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Sassnitz Sie ist da, wenn die Seelen davonschweben

Elfi Engfer arbeitet als Hauswirtschaftlerin in einer Einrichtung für demenzkranke Senioren.

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Elfi Engfer aus Sassnitz arbeitet als Hauswirtschaftlerin in einem Heim für demente Senioren.

Quelle: Christine Zillmer

Sassnitz. Es gibt Menschen, wie Elfi Engfer (53), die sich mit dem Ende des Lebens auseinandersetzen müssen, denn sie sind manchmal im Moment des letzten Atemzuges hautnah dabei. Elfi Engfer arbeitet seit neun Jahren als Hauswirtschaftlerin in einer Wohngemeinschaft für demenzerkrankte Senioren in Sassnitz. „Wir spüren das, wenn jemand sich vom Leben verabschieden möchte. Die Menschen schlafen viel, das Gesicht verändert sich, die Hautfalte um den Mund wird tiefer und das Näschen manchmal ganz spitz.“ Die Mitarbeiter im Haus lassen in dieser Zeit leise Musik im Zimmer der Bewohner laufen. „Wir stellen auch ein Nachtlicht auf, damit es nicht so dunkel ist. Ich weiß nicht, ob die Sterbenden das merken.“ Wenn die Seele aus dem Fenster geflogen ist, wird der leicht geöffnete Mund geschlossen und die Hände über der Brust gefaltet. „Es soll ein friedlicher Abschied von dieser Welt sein“, sagt Elfi Engfer.

Ein Schicksalsschlag in der Familie veränderte alles

Bevor Sie in der Einrichtung anfing zu arbeiten, hatte Engfer ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der Pflege eines Familienangehörigen. Nachdem sie die Diagnose der Demenz bei ihrer Mutter erreichte, entschied sie sich irgendwann dazu sie in einer Wohngemeinschaft betreuen zu lassen. Elfi Engfer konnte den intensiven Pflegeaufwand allein zu Hause nicht leisten. Es sei eine ganz spezielle Situation mit demenzkranken Angehörigen. „Ich besuchte meine Mutter drei Jahre lang jeden Tag. Wir gingen spazieren, aßen zusammen oder spielten Gesellschaftsspiele.“ Nach dem Tod der Mutter fragte die Chefin der Einrichtung, ob sie dort fest arbeiten möchte. Engfer sagte zu. Mittlerweile leitet sie sogar nebenberuflich und ehrenamtlich eine Selbsthilfegruppe für Angehörige demenzerkrankter Menschen und unterstützt Betroffene jeden dritten Freitag im Monat bei Fragen zum Thema im Sassnitzer Grundtvighaus. Elfi Engfer wurde 1964 im damaligen Sassnitzer Krankenhaus geboren und ist in Sehlitz aufgewachsen. Das Elternhaus gibt es heute nicht mehr, es stand zwischen Wittenfelde und Promoisel. Elfi Engfer wurde in Sagard eingeschult und wechselte dann 1974 an die Sassnitzer Oberschule I in der Bergstraße Danach lernte sie das Bäckereihandwerk in der Grimmener Lehrwerkstadt. Dort im Internat traf sie das erste Mal auf ihren heutigen Mann. „Ich mochte ihn erst nicht besonders. Aber irgendwie hat er sich Mühe gegeben“, erzählt Engfer. Zusammen gingen Sie nach Ausbildungsende von Engfer nach Sassnitz. „Ich habe zehn Jahre lang in der Konsumbäckerei in der Hafenstraße gearbeitet.“ Da Elfi Engfer zwei Söhne großzog, konnte sie in der Tagschicht arbeiten. „Ich buk Brötchen, Brot und Kuchen von 6 Uhr bis 16 Uhr“, erzählt sie. Nach der Wende war alles vorbei. „Wir wurden gekündigt, es war keine Arbeit mehr für uns da“, weiß sie noch.

Begleitung ins Badezimmer oder Mensch ärger Dich nicht

Jeder orientierte sich in dieser Zeit um. Engfer fand schnell etwas Neues. Achtzehn Jahre arbeitete sie im Hotel Villa Aegir in Sassnitz. „Ich kümmerte mich um alle anfallenden Aufgaben. Vom Zimmer putzen bis zum Dienstpläne schreiben, war alles dabei.“ In dieser Zeit ereilte sie der Schicksalsschlag. Ihre Mutter erkrankte. „Ich wusste gar nichts über das Krankheitsbild der Demenz und wie ich damit umgehen muss. In der betreuten Wohngemeinschaft war meine Mutter den ganzen Tag gut aufgehoben.“ Eben dort fing Engfer dann an zu arbeiten. Ihre Motivation ist ganz einfach: „Ich möchte mich um die Bewohner kümmern, jeder hat einen schönen Lebensabend verdient. Die Menschen hier sind so lieb und gehören unter Schutz gestellt.“ Sie kocht Essen, deckt den Tisch, begleitet ins Badezimmer, spielt Mensch ärgere dich nicht mit den Bewohnern und führt Nachtwanderer zurück in ihre Betten. Wenn nichts dazwischen kommt, wird Elfi Engfer noch viele Jahre in der Wohngemeinschaft in Sassnitz arbeiten, sagt sie.

Ziebarth Anne Friederike

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