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Schulsozialarbeitern droht das Aus

Bergen Schulsozialarbeitern droht das Aus

In Bergen sind zwei Stellen in Gefahr/ Die künftige Finanzierung ist derzeit völlig unklar

Bergen. Die interkulturelle Bibliothek an der Grundschule Altstadt in Bergen ist einer der beliebtesten Treffpunkte der rund 260 Schüler. Hier versorgen sie sich mit neuem Lesestoff, schwatzen und tauschen sich aus. Immer mit dabei: Mandie Oppermann, Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Altstadt. „Ich versuche immer auch dort präsent zu sein, wo die Kinder sind und das Gespräch mit mir suchen“, erzählt die 33-Jährige. „Das kann in der Bibliothek, auf dem Pausenhof, in den Klassenräumen oder auch mal zwischen Tür und Angel sein.“

Die Aufgaben der Schulsozialarbeiter an den Schulen umfassen jedoch noch viel mehr als das. „Wir sind Ansprechpartner sowohl für Schüler, Lehrer aber auch Eltern bei allen Problemen und versuchen, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten“, erklärt Volker Hinrichs, Schulsozialarbeiter an der Grundschule Am Rugard. „Das kann von Erziehungsfragen, Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen bis hin zur Gruppenarbeit bei Problemen im Klassenverband reichen. Auch mit dem Jugendamt stehen wir in Kontakt.“

Doch die Zukunft der beiden Schulsozialarbeiter an Bergens Grundschulen ist unsicher. Die beiden Vollzeitstellen werden derzeit zum Teil aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) finanziert, zum Teil von der Stadt. Doch die Restmittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket sind erschöpft, ab September sind die Kassen leer. Wie es genau weitergehen soll, ist unklar. „Das Land stellt dem Kreis 200 000 Euro zur Finanzierung der derzeit 21 Schulsozialarbeiterstellen im Kreis zur Verfügung“, sagt der Sprecher des Landkreises, Olaf Manzke. „Die Kosten pro Jahr liegen aber bei 900 000 Euro. Für die restlichen 700 000 Euro muss die kommunale Gemeinschaft, also Landkreis und Stadt gemeinsam, aufkommen.“ Wer welchen Anteil übernehmen muss, wird derzeit in Verhandlungen mit den einzelnen Gemeinden geklärt.

Bergens Bürgermeisterin Anja Ratzke (parteilos) brachte in der vergangenen Stadtvertretersitzung einen Antrag ein, nachdem die Stadt im Falle eines eventuellen Wegfalls der Förderungen eine Eigenfinanzierung der Sozialarbeit garantiert. Doch die Stadtvertreter lehnten den Antrag ab. Als Begründung wurde von der CDU-Fraktion die Sorge genannt, dass die Fördermittel geringer ausfallen könnten, wenn Bergen jetzt signalisiere, die Schulsozialarbeit gut in Eigenfinanzierung stemmen zu können. Trotzdem betonten alle Stadtvertreter die große Bedeutung der Schulsozialarbeit und deren notwendige Fortführung. „Ich bin über das Abstimmungsergebnis enttäuscht“, sagt Ratzke. „Ich hätte mir ein klares Bekenntnis zur Schulsozialarbeit gewünscht.“

Auch Volker Heinrichs ist unzufrieden mit der Situation. „Das Ministerium, der Landkreis und die Stadt – alle wollen Schulsozialarbeit. Aber keiner will es bezahlen“, sagt der 49-Jährige. „Es geht hier nicht um unsere persönlichen Belange, sondern um die Kinder und den Erfolg der Inklusion“, sagt auch Mandie Oppermann. „Schulsozialarbeit einzusparen, ist der falsche Weg.“

Volker Heinrichs ist trotzdem optimistisch, dass noch eine Lösung gefunden wird. „Es wäre sehr schade, wenn ich hier aufhören müsste. Ich arbeite jetzt seit zwei Jahren an der Schule und habe mir ein gutes Vertrauensverhältnis zu den Schülern, Lehrern und Eltern aufgebaut.“ Mandie Oppermann nickt. „Das Vertrauen ist das wichtigste“, sagt sie. „Die Kinder kommen mit den unterschiedlichsten Anliegen auf mich zu. Erzählen, wenn sie zuhause etwas angestellt haben oder nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Manchmal brauchen sie nur jemanden zum schnattern oder wollen mich in den Arm nehmen. Das ist toll.“ Aber auch Eltern und Lehrer suchen den Kontakt mit den Schulsozialarbeitern. „Klar. Auch Lehrer haben Probleme und weinen mal.“

„Ihre“ Schulkinder kennen die beiden Sozialarbeiter übrigens alle und haben ein spezielles Gespür für die Sorgen und Nöte entwickelt. „Ich schaue morgens beim Tür öffnen in ihre Gesichter und erkenne dann oft bereits, wenn etwas im Argen liegt“, so Heinrichs.

Trennungen der Eltern zum Beispiel oder Mobbing sind Dinge, die Kinder schwer belasten können. „Manchmal muss man schlucken, wenn man sieht, mit welchen ,Rucksäcken' die Kinder durch das Leben laufen“, erzählt Volker Heinrichs. „Ab und an merkt man auch, dass man der erste und wohl auch einzige Ansprechpartner ist. Das bewegt einen sehr.“

Anne Ziebarth

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Volker Heinrichs und Mandie Oppermann arbeiten als Schulsozialarbeiter in Bergens Grundschulen.

Im September sind Mittel zur Finanzierung der Stellen erschöpft. Jetzt will der Landkreis mit jeder einzelnen Gemeinde, die Schulträger ist verhandeln.

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