Hochsaison machen davon viele Gebrauch, im Herbst sind sie wieder da“, berichtet Bondör. Mit einer pfiffigen Idee arbeitet auch Diana Weikum: Bis 31. Januar erhalten RügenFit-Mitglieder Gutscheine für Neukunden – 14 Trainingsstunden gratis, etwa die Hälfte der Neulinge bleibt.

Mirko Kretschmar schneit genau in dem Moment ins Studio, als Diana von der Aktion berichtet. Seine Motivation ist groß, er hat vor, nach der Einstiegsphase weiterzumachen. „Die Enten müssen abtrainiert werden“, lacht er und streicht sich über den noch vorhandenen Bauchansatz. Den haben Patricia Bachstädt und Juliane Lange nicht, aber auch sie sind im Januar als Vollmitglieder eingestiegen, mit einem Jahresvertrag Juliane, mit sogar einem Zweijahresvertrag Patricia. „Das ist viel preiswerter.“ Die klassischen Ziele wie ein bestimmtes Traumgewicht oder die Teilnahme an einem Marathonlauf haben sie nicht, ihnen geht es um „Bauch, Beine, Po“, ein beliebter Name von Kursen.

Apropos Kurse: Die sind in allen Studios sehr beliebt und entsprechen häufig neuen Trends, von Zumba über Pilates und Yoga bis hin zu Military Fitness, dem neuesten Schrei in Sassnitz, Kraft- und Sportübungen, bei denen viel Tempo zum Auspowern gefragt ist. Rentner hingegen, so hat Diana Weikum beobachtet, halten sich lieber an die klassische Rückenschule. In Bergen ist das älteste Mitglied 83 Jahre alt. „Die Generation sechzig plus ist die treueste“, berichtet Weikum. Ein Trend, den auch Bondör kennt. „Welcher ältere Mensch hätte sich vor zehn Jahren schon getraut, in ein Fitness-Studio zu gehen!“ Die Gefahr, bald zur Karteileiche zu werden, ist in dieser Altersgruppe also äußerst gering.

Lena Roosen

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