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Rügen Segelleidenschaft ließ Kölner am Sund sesshaft werden
Vorpommern Rügen Segelleidenschaft ließ Kölner am Sund sesshaft werden
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00:00 12.03.2013
Segelbegeistert: Hein Dünkelmann steckt mit seiner Stralsund-Leidenschaft auch schon seine Schwester Marianne aus Köln an. Fotos (2): Marlies Walther
Stralsund

Die Stadt ist ihm ans Herz gewachsen. Inzwischen kennt er Gott und die Welt. Lässt auf seine Stammkneipe nix kommen. Und weiß Segelgeschichten nonstop zu erzählen.

„Ich bin hier zu Hause. Nirgendwo anders“, stellt Hein Dünkelmann (86) aus tiefstem Herzen fest. Der Rheinländer gehört zu den Zugezogenen. Zu denjenigen, die sagen: „Verdammt, es ist so schön hier.“

Für Hein Dünkelmann ist die Leidenschaft Stralsund mit seiner Liebe zum Meer verbunden. Vor 30 Jahren hat er sein erstes Boot gekauft. Damit fuhr er auf dem Ijsselmeer in Holland. Mit der Ostseeküste verbanden sich für den Kölner seit seinem Besuch in einer Ahlbecker Jugendherberge als Kind endlose weiße Strände, blaues Meer, Steilküsten. Als er bei einer Segeltour nach Bornholm an Rügens Küste vorbei fuhr, war sie wieder da, die Sehnsucht. Zwei Ereignisse fielen Anfang der 90er Jahre zusammen: Hein Dünkelmann ging mit 66 in Rente. Das Land erlebte seinen politischen Umbruch.

Da hatte er nichts Eiligeres zu tun, als die Küste abzuklappern. Zunächst mit dem Wagen. Dann auf zahllosen Segeltouren, die ihn von Holland bis über die polnische Grenze hinaus führten. Mit seiner Freude steckte er auch Sohn und Schwager an. Zunächst war er mit dem Plattbodenschiff „Vrouwe Jannigje“ unterwegs. Einem Kahn aus Stahl mit wenig Tiefgang, wie er beschreibt, den man so hier nicht kannte. Bilderbuchsommer habe er von 1992 bis 1994 erlebt.

In Stralsund blieb er hängen, weil er hier gleich zu Beginn auf der alten Dinse-Werft erfuhr, was Hilfsbereitschaft und Erfinderreichtum bedeuten. Bei seiner neuen Maschine hatte eine falsche Dichtung für Wassereinbruch im Boot gesorgt. Die findigen Hansestädter wussten zu helfen. „Da war ich noch der Wessi“, erinnert er sich. Das sollte sich bald ändern.

Er selbst habe sich nie als Besserwessi empfunden, im Gegenteil. Oft genug hätte er sich für das Auftreten des einen oder anderen Landsmannes geschämt und den dann auch mal „zusammenfaltet“.

Dünkelmann wurde hier heimisch. „Das liegt an der Stadt und den Menschen“, schätzt der Rentner ein. Über die Jahre entstanden tiefe Freundschaften zu Segelkumpeln. Dabei denkt er an manche gemütliche Rund auf der Thomzik-Werft am Feuer, mit dem Räucherofen und einem Köm in Reichweite, zurück. Der Segelverein Stralow wurde seine Heimstatt. Er segelte Regatten mit. Und holte Rund Rügen einmal sogar den ersten Preis.

Die Zeit von Mai bis Oktober verbrachte der ehemalige Abteilungsleiter eines Wirtschaftsverbandes auf dem Wasser. Er schaffte sich das hochseetüchtige Boot „Hein“, das acht Personen Platz bot, an. Im Winter ließ er das Schiff am Sund. Bis er sich sagte: Eigentlich kannst du auch ganz hier bleiben.

1997 brach er in Nordrhein-Westfalen die Zelte ab. Er wohnte lange im Heilgeistkloster. Schweren Herzens musste er sein Boot — inzwischen der kleinere „Hein“ — im letzten Jahr verkaufen. Das Alter spüre er immer mehr, gibt er zu. Deshalb ist er nochmal umgezogen, in den historischen Schwedenspeicher.

Es vergehe kaum ein Tag, an dem er sich nicht sagt, dass die Stadt immer schöner wird. „Wenn man hier wohnt, fällt einem kaum noch auf, wie das mal ausgesehen hat, als man herkam. Das sollte man aber nie vergessen“, meint Dünkelmann.

Dass er nicht mehr weg will, liege vor allem an den Leuten, sagt er. Das empfindet auch seine Schwester Marianne inzwischen so, die ihren Bruder regelmäßig besucht. Jetzt überlegt sie, die ebenfalls am Rhein aufgewachsen ist, selbst nach Stralsund zu ziehen. Denn: „Diese Kameradschaft ist einmalig. Das haben wir so noch nicht erlebt“, sagt die 84-Jährige.

Marlies Walther

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