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Rügen Schreiner und Sohn lassen Späne fliegen
Vorpommern Rügen Schreiner und Sohn lassen Späne fliegen
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09:48 13.09.2013
Der sechsjährige Tim Hilke hat in der Werkstatt seiner Vaters Rene Hilke bereits seine eigene Hobelbank. Fotos (4): Kay Steinke

Abends sieht man Rene Hilke (38) oft bei lauter Musik an seinem Haus werkeln. Seit sechs Jahren arbeitet der Rügener Schreinermeister an dem wohl modernsten Gebäude der Gemeinde Altefähr. Zuletzt strich Hilke mit seinem Sohn Tim die Fassadenbretter, denn diese fehlen an der zweiten Etage noch. „Die Innenräume sind längst fertig“, sagt Rene Hilke. „Wenn genug Geld da ist, baue ich weiter. Das geht meist nur an Sonn- und Feiertagen oder nach der Arbeit. Tagsüber muss ich ja meine Jungs beschäftigen.“

Damit meint der gebürtige Rüganer seine drei Gesellen und den Lehrling. Dass sich die Schreinerei in Jarkvitz so gut entwickeln würde, hätte Hilke nicht für möglich gehalten. Nachdem er beim Bergener Tischlermeister Lange gelernt und seinen Meister in Cottbus gemacht hatte, startete er 2002 in Stralsund in die Selbstständigkeit. Und dies noch ganz allein. „Mein alter Meister wollte seinen Bergener Betrieb nicht weiterführen, ich musste mir eine neue Perspektive suchen.

In Stralsund hat dann ein Tischler seine Maschinen verkauft. So konnte ich in Stralsund starten.“ Dort blieb Hilke aber nicht lang. Weil am Stralsunder Fischmarkt gebaut wurde, musste er das Unternehmen die dortigen Produktionshalle verlassen. Durch die Suche nach einem geeigneten Grundstück, wurde er auf Jarkvitz aufmerksam. „Der alte Stall gehörte früher der LPG. Er war in einem schlechten Zustand. Erst nach einem Jahr Arbeit konnten wir einziehen.“

Jarkvitz entpuppte sich für die junge Familie als Chance. In sieben Minuten sind die Kinder in der Schule, die Stammkundschaft der Schreinerei befindet sich im Umland. „Wir arbeiten viel mit Stralsunder Architekten zusammen. Auf Rügen übernehmen wir oft die Ausgestaltung von Eigenheimen und Hotels, darunter etliche in Binz, Sellin oder Göhren. Ein Beispiel wäre das Hotel ‘Nordperd‘.“

Türen, Paneele, Deckenverkleidung — alles entsteht in der Mitte von Jarkvitz. Dabei setzt Hilke auf einfache, aber moderne Maschinen. „Wir machen alles mit der Hand. Nur so lernt man die alte Kunst“, sagt Hilke. „Der Trend geht aber dahin, dass alles günstig und schnell sein soll. Deswegen wird der Schreiner in vielen Betrieben durch eine Werkzeugmaschine ersetzt. Dadurch verlernt der Nachwuchs das Handwerk.“

Momentan zahlt sich der traditionelle Produktionsansatz für Hilke aus. Obwohl er auf Werbung und Internetseite verzichtet, hat er genug Aufträge. Vielleicht liegt dies aber auch an der Verwendung des eher altertümlichen Begriffes ‘Schreiner‘. „Ich wollte was eigenes machen, deswegen Schreinerei. Im Norden ist der Begriff weniger verbreitet“, erklärt Hilke. „Früher hießen alle so. Irgendwann kam der Tischler und hat sich hier eingebürgert. Dabei macht dieser eher Reparatur-Arbeiten. Ein Schreiner macht hingegen alles selbst, denn Schreiner kommt von Schrank. In Süddeutschland gibt es ihn noch. Dort wird auch viel mehr für Handarbeit ausgegeben. Norddeutsche stecken ihr Geld lieber ins Auto. Deswegen schicke ich meinen Sohn später nach Bayern.“ Denn Tim weiß bereits, dass auch er Schreiner werden will. Obwohl er erst vier Wochen zur Schule geht, kann er das Wort bereits schreiben. Lieber arbeitet er aber an der eigenen Hobelbank. Diese steht bei den großen Jungs, in der Werkhalle seines Vaters.

Früher „Jerkevitze“
1314 wurde Jarkvitz das erste mal erwähnt. Damals wurde das Dorf im Gebiet Südwestrügens noch „Jerkevitze“ genannt. Gehörte es in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts noch dem Stralsunder Kloster Marienkrone, so wechselte es später in den Besitz des Klosters St. -Annen und Brigitten. Bis ins 18. Jahrhundert gingen die Bauernstellen langsam ein. Jarkvitz wurde in ein Klosterdorf mit zwei Höfen umgewandelt. Das heute noch erhalte Gutshaus entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Kay Steinke

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