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Schule als menschlicher Lebensort

Sassnitz Schule als menschlicher Lebensort

An der Regionalen Schule Sassnitz zählt das Miteinander auf Augenhöhe

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Lehrer, Schüler und Personal sind an der Regionalen Schule Sassnitz eine große Familie, in der es menschlich zugeht.

Quelle: Fotos: (6) Gaia Born

Sassnitz. Bassam Alghazo spricht fast perfekt deutsch. Dass er erst vor knapp einem Jahr an der Regionalen Schule Sassnitz angefangen hat und noch kein Wort deutsch sprach, glaubt man kaum. „Ich möchte gern mal Medizin studieren und bald aufs Gymnasium wechseln“, erzählt der 15-Jährige von seinen Plänen. Dass er das auch schaffen wird, verdankt er seiner DaZ-Klasse. „Deutsch als Zweitsprache“ wird hier intensiv gelehrt, in vier Stunden am Tag. „Unsere Lehrerin Frau Houben kümmert sich um alles. Sie ist ein Schatz“, strahlt Bassam.

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An der Regionalen Schule Sassnitz zählt das Miteinander auf Augenhöhe

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Der OZ-Schulnavigator

Die OSTSEE-ZEITUNG stellt alle weiterführenden Schulen in einer wöchentlichen Serie vor. „Wir werden die Einrichtungen genau unter die Lupe nehmen“, sagt OZ-Chefredakteur Andreas Ebel. „Wir wollen auch Ratgeber sein für Eltern, die noch nicht wissen, an welche Schule sie ihr Kind schicken wollen.“

Freizeit: Politik, Musik und Yoga

An der Regionalen Schule Sassnitz haben die Schüler die Qual der Wahl: Gitarre spielen, Yoga machen, basteln, experimentieren? Oder doch lieber für die Zeitzeugen AG politische Zwangsarbeiter der DDR aufspüren? Streit schlichten? Medienumgang lernen? Die Angebote sind vielfältig und reichen von Sportkursen bis zu Sozialtraining und Medienpräsentation.

Ausstattung: Mensa für helle Köpfe

Das Gebäude wurde Ende der 50er Jahre mit hellen, großzügigen Fluren angelegt. Der noch in diesem Jahr anstehende Schulneubau soll die bestehenden Räumlichkeiten um eine Mensa, eine Aula, einen Musikraum und kleinere Räume, die speziell zur Förderung und Inklusion genutzt werden können, erweitern.

Auch der Außenbereich wird

komplett neu gestaltet.

Verpflegung: Essen im Team verbindet

Die Cafeteria bietet in der ersten Hofpause Frühstück, Milch und kleine Naschereien für hungrige Schüler. Das Mittagessen wird im Speisesaal eingenommen, der rund 60 Schüler fasst. Die Schüler können aus zwei Essen des Speiseservice Sassnitz wählen, die im Grundtvighaus gekocht werden. Häufige gemeinsame Klassenfrühstücke verstärken die Lehrer-Schüler-Bindung.

Lehrer: Engagement mit Ehegatten

Neben 30 Lehrern engagieren sich ein Sozialarbeiter, ein Pädagoge mit sonderpädagogischen Aufgaben (PmsA), zwei feste Sonderpädagogen und zwei sonderpädagogische Gastlehrer für die 420 Schüler der Regionalen Schule Sassnitz. Neue Lehrer bekommen zur „Einschulung“ einen „Arbeits- ehegatten“, der bei der Eingewöhnung hilft und finden ihren Platz in den festen Jahrgangsteams.

Damit trifft er genau die Stimmung an der Regionalen Schule Sassnitz. „Wir Schüler haben ein inniges, lockeres Verhältnis zu unseren Lehrern“, erzählt auch Angelina Riede (15). Die Zehntklässlerin engagiert sich im Jugendbeirat der Stadt Sassnitz, spielt Volleyball und möchte gern mal Radiomoderatorin werden. Alle Interessen kann sie an der Schule leben. „Schule soll bei uns nicht nur Lernort, sondern Lebensort sein“, sagt Appelbohm. Es fällt ihr nicht schwer, das an einigen Punkten festzumachen: „Das Lehrerkollegium kennt sich zum Teil schon seit Jahrzehnten, ist miteinander befreundet.

Die Bedürfnisse der Schüler sind uns wichtig, wir versuchen jeden Morgen vor Unterrichtsbeginn, die Befindlichkeiten zu klären. Erst dann kann es losgehen“, zählt sie auf.

Neben aller Professionalität – in Sassnitz werden alle Unterrichtsfächer zu 100 Prozent von Fachkräften abgedeckt – vergisst man hier nicht, dass Kinder und Jugendliche sich noch auf dem Weg befinden. „Wir haben junge Menschen vor uns, die noch nicht fertig sind. Sie machen Fehler – und das dürfen sie auch“, meint Birgit Appelbohm. Sie steht für einen Umgang auf Augenhöhe. Dazu gehört auch, dass Fehler ausgewertet werden und manchmal harte Worte fallen. „Aber dann schauen wir gemeinsam nach vorne.“

So kann die Schule auch Schüler auffangen, die es zuhause nicht leicht haben. Zukünftig soll das auch für die Nachmittage gelten: Die Regionale Schule Sassnitz möchte von der teilgebundenen Ganztagsschule zum gebundenen Ganztagskonzept wechseln, sobald die äußeren Rahmenbedingungen dafür erfüllt sind. „Es fehlen uns noch Räumlichkeiten und der dazugehörige Außenbereich. Aber wir stehen in den Startlöchern für unseren Umzug in die Förderschule, die wir als Ausweichquartier nutzen, solange unsere Schule umgebaut wird“, sagt Appelbohm. Rund zwei Schuljahre sollen die Bauarbeiten dauern, der rechte Trakt wird dabei komplett abgerissen, eine Glasaula der architektonische Höhepunkt. Schüler und Lehrer freuen sich schon auf die Schule in neuem Glanz. Bis dahin leben sie ihren Alltag gemeinsam. „Und machen das Beste draus“, ist sich Birgit Appelbohm sicher. „Wir lernen und feiern zusammen, haben Spaß und lösen Probleme. Daran ändert sich nichts.“

Gaia Born

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