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Rügen Schneider: „Prora wird kein zweites Heiligendamm“
Vorpommern Rügen Schneider: „Prora wird kein zweites Heiligendamm“
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00:01 13.12.2017
An der Schrankenanlage vor dem Hotel drehen viele Autofahrer wieder ab. Rechts befindet sich ein gebührenpflichtiges Parkdeck. Quelle: Foto: Gerit Herold
Prora

Der Druck ist groß. Und er wird größer mit jeder weiteren Wohnung, die in Prora bezogen wird, weiß Bürgermeister Karsten Schneider. Deshalb wird in dem Binzer Ortsteil millionenschwer in die Infrastruktur investiert – gefördert durch das Land. Gerade hat der Bau von drei neuen Rettungstürmen mit Toilettenanlagen am Strand begonnen. Die weitere Verlängerung der Promenade von Binz nach Prora, die jetzt an Block I endet, ist geplant. Das Problem: Die nötigen Flächen muss die Gemeinde erst von den Eigentümern erwerben, da der Bund diese seinerzeit zusammen mit den Blöcken veräußert hat. „Wir führen derzeit Gespräche mit den Investoren. Es sind teilweise zähe Verhandlungen“, erklärt Schneider. So ist noch nicht klar, ob die Promenade nur seeseitig verlaufen wird oder einen Schwenk auf die Innenstraße bekommt. „Aber alle haben erkannt, dass die Promenade und die Entwicklung der Innenstraße wichtig ist für die Verbindung von Binz und Prora. Das ist die Lebensader“, so Schneider. Die Promenade ist mit wichtig, um für Prora den Titel Erholungsort oder Seebad zu erlangen, was wiederum dazu berechtigt, Kurtaxe einzunehmen. Geld, das Binz braucht, um weiter in den Aufbau von Bewirtschaftungs- und Informationsstrukturen investieren zu können. Dass sich an den Kosten auch die Investoren beteiligen, hätte in städtebaulichen Verträgen geregelt werden können. Hätte. „Das weiß man mit dem Erfahrungsschatz von heute. Ich will keinem den Schwarzen Peter zuschieben, aber dies wurde damals versäumt“, räumt Schneider Fehler ein. Und auch eine Verpflichtung für die Promenade sei „relativ weich“ formuliert worden. Damals habe man viele Zugeständnisse gemacht, um Investoren nicht zu verprellen – nichtsahnend von einer so rasanten Entwicklung in Prora, vor allem auch der Immobilienpreise. Dass das heute ganz anders sei, sehe man an dem komplizierten Verkaufsprozedere durch Auflagen für potentielle Investoren bei Block V, sagt Karsten Schneider. „Man hätte sich mehr positionieren und dies auf eine gesetzliche Grundlage stellen müssen“, so Schneider. Ein Fehler sei es auch gewesen, dass seinerzeit die Zuwegungen nicht für die öffentliche Hand gesichert wurden. Die Zugänge zum Strand sollen aber an allen Blöcken öffentlich bleiben. „Es wird kein zweites Heiligendamm, keine Abschottung geben“, meint Schneider. Dennoch würden die Investoren nicht ganz auf Zäune verzichten. Doch manches werde sich vielleicht von selbst regulieren. Zum Beispiel die Zufahrtsschranke vor Prora Solitaire Hotel (Block II). An dieser drehen viele Autofahrer wieder ab. „Die Schranke ist kontraproduktiv. Es gibt Druck von den Gewerbetreibenden“, weiß Schneider. Die Preise für die öffentlichen Parkplätze reichen dort von zwei Euro die Stunde bis 10 Euro pro Tag, bei Block III bis zu 20 Euro Tageshöchstsatz.

Strandzugänge bleiben öffentlich / Gemeinde erwirbt Grundstücke für Promenade und Zuwegungen / Beschluss zum Verkehrskonzept steht an

Neue Leitsysteme

Laut Verkehrskonzept für Prora sollen neue und einheitliche Leitsysteme geschaffen werden. Der private Schilderwald verschwindet. Geplant ist der bedarfsgerechte Linien- und Haltestellenausbau sowie der teilweise Um- bzw. Neubau von Straßen, Geh- und Radwegen.

Der Entwurf zum Verkehrskonzept steht im Internet unter www.gemeinde-binz.de

Zur Übernahme von Flächen der BauArt GmbH (Block IV) für öffentliche Straßen werden die Gemeindevertreter auf ihre Sitzung am Donnerstag beraten und beschließen, ebenso über das Verkehrskonzept in Prora. Dies ist ein Teilbereich des gesamten Verkehrskonzeptes für die Gemeinde Binz 2016/17 und gleichzeitig die Fortschreibung des Verkehrskonzepts von 2004. Um eine generelle Entlastung zu schaffen, soll im Norden ein Bypass zur L29 gelegt werden. In Abstimmung mit dem Straßenbauamt wird die Schutzplanke in Richtung Sassnitz geöffnet, um den Verkehr dorthin abzuleiten. „Dies soll schon zur nächsten Saison geschehen“, informiert Bauamtsleiterin Romy Guruz. Eine weitere Maßnahme ist der Ausbau des Verkehrsknotens L 29/Poststraße/Mukraner Straße (Prora Nord). Bei geschlossenem Bahnübergang kommt es dort zum Verkehrsstillstand. Der Fahrstreifen soll mehrspurig werden, damit der Verkehr bei geschlossener Schranke weiterfließen kann.

Rausgelöst aus der Beschlussvorlage ist das Thema Straßennamen. Die Investoren hatten zum Teil „exotische“ Wünsche. Aber auch die Vorschläge der Planer zum Thema Ostsee wie Muschelweg, Zu den Dünen, Ostseeweg und Hafenstraße (mit Blick auf eine mögliche Marina) seien in Einwohnerversammlungen abgelehnt worden“, so Guruz und betont: „Das Straßennetz in Prora wird erst einmal provisorisch für die nächsten fünf bis sechs Jahre.“

Gerit Herold

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