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Jutta und Ulrich Machule zogen nach der Wende von Rendsburg ins Haus des Onkels

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Tochter dazu gewonnen: Das Ehepaar Jutta und Ulrich Machule mit Katharina.

Quelle: Fotos: Susanna Gilbert

Nardevitz. Jutta Machule war vier Jahre alt und einer der über 100000 Flüchtlinge, die in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges auf Schiffen aus den Ostgebieten bis zum Hafen Sassnitz gebracht wurden. Sie hatte gemeinsam mit der Mutter und zwei Schwestern ihren Heimatort Pillau im damaligen Ostpreußen verlassen müssen – ohne den Vater, der als Marinesoldat an der Front kämpfte.

OZ-Bild

Jutta und Ulrich Machule zogen nach der Wende von Rendsburg ins Haus des Onkels

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Jutta und ihre Familie kamen bei den Großeltern in Bergen unter. Als der Vater aus dem Krieg zurück gekehrt war, zog die Familie weiter nach Cuxhaven. „Da bin ich groß geworden“, sagt die heute 75-Jährige. Ihre Schulferien aber hat sie oft bei Opa und Oma in Bergen oder im Nardevitzer Haus ihrer Patentante Annemarie und deren Mann Wolfgang Ruge verbracht. Und genau dort lebt sie wieder mit ihrem Mann Ulrich und der Polin Katharina Herma, die ihre „Tochter“ geworden ist.

Auch Ulrich Machule war ein Flüchtlingskind. Von Schlesien führte der Weg des damals Siebenjährigen nach Eisleben, später – 1958 – ging es weiter in den Westen. Während Jutta die gehobene Laufbahn in der Postverwaltung einschlug, war Ulrich zuletzt als stellvertretender Direktor bei den Stadtwerken in Rendsburg tätig, wo die Machules seit 1985 auch wohnten. Zwei Söhne – Martin und Christian – zog das Paar auf, der eine lebt heute in Portugal, der andere ist im Raum Rendsburg geblieben. Heute sind die Machules zudem auch stolze Großeltern von sechs Enkeln im Alter von zwei bis 25 Jahren.

Mauerfall und Wiedervereinigung rüttelten das wohlgeordnete Leben des Ehepaares noch einmal gründlich durcheinander. Jutta hatte das Haus mit ihren Schwestern von ihren Großeltern geerbt. „Wir wollten uns kümmern“ und dieses Erbe „in Ordnung bringen“. Das war ihre Motivation, die Koffer zu packen und auf die Insel zu ziehen. Und noch eines überzeugte sie: „Dass es hier oben fast immer besseres Wetter gibt.“ Zunächst galt es, das Bergener Haus zu sanieren. „Mit den eigenen Händen“ habe sie geschuftet und sich am „Aufbau Ost“ beteiligt, sagt sie heute schmunzelnd. Abends telefonierte sie regelmäßig mit Mann Ulrich in Rendsburg und berichtete vom Fortgang ihres Projektes. Der freundete sich erst allmählich mit dem Gedanken eines Umzugs nach Rügen an, doch dann sagte er sich: „Entweder ganz oder gar nicht“ und folgte seiner Frau. „Jetzt geht es mir prima“, sagt der 78-Jährige heute.

Nachdem das Bergener Gebäude fertiggestellt und in Mietwohnungen aufgeteilt war, suchten sich die beiden eine dauerhafte Bleibe auf der Insel. Als der Nardevitzer Onkel sein Haus verkaufen wollte, fiel die Entscheidung leicht. Das idyllisch zwischen Bäumen oberhalb der Meeresküste gelegene alte Anwesen war Jutta nicht nur seit Kindertagen vertraut, sondern auch mit seiner Lage hoch über dem Meer besonders schön.

Onkel Ruge war früher Schuldirektor in Bergen und stammte von dem bekannten Radikaldemokraten Arnold Ruge (1802 – 1880) ab. „Ich war also keine Fremde hier“, betont Jutta Machule. Zu DDR-Zeiten war das Haus in Nardevitz ein Ferienheim. „In der Küche standen noch sechs Kühlschränke, und die Volleyballstangen gibt es heute noch im Garten“, erinnert sich die Besitzerin.

Wrack vor Nardevitz: der schwedische Postdampfer „Rex“

Vor Nardevitz liegt das Wrack des zu seiner Zeit größten schwedischen Postdampfers – die 69 Meter lange „Rex“. Sie pendelte auf der späteren Königslinie zwischen Sassnitz und Trelleborg. Doch nur drei Jahre nach ihrem Stapellauf lief die „Rex“ in der Sturm- und Nebelnacht des 27. Februar 1900 auf Grund.

Der Kapitän hatte noch versucht, mit einem Beiboot ein Tau als Verbindung zum Land zu bringen und die Frauen von Bord zu bringen. Doch das Boot kenterte in der starken Brandung.

Alle fünf Frauen sowie ein Matrose kamen in der eisigen See ums Leben.

Ein Dauerpfeifton des gestrandeten Dampfers alarmierte die Helfer der Rettungsstation Lohme, die im Morgengrauen einen Raketenapparat an den Strand brachten. Mit diesem Gerät gelang es, eine Leine zum Havaristen zu schießen und über sie nach und nach Passagiere, Besatzung und Post an Land zu ziehen.

1995 war das Wrack entdeckt worden.

Susanna Gilbert

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