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Sie bekamen den Familienbesitz zurück

Rattelvitz Sie bekamen den Familienbesitz zurück

Familie Neuschild gehörte einst das Gut Rattelvitz / Nach der Wende begann sie mit der nostalgischen Sanierung

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Ursula Neuschild mit ihrem Sohn Christian und dessen Frau Birgit vor ihrem in neuem Glanz erstrahlten ehemaligen Gutshaus. FOTOS (4): UWE DRIEST

Rattelvitz. „Wir kannten jedes Detail, ohne je hier gewesen zu sein“, erzählt Christian Neuschild. Er ist der jüngste der drei Söhne von Ursula Neuschild. Die als auch Großvater Heinrich Haupt hatten jahrzehntelang Bilder und Geschichten des ehemaligen Familienbesitzes auf Rügen am Leben gehalten.

 

OZ-Bild

Als sich nach der Wende die Gelegenheit bot, erwarb die Familie das Gut 1993 zurück und 2005 begann der 1951 noch in Stralsund geborene Christian, das Gutshaus umzubauen. Das Treppenhaus des denkmalgeschützten Gebäudes ziert heute ein Foto der Großeltern. „Im Verschlag unter der Treppe fand ich eine in Pappe eingeschlagene Karte aus dem Jahr 1850, die Gut Kapelle nebst dessen Vorwerken Gurtitz und Rattelvitz zeigt“, erzählt Christian Neuschild. Die Karte ließ er restaurieren und heute hängt sie in einer der Ferienwohnungen.

Das Gut hatten seine Großeltern 1936 gekauft. Als 1953 die „Aktion Rose“ begann, floh ein Teil der Familie in den Westen. Großvater Heinrich Haupt aber betrieb das Gut in Rattelvitz noch bis 1960, wich dann aber dem Druck von LPG und Stasi und folgte der Familie in den hessischen Odenwald.

1963 kehrte Heinrich Haupt trotz Verbots noch einmal nach Rattelvitz zurück. Da habe er gesehen, dass die schöne Fachwerkscheune zum Schweinestall geworden war und das Rohrdach dahinter lag.

Stattdessen hatten Beton und Asbest Verwendung gefunden. „Mein Vater hat leider die Wende nicht mehr erlebt“, bedauert Ursula Neuschild, die im kommenden Jahr 90 Jahre alt wird.

Christian Neuschild und seine Frau Birgit, eine gebürtige Pfälzerin, die er 2011 in Putbus heiratete, bewohnen während ihrer Aufenthalte auf der Insel die mittlere von drei Wohnungen, die sie in der ehemaligen Kantine der LPG herrichteten. Die Rechtsanwältin kümmert sich nebenher um die Vermietung der sechs nostalgischen, aber mit heutigem Komfort ausgestatteten Wohnungen. „Von Möbeln aus dem 19. Jahrhundert bis zum Lichtschalter aus Porzellan achteten wir auf jedes Detail“, sagt Christian Neuschild.

Der gelernte Maschinenbauer, vertrieb drei Jahrzehnte lang im Ausland medizinisches Gerät für einen multinationalen Konzern; zuletzt in Skandinavien. „In jener Zeit fuhr ich häufig mit der Fähre von Trelleborg über Rügen zur Baubesprechung“.

Seit 14 Tagen ist er nun Rentner und könnte sich vorstellen, eines Tages ganz nach Rügen zu ziehen. „Ich habe noch viele Pläne.“ So möchte er im Bereich der stillgelegten Kiesgrube einen Abenteuerspielplatz entstehen lassen und auf der Anhöhe des Grundstücks, von wo aus man bis nach Ummanz sehen kann, „einen Abschlagplatz einrichten, um mein Golfspiel zu verbessern“, sagt er.

Dorfgeschichten von der Insel Rügen

Die schönsten Geschichten aus den Dörfern der Insel sind vor kurzem in Buchform erschienen.

Der Band „Dorfgeschichten von Rügen“ist in einer Auflage von 4000 Stück vom Rostocker Hinstorff-Verlag herausgegeben worden, rund 170 Seiten stark und beinhaltet 33 Dorfgeschichten.

Die Autoren sind Susanna Gilbert und Uwe Driest.

Das Buch ist für 19,99 Euro im Service-Center der OSTSEE-ZEITUNG, am Markt 25 in Bergen, in den meisten Rügener Buchhandlungen und weiteren Verkaufsstellen, Kurverwaltungen, Tourist-Informationen und im Einzelhandel erhältlich.

Uwe Driest

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