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Rügen Schon immer drehte sich alles um Pferde
Vorpommern Rügen Schon immer drehte sich alles um Pferde
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04:36 08.03.2013

Bodo Tiburtius ist der einzige, der diese Tradition in Nipmerow hochhält: Er arbeitet mit Pferden. Alle anderen Familien, die früher Pferde auf ihrem Gehöft hatten, sei es als Bauern, Pferdefuhrwerker oder Hufeisenschmiede, leben nicht mehr oder sind in Rente. Tiburtius betreibt auf dem Gelände der früheren LPG einen landwirtschaftlichen Pferdezuchtbetrieb und schlägt damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Auf dem 1,7 Hektar großen Gelände werden in der Winterpause auch die Rösser des Hiddenseer Fuhrmannshofes beherbergt, an dem der 45-Jährige Miteigentümer ist.

„Im April kommen die 14 Tiere auf die Insel, Ende Oktober wieder nach Nipmerow“, beschreibt Tiburtius die Dauer-Kutscherei, die auch ihn und seine Frau betrifft. Beide fahren jeden Tag nach Schaprode, steigen auf die Fähre und arbeiten auf Rügens kleiner Schwesterinsel. Abends das Ganze wieder zurück, täglich etwa 100 Kilometer allein mit dem Auto.

Das zur Gemeinde Lohme gehörende Nipmerow ist 2011 zur neuen Heimat des gebürtigen Glowers geworden, als dort mit großer Unterstützung der zuständigen Gemeinde Lohme eine Baugenehmigung für die Tiburtius-Familie und ihre Pferde erteilt wurde. Bald werden auf dem riesigen Hof auch Enten schnattern und die fast schon unheimliche Ruhe in dem Dorf mit 91 Einwohnern wenigstens ein bisschen aufmischen. „Sonst ist hier alles ziemlich tote Hose“, gibt der Pferdezüchter zu. Ähnlich äußert sich Brigitte Gau, die in dem Dörfchen geboren ist, Anfang der 50er Jahre, als es noch ein richtiges Dorfleben gab.

„Nichts davon ist mehr da, leider, das waren damals tolle Zeiten“, erinnert sie sich. „Jetzt ist rein gar nichts los, auch die Saison ist viel kürzer als in den Ostseebädern.“ Dennoch will sie bleiben, weil sie, wie offenbar viele Nipmerower, sehr heimatverbunden ist. „Hier sind meine Wurzeln“, betont die gelernte Restaurantfachfrau, die noch bis vor kurzem im Ort einen Fischimbiss betrieb. Wie auch die Generation der heute bald 80-Jährigen Nipmerower, Familie Utesch zum Beispiel, erinnert sie sich an ein richtig gut funktionierendes Dorf. Bärbel Utesch: „Wir hatten zwei Kolonialwarenläden früher, da musste ich für meine Großmutter immer das Bier in einer Kanne holen.“ Es gab im 1314 erstmals erwähnten Nipmerow bis kurz vor der Wende auch einen Bäcker, einen Schlachter und zu Glanzzeiten vor dem Krieg — damals immerhin über 260 Einwohner — eine Stellmacherei, zwei Schmieden und acht Bauernhöfe. „Der Ort war immer landwirtschaftlich geprägt“, berichtet Brita Dürr. Die einst zwischenzeitlich auch als Bürgermeisterin amtierende frühere Säuglingsschwester ist eine Art „wandelndes Geschichtsbuch“ des Dorfes. Sie ist erst 1988 von Glowe nach Nipmerow gezogen, hat sich jahrelang um steuerliche und baurechtliche Belange der Gemeinde gekümmert und dabei viele historische Fakten gesammelt.

Brita Dürr lässt auf die Nipmerower nichts kommen. „In der schweren Zeit, nachdem mein Mann beim Tsunami in Thailand ums Leben gekommen war, haben mich alle getragen. In einer Stadt wäre ich vollkommen einsam gewesen.“ Dankbar ist die Witwe auch den Gemeindearbeitern. „Sie kümmern sich phantastisch um den Nipmerower Friedhof.“

Lena Roosen

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