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Rügen Sein erster Kuss raubte ihr fast den Atem
Vorpommern Rügen Sein erster Kuss raubte ihr fast den Atem
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11:18 11.04.2013
Das Hochzeitsfoto des Ehepaares Gohs aus dem Jahr 1953. Quelle: Anne Ziebarth

Am 28. Juli 1949 traf sie die Liebe wie ein Blitz. „Das weiß ich noch ganz genau“, erinnert sich Hannelore Gohs, „es war auf dem Berufsschulfest in Bergen. Da haben wir uns kennengelernt.“ Es war ein warmer Tag damals, die Stimmung war gut. Das nutzte Gerhard Gohs, um seine Hannelore anzusprechen. „Ist ihnen nicht heiß?“ so der freche Spruch des damals 18-Jährigen, „wie wäre es, wenn wir kurz an die frische Luft gehen?“. Die erst 16-jährige war sehr beeindruckt von dem gutaussehenden jungen Mann aus Klein Kubbelkow. Als er sie dann aber spontan küsste, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. „Da bekommt man ja keine Luft mehr“, habe sie ziemlich schockiert reagiert. Die Basis für eine mittlerweile über ein halbes Jahrhundert andauernde Liebesgeschichte war aber trotz der Kuss-Vorbehalte gelegt. Kurz darauf wurde aus den beiden beim gemeinsamen Karussellfahren ein Paar. „Gar nicht so einfach damals, man musste schon hoffen, sich zufällig über den Weg zu laufen“, erinnert sich Gerhard Gohs.

Heute auf den Tag genau vor 60 Jahren, am 11. April 1953, läuteten die Hochzeitsglocken für das junge Paar, eine Hochzeitsreise gab es damals nicht. „Geld war knapp bei uns — unsere erste Wohnung hatte gerade einmal eineinhalb Zimmer und war im Haus meiner Großmutter“, sagt Hannelore Gohs lachend. Aber es würde eben immer darauf ankommen, was man draus macht. Im Improvisieren sei die heute 80-Jährige schon immer gut gewesen, sagt ihr Mann.

Im Jahr 1945, als nach dem Einmarsch der Roten Armee für ein Jahr die Schule in Bergen geschlossen blieb, hätten die Kinder des Ortes ein ganz besonderes „Spielmobil“ gehabt. Hannelore Gohs erzählt über die Nachkriegszeit: „Die Russen haben uns Kindern ein kaputtes Auto geschenkt. Sicher, der Motor lief nicht mehr, aber wir waren ja viele und haben unser Auto bergauf geschoben.“ Bergab ging es unter großem Geschrei dann von alleine. „Auf der Strecke nach Tilzow wurde uns sogar der Schlagbaum geöffnet, damit wir durch konnten“, schmunzelt Hannelore Gohs.

Heute wohnen die Eheleute in einer altersgerechten Wohnung in der Störtebekerstraße in Bergen, der 81-Jährige Gerhard Gohs hat zwar einige körperliche Probleme, aber meckern wollen beide nicht: „Uns geht es gut“, sagt das Ehepaar einstimmig. Untereinander sprechen die beiden übrigens ausschließlich platt, wenn das Ehepaar sich rasend schnell in dieser Sprache verständigt, macht es fast den Eindruck, als bedienten sie sich einer Geheimsprache, die die Beiden verbindet. „Früher konnte ich gar kein Hochdeutsch“, gibt Hannelore Gohs freimütig zu. Das habe sie unter großen Mühen erst in der Schule lernen müssen.

„Ick mog di“ oder „Ick leev di“ — diese plattdeutschen Liebesbekundungen sagen sich die beiden Rentner häufig. Nach ihrem Rezept für 60 Jahre glückliche Ehe befragt, überlegt das Pärchen einen Moment. „Vertrauen“, sagt Gerhard, „Verständnis“, sagt Hannelore. „Liebe“, fassen schließlich beide zusammen. Dementsprechend wünschen sich die Jubilare auch wenig mehr als Gesundheit und noch etwas Zeit zusammen für ihre Zukunft. Richtig ärgern kann sich Hannelore Gohs allerdings über den Zustand der Bürgersteige in Bergen: „Sie glauben ja gar nicht, wie schwierig es ist, einen Rollstuhl über dieses Pflaster zu schieben“, sagt sie. „Überall Bordsteinkanten und Schlaglöcher, das ist wirklich nicht behindertenfreundlich.“

Namen der Ehejubiläen

60 Jahre muss man verheiratet sein, um das große Jubiläum der Diamantenen Hochzeit zu feiern. Übertroffen wird das nur vom Fest der Gnadenhochzeit, die

allerdings 70 Ehejahre erfordert.

Doch auch wer erst zwei Jahre verheiratet ist, kann sich etwas zur Baumwoll-Hochzeit schenken lassen, wer fünf Jahre verheiratet ist, begeht die Holz-Hochzeit. Die Silberne Hochzeit ist ein bekanntes Hochzeitsjubiläum — 25 Ehejahre haben die beiden Jubilare dann schon gemeinsam verbracht.

Etwas seltener, aber genauso schön: Die Perlen-Hochzeit nach 30 Jahren.

Anne Ziebarth

Das Projekt „Jasmund-Hopper“ ist für die diesjährige Saison geplatzt.

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