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Show geleitet ins Erwachsensein

Bergen/Putbus Show geleitet ins Erwachsensein

Auf Rügen haben die ersten Schüler dieses Jahrgangs ihre Jugendweihe erhalten

Bergen/Putbus. /Gingst. „In der Pubertät werden die Eltern komisch und brauchen Grenzen.“ Mit solchen Sätzen sicherten sich der bühnenerfahrene Bert Callenbach und die charmante Annelie Echterhoff die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Publikums, bei dem man das erst einmal schaffen muss: 87 Schüler aus den Regionalen Schulen Gingst und „Am Rugard“ in Bergen, dem Sonderpädagogischen Förderzentrum Bergen und dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium erlebten am Sonnabend im Theater Putbus ihre Jugendweihe. Das von Lora Kostina am Piano begleitete, durchweg unterhaltsame Programm, war mal lustig, mal nachdenklich, stets aber jugendgerecht.

„Wenn du morgens aufwachst und du fragst dich, was das alles soll / bitte sieh in deinen Spiegel: du bist jung — das ist doch toll!“, interpretierte das Bühnen-Duo einen Nena-Song, um in der Rede an die Jugendweihlinge sogleich die Vorzüge des Älterwerdens zu preisen: „Ihr könnt jetzt vieles selber entscheiden, zum Beispiel, wann, wo und ob ihr aufräumt.“ Gekonnt spielten die Künstler mit Klischees vom Älterwerden und dem Generationenkonflikt. Das Fazit ihrer Darbietung: Weder Kinder noch Eltern sind zu beneiden. Kaum habe die „Erzeugerfraktion“ etwas aus der Jugendsprache verstanden, denken sich die Kinder gemeinerweise sofort neue Wörter aus.

Von Verantwortung und der Übernahme von Risiken handelte auch das Lied „Ich trau mich nicht“, in der ein Junge in verschiedenen Lebensphasen nicht wagt, schwarz zu fahren, ein Mädchen anzusprechen, vor den Traualtar zu treten, von der Kante zu springen oder — die letzte Strophe des Liedes zu singen.

Jugendweihling Olaf dürfte nach dem Titel „Ich hab‘ dich lieb“ von Sängerin Annelie Echterhoff geträumt haben, die ihn auf seinem Platz im Parkett besuchte und auf seinem Schoß sitzend anschmachtete. Das Lied von den männlichen Hausschweinen/ Packeseln/ Mülleimern, die „immer alle Teller leer“ essen, bewirkte Heiterkeit unter den anwesenden Damen.

Bestens unterhalten fühlten sich auch Lea Funk und ihre Freundinnen Lena Eichwald, Annemarie Bähr, Sophie Raschert und Sophia Alnstedt aus der achten Klasse des Gymnasiums. Letztere bewegte sich nach einem Unfall am Stufenbarren, bei dem ihre Bänder gerissen und Sprunggelenk sowie Wadenbein gebrochen waren, auf Krücken. So hatte Lennart Morten Pyritz aus Garz eine Leidensgefährtin. Der Torwart hatte weder an den Vorbereitungen auf die Feierstunde teilnehmen noch die Bühne des Putbuser Theaters betreten können, weil ihm zuvor beim Fußball die Kniescheibe heraus gesprungen war, was ihn aktuell an den Rollstuhl fesselt.

Theo Woldt hingegen wäre eigentlich erst im Juni dran gewesen. Weil seine Eltern dann aber ihre Silberhochzeit feiern und die Großeltern vorher die Goldene, durfte Theo vorzeitig zur Jugendweihe. Als Dreijähriger hatte er bei der Jugendweihe seines großen Bruders so herzhaft gegähnt, dass er allen Teilnehmern im Gedächtnis geblieben ist. „Damals war das Programm eben noch nicht so unterhaltsam“, meint Mutter Tina.

Die Familie von Lena Eichwald reiste aus Bayern und Sachsen an, und Annett Dettenbeck aus Dranske betrat das Foyer mit drei großen Buchattrappen, von denen jede aussah wie eine Familienbibel. „Darin habe ich die Geschenke für meinen Sohn Florian und meine zwei Nichten Pia und Lucy, weil die Mädchen doch so gern lesen“, sagt sie.

Jedes Kind, besser jeder junge Erwachsene, wurde namentlich aufgerufen und erhielt das traditionelle Geschenkbuch zur Jugendweihe. Das wurde in diesem Jahr mit den Cornelsen Schulverlagen überarbeitet und enthält nun ein noch breiteres Spektrum an Themen, die die Jugendlichen berühren. So kommen prominente Wissenschaftler wie Mojib Latif zum Thema Klimawandel oder die Politikerin Ingrid Matthäus-Maier zum Thema Staat und Kirche zu Wort.

Nach dieser eigentlichen Initia- tion wurde es noch einmal be- sinnlich. „Eure Eltern erlebten Schwangerschaft, Geburt, euer erstes Lächeln und den ersten Zahn“, erinnerten Annelie Echterhoff und Bert Callenbach, sprachen über Tod und Leid durch Krieg, Armut und Hunger in der Welt. Die Klassensprecher Lina Voigtsberger aus Putbus und Fiete Schwerin aus Garz dankten stellvertretend ihren Familien und Lehrern: „Ihr macht einen tollen Job!“ Fiete spielte anschließend am Klavier das umjubelte Stück „Secrets“, bei dem sich Sängerin Annelie neu verliebt haben mag. Zum Abschluss interpretierte sie ein Lied, das die jungen Leute ebenso wie die Gäste daran erinnern sollte, dass im Leben manchmal auch etwas Demut angebracht sein kann: „In irgendeine Nische passen wir schon rein / ist sie zu schmal, machen wir uns klein.“

Von Uwe Driest

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