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Seit fünf Jahren Piratentreiben am Bodden

Rambin/Grabitz Seit fünf Jahren Piratentreiben am Bodden

Zwei Kölner gründeten auf Gut Grabitz das „Älteste Seeräubernest“ der Insel / Anlehnung an die Sage der Ranunken

Rambin/Grabitz. Ins gemachte Nest legen konnten sich die beiden aus Köln beileibe nicht. Drei Jahre Suche, die Finanzierung, dann ein halbes Jahr harte Renovierungsarbeit und so manche schlaflose Nacht lagen hinter Astrid und Thomas Wippich, als sie 2010 ihr „Ältestes Piratennest auf Rügen“ eröffneten – Gut Grabitz mit Pension und Gasthaus in Sichtweite des Kubitzer Boddens.

Jetzt, zum fünfjährigen Bestehen am vergangenen Wochenende, ist Feiern angesagt. Auf dem Grill dreht sich seit acht Stunden das Hausschwein, Fassbier fließt ohne Unterlass. Bei bester Stimmung bleibt kein Auge trocken, kein Magen hungrig. Das Lagerfeuer bringt etwas Wärme in die kühlere Abendstunde. Und dann, nach Eintritt der Dämmerung, gibt es noch die Laser- und UV-Lichtshow, mit der Nils Schmidt und Tobias Friedel aus Barth farbige Akzente über die Bühne und in die Natur rundum zaubern. Zu allem lässt Jens Liesendahl seinen „Waldgänger-Rock“ aus den 70er Jahren klingen.

Gute Laune bei Livemusik gibt es hier während der Saison an fast jedem Wochenende. Wenn die Stimmung zur vorgerückten Stunde auf den Höhepunkt zuläuft, schwingen Gäste schon mal das Tanzbein.

Solokünstler und Bands aus ganz Deutschland und anderen Ländern fragen regelmäßig bei Astrid Wippich an.

Die 53-Jährige kennt sich inzwischen aus in der internationalen Szene: Den Einstand auf Gut Grabitz gab seinerzeit Gerry O’Fealy, der waschechte Ire aus Dublin, mit seinem Repertoire aus Blues, Irish Folk und Reggae. Im kommenden Juli werden The Souldiers, „Dresdens größte Soulband“ zu elft hier auftreten.

Am Lagerfeuer spielten Dead Men’s Tales aus Kopenhagen auf Gitarre, Akkordeon und Cello, Musiker der fünfköpfigen Piraten-Folk-Rock-Band. Piraten-Folk, das passt irgendwie zum historischen Ort.

Grabitz gab es schon, als noch der slawische Fürst Wizlaw II. auf Rügen herrschte. Den heutigen Rambiner Ortsteil nennen Urkunden bereits mit Jahr 1294. Ernst Moritz Arndt, der berühmte Schriftsteller und Historiker des 18. Jahrhunderts, hatte auf Gut Grabitz einen Teil seiner Jugend verbracht.

Wie sind die Beiden aus Köln auf die Hauslegende vom „Ältesten Piratennest Rügens“ gekommen? „Das war noch in Köln-Nippes in der Kneipe beim 38. Glas Kölsch,“ witzelt der 49-jährige Thomas Wippich.

„Ich erinnere mich noch, als sei es gestern gewesen.“ Das Ehepaar hatte damals bereits Gut Grabitz gekauft, wohnte aber noch in der Domstadt am Rhein. Beim Sinnieren über das Konzept für Gastronomie und Beherbergung ging es um mittelalterliches Ambiente, Namen wie Störtebeker fielen. „Alles besetzt, aber mit den ältesten Piraten konnten wir an die Sage von den Ranunken anknüpfen,“ beschreibt Thomas Wippich. Die Freibeuter hätten der Sage nach ihr Raubnest Ralow gleich hinter der Insel Liebitz am Kubitzer Bodden eingerichtet. Von hier aus sollen sie ihr Unwesen auf dem Bodden und bis in den Sund zwischen Rügen und Stralsund getrieben haben. Auf die Piratenstory haben sich die beiden Wippichs voll eingelassen, das gesamte Umfeld und Milieu ist darauf ausgerichtet: Tische, Stühle, Schränke, alle mit der Patina betagter Möbel. „Zusammengetragen und hier aufgearbeitet, das meiste stammt von Flohmärkten“, erinnert sich Astrid Wippich, „auch auf der ganzen Umlage draußen, alles selbstgebaut.“ Die Grillhütte, sie nennt sich „Backbord“, die „Taverne zum Haifisch“, die Bühne, der naturnah angelegte Teich. Es hat einige Jahre gebraucht, bis alles so war, wie es zum heutigen Fünfjährigen aussieht.

„Fertig aber wird es nie“, grinst Andie Riemen, Mitarbeiter der ersten Stunde auf dem Piratennest Gut Grabitz. Angefangen habe er mit dem Bau eines Zauns, „um die Hunde im Zaum zu halten, hat aber nicht funktioniert“. Sie, die Hunde, seien stärker gewesen. Die auf dem Gelände stehende Piraten-Kogge habe man als verrotteten Fischkutter vom Dänholm geholt und hier zusammengezimmert, die Masten aus Kiefernholz, das Achterkastell aus Resthölzern.

Zum Image gehört auch das etwas gewöhnungsbedürftige Outfit der Crew: Klamotten von Freibeutern und Piratenladies mit Lederschürze, manchmal mit Augenklappe, Dreispitz und Piratendegen. Und natürlich die Piratennamen: Thomas ist „Navigator TomTom“, Astrid „Zahlmeisterin Tide“. Selbst die beiden Köche hören auf Spitznamen: „Lunten Toni“ und „Fetttölpel Till“. Die bringen Gerichte wie „Piratenbraut-Pfanne“ oder „Scharf geschossen“ auf den Tisch. Spezialität ist der knapp anderthalb Meter lange Grill-Degen, bestückt mit Allerlei vom Federvieh und Landgetier.

Was hat das Ehepaar aus der kulturbeflissenen, quirligen Stadt Köln nach Grabitz auf Rügen verschlagen? „Wir wollten raus aus der lauten Großstadt, nahe ran ans Wasser, einen gastronomischen Betrieb aufmachen, Gäste beherbergen. Da schien uns Rügen gerade recht,“ schwärmt Astrid Wippich, die zuvor als medizinisch-technische Röntgenassistentin im Allgemeinen Krankenhaus von Dormagen gearbeitet hatte.

Thomas Wippich arbeitete in Köln lange als freiberuflicher Architekt. „Den Laden hier schmeißt Astrid als Inhaberin ganz alleine“, er, Thomas, arbeite inzwischen wieder als angestellter Architekt in einem Stralsunder Büro.

Und noch etwas hat er auf dem Herzen: „Verwurzelte Kölner sind wir überhaupt nicht. Astrid kommt aus Witten, ich aus Gelsenkirchen.“ Also waschechte Ruhrpöttler, was auch erklären würde, wieso sie sich mit vielem, was sie sagen, selber auf die Schippe nehmen.

Frank Levermann

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