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Rügen Schneefall trennte Mutter und Baby
Vorpommern Rügen Schneefall trennte Mutter und Baby
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12:00 22.01.2019
So sah es vor dem Sassnitzer Bahnhof im Winter 1978/79 aus. Erinnerungen an den Superwinter und die Dampfschneeschleuder hat Hermann Wendel sorgfältig archiviert. Quelle: Hermann Wendel
Gingst

Als im Winter 1978/79 der Schnee fiel, lebte Irene Weymann in Gingst. „Ich arbeitete aber immer noch auf dem VEG Granskevitz. Da wurden wir morgens zur Arbeit abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht“, erinnert sich die 81-Jährige. Vor Augen geblieben ist ihr der Tag, an dem der B1000 eben nicht mehr bis nach Granskevitz kam. „An diesem Nachmittag konnte uns das Fahrzeug nur bis Heidemühl bringen. Die Straße war zugetrieben und hohe Schanzen versperrten den Weg“, sagt Irene Weymann. „Wir gingen, das heisst stapften, teilweise auf dem Acker in Richtung Gingst. Bis wir ankamen war es Abend. Danach kamen wir wohl gut eine Woche nicht mehr zur Arbeit.“

Eine große Not sah die vierfache Mutter darin jedoch nicht. Kohlen und Kartoffeln waren reichlich im Keller vorhanden. „Und das Landwarenhaus hatte auch Waren vorrätig. Außerdem hatten wir viel eingewecktes Obst, denn wir hatten auch einen Kleingarten gepachtet“, so Weymann.

Unangenehme Erinnerungen an Winter 68/69

Viel unangenehmer ist ihr da jedoch der Winter zehn Jahre zuvor in Erinnerung geblieben. Im Winter 1968/69 lebte die Rügenerin mit dem Ehemann und den vier Kindern in Granskevitz. Erst fünf Monate alt war das jüngste Kind. „Ich stillte noch jeden Morgen und Abend. Damals nahm ich aber an der Erwachsenenqualifizierung in der Kreislandwirtschaftsschule in Bergen teil, als im Laufe des Vormittags starker Schneefall und Sturm einsetzte. Es konnte niemand mehr zurück nach Hause fahren“, sagt Irene Weymann.

Der Bahnhof Bergen, der gegenüber der Kreislandwirtschaftsschule war, konnte viele Reisende unterbringen. Irene Weymann verbrachte die Nacht hingegen mit Mitschülern auf den Stühlen im Klassenraum. „Aber es war warm. Die Heizung lief zum Glück“, so Weymann. Als es am nächsten Tag sonnig war und kaum Schneefall herrschte, wagte man sich nach Hause. Die zugetriebenen Straßen konnten jedoch nur teilweise geräumt werden. „Am Nachmittag fuhr dann ein Bus nach Gingst. Eine Kollegin und ich fuhren bis Kluis mit und machten uns zu Fuß auf den Weg in Richtung Granskevitz.“

Kinder wurden bei Familien im Ort untergebracht

Ein Lehrer aus Trent begegnete den jungen Frauen und konnte sie im Trabant ein Stück weit voranbringen. „Ein paar Mal mussten wir das Auto über Schanzen schieben helfen. Aber wir kamen voran. Von Trent bis Grankevitz ist es dann nicht mehr so weit, dachten wir.“ Doch kurz vor dem Heimatort gab es kein Durchkommen mehr. Haushohe Schneeverwehungen versperrten den Weg. „Wir kämpften uns zu Fuß, bis zum Bauch im Schnee, weiter zu unseren Häusern in Granskevitz. Zum Glück waren die Kinder, Mann und Mutter zu Hause. Aber sie hatten auch sorgenvolle zwei Tage verbracht“, sagt Irene Weymann.

Der älteste Sohn – damals zehn Jahre alt –kam von der Schule in Schaprode nicht nach Hause. Die Kinder wurden bei Familien im Ort untergebracht. Am nächsten Tag wurden dann Pferdeschlitten organisiert, die die Schüler nach Hause bringen. Doch auch die Tochter, die die Schule in Udars besuchte, schaffte es nicht allein nach Haus. Die Neunjährige wurde vom Vater abgeholt. „Sie stapften über Schanzen querfeldein nach Granskevitz, mit Gewächshäusern, Gräben, Wiesen und Äckern unter sich.“ Die beiden jüngsten Kinder, damals 5 Jahre und fünf Monate alt, wurden von der Großmutter versorgt, die den Winter stets bei ihrer Tochter verbrachte.

Zuflucht für Kaninchen im Hühnerstall

Als Irene Weymann zu Hause ankam und sich um die Sicherheit der Familie keine Gedanken mehr machen musste, galt die Sorge dann auch dem Kleinvieh. Auf dem Hof hatte der Ehemann einen Weg freihalten können. „Ich sah dass der Kaninchenstall zugetrieben war. Ich bekam aber die Tür auf, schnappte mir die noch lebenden Tiere und brachte sie in den Hühnerstall, der noch unversehrt war.“

Auch die Versorgung lief in ihren Augen nicht so entspannt wie zehn Jahre später. „Wir hatten einen kleinen Kiosk im Ort. Aber der war zu, weil die Verkäuferin in Schaprode wohnte“, so Irene Weymann. Panzer und Schneefräsen schafften Tage später im Ort passierbare Wege. „Es wird in diesen Tagen viel vom Winter 78/79 berichtet, aber nicht von 1968. Der war für die Rüganer wohl noch bald schlimmer.“

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