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Rügen Schneechaos in Bulgarien trennt Rügener Storchenpaar
Vorpommern Rügen Schneechaos in Bulgarien trennt Rügener Storchenpaar
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08:10 28.03.2018
Der erste Storch auf der Insel Rügen im Jahr 2018 ist in Götemitz gelandet. Seine Frau befindet sich noch in Bulgarien. Quelle: Matthias Bräse
Götemitz

Rügens erster Storch des Jahres ist zurück. Das Männchen hat vor rund einer Woche seinen Horst in Götemitz in Beschlag genommen, trotzt seitdem Wind und Kälte und wartet auf sein Weibchen. Etwas Geduld wird der Götemitzer allerdings noch haben müssen, denn die Storchenfrau steckt noch in Bulgarien fest. Dort hatte sie auf ihrem Weg von Afrika halt gemacht und wurde wie viele ihrer Artgenossen von einem katastrophalen Wintereinbruch überrascht. „Freiwillige Helfer einer Naturschutzorganisation sammeln die geschwächten Störche ein und päppeln sie auf“, berichtet der Bergener Storchenberinger Matthias Bräse. „Unsere Störchin hat Glück gehabt. Sie wurde verhältnismäßig früh gefunden.“ Die Witterungsbedingungen in Bulgarien waren in der vergangenen Woche immer noch prekär. „Das Problem ist, dass durch Eisregen, Frost und Schneefall die Gefieder der Störche vereist sind“, erklärt Bräse. „Dadurch sind sie nicht nur flugunfähig, sondern kühlen auch aus und sind komplett geschwächt.“

Ein ganzes Dorf päppelt geschwächte Störche auf

Das Engagement in der Ort Dulovo in Nordost Bulgarien ist beachtlich. Nachdem einzelne Bürger angefangen hatten, die unterkühlten Tiere zu versorgen machten viele andere mit - mittlerweile sammelten die Helfer mehr als 30 Tiere ein. „Die Dorfbewohner sind unglaublich“, sagt Hristina Klisurova von der Naturschutz Organisation Green Balkans. „Sie lieben Störche.“ Green Balkans kümmert sich um die medizinische Versorgung der Tiere und unterstützt die Einwohner mit Futter für die Störche. „Dem Rügener Storch geht es gut“, berichtet sie in einer email an die OZ. „Sagen Sie ihrem Storchenmann, er muss nicht mehr lange warten.“ Am Montag ist die Störchin mit der Ringnummer DEW 9X039 in Bulgarien freigelassen worden. Der Einsatz der Osteuropäer beeindruckt auch Bräse sehr. „Man darf nicht vergessen, was Bulgarien für ein armes Land ist“, sagt Bräse. „Ich finde es beachtlich, was die Menschen dort für die Tiere tun – obwohl sie wahrscheinlich auch noch ganz andere Sorgen haben.“

Premium-Nistplatz in Götemitz

Wenn „Miss Götemitz“ die Strecke zwischen Bulgarien und Rügen erfolgreich meistert, kann sie sogar noch mit ihrem Partner ins Brutgeschäft einsteigen – denn seit 2015 gehören sie zu den Storchenpaaren, die auf Rügen regelmäßig erfolgreich Nachwuchs großziehen. In Götemitz haben sie ihren Horst neben dem Haus von Dietrich Heyse, der seit über 20 Jahren Störche bei sich auf dem Grundstück zu Gast hat. Heyses Störche haben einen Luxus-Nistplatz: Ein ausgedienter Funkmast ist zum Storchenhorst umfunktioniert worden. „Eigentlich war der mal für besseren TV-Empfang gedacht. Aber als ein Paar mal begonnen hat, auf unserem Schornstein zu nisten und immer wieder Nistmaterial in den Schacht einwarf, dachte ich es sei an der Zeit eine Alternative zu schaffen.“ 

Zugweg für die Störche ist voller Gefahren

„Ich rechne Anfang bis Mitte April mit ihrer Ankunft“, so Bräse. „Bulgarien ist ja nicht mehr so weit.“ Zumindest für einen Storch nicht. Denn die Tiere ziehen von ihren Winterquartieren im Zentralen und Südlichen Afrika bis zu 10 000 Kilometer in ihre Brutreviere in Europa. Dabei nehmen die Tiere zwei unterschiedliche Routen: Der westliche Weg führt die Tiere über Spanien, auf der östlichen Route überfliegen sie das Niltal, Saudi-Arabien und Bulgarien. Auf dem Weg lauern viele Gefahren. „Die Ausfälle, vor allem auf der östlichen Route sind enorm“, bestätigt Bräse. „Nicht nur das Witterungsextreme in den Überwinterungsgebieten den Tieren zu schaffen machen. In Saudi-Arabien und Agypten ist es offensichtlich eine Art Sport die Tiere zum Spaß abzuschießen.“ Ein Großteil der Störche überlebt den ersten Zug nicht, auch in den folgenden Jahren gibt es viele Ausfälle.

Storchenbestand auf Rügen nimmt weiter ab

Eine Tatsache, die Matthias Bräse, der sich seit den 1980er Jahren mit Störchen beschäftigt, düster in die Zukunft blicken lässt. „Mit dem Storchenbestand auf Rügen geht es bergab. Ende der 1990er hatten wir hier noch 33 Brutpaare, die 80 Jungvögel aufgezogen haben“, erinnert er sich. „2017 waren es noch 15 Brutpaare, davon haben aber nur noch neun gebrütet. Insgesamt haben wir 23 Jungvögel gezählt.“ Die Gründe liegen nicht nur in den Gefahren des Zugs. Auch marodierende Jungstörche und der Wandel der Kulturlandschaft sind mit für den Rückgang der Zahlen verantwortlich. „Die ersten Tage der Jungenaufzucht sind für das Überleben entscheidend. Hier brauchen die Jungvögel aber nicht Maus oder Frosch, sondern überwiegend Insekten“, erklärt Bräse. „Die finden sie auf Dauergrünland, in Brachflächen oder Böschungen. In der Erwerbslandschaft werden in der Regel Insektenvernichtungsmittel eingesetzt, das ist nicht von heut auf morgen zu ändern. Aber im Kleinen sollte man darauf verzichten, wenn man etwas für die Störche tun will.“  Ob das Götemitzer Storchenpaar 2018 noch weitere Jungvögel kann, liegt jetzt auch am Storchenmännchen. „Wenn in der Zwischenzeit ein anderes Weibchen auftaucht, ist es durchaus möglich, dass er sich mit ihr verpaart“, erzählt Bräse. „Die lebenslange Monogamie der Störche ist nämlich ein Märchen.“

Das folgende Video zeigt die Freilassung der Störchin mit der Nummer DEW 9X039 in Bulgarien. Veröffentlicht wurde das Video von der Naturschutzorganisation Green Balkans.

Маркиран с пръстен щъркел, сред освободените

Покрай другите важни за оцеляването на белите щъркели неща, пропуснахме да ви разкажем за една особено трогателна история. Това е щъркел, прибран в Дулово, който е опръстенен. Оказа се, че птицата е маркирана в Германия през 2011 и партньорът й, вече, я очаква в гнездото, още от 18 март! Надяваме се, след като бе освободена днес, птицата бързо да намери пътя към дома и да създаде здраво и многобройно поколение тази година!

Gepostet von Спасителен център за диви животни/ Wildlife rescue centre am Montag, 26. März 2018

 Anne Friederike Ziebarth