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Rügen Sie ist die letzte Ureinwohnerin von Streu
Vorpommern Rügen Sie ist die letzte Ureinwohnerin von Streu
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00:00 27.10.2017
Streu

In diesem Jahr hat Heidrun Gericke allen Grund zum Feiern: 40 Jahre ist sie mit ihrem Dieter verheiratet, und in wenigen Tagen steht ihr 60. Geburtstag bevor. Doch „so doll“ soll das Fest nicht werden. Die freundliche Frau, die sich als „die letzte Ureinwohnerin von Streu“ bezeichnet, ist glücklich, wenn an ihrem Ehrentag die Familie zusammen kommt. Weit hat es Sohn Marco ja nicht, lebt er doch mit seiner Frau und Heidruns drei Enkeln Morris, Nilo und Marei im benachbarten Bergen.

Doris Gericke zeigt aus dem Fenster auf den renovierten Schnitterkaten des ehemaligen Gutes, in dem sie groß geworden ist. Schon die Großeltern hatten in Streu gelebt und in der Landwirtschaft gearbeitet. Mit ihren vier Brüdern und der Schwester lief das Nesthäkchen der Familie auf dem Feldweg nach Bergen zur Schule. Im Sommer plantschten die Kinder im Bodden, vorzugsweise am Strand von Trips. Hier lernte Heidrun mit 16 Jahren auch ihren späteren Mann kennen, den Dieter aus Siggermow. Das war 1974. Drei Jahre später wurde geheiratet. Im selben Jahr gab sie ihre Arbeit in der Güterabfertigung der Reichsbahn in Bergen auf und wechselte in die Lebensmittelbranche. Zunächst war sie bis zur Wende in der Fleischwirtschaft beschäftigt, danach schwang sie als Köchin in der Gastronomie den Schneebesen.

Seit zehn Jahren sorgt sie in einer Selliner Fischgaststätte für das leibliche Wohl der Gäste. Da auch Dieter als Hausmeister in einer Bäckerei in Sellin arbeitet, haben die beiden ihren Alltag bestens organisiert. Wenn er nach Hause kommt, hat ihre Schicht begonnen. Doch Dieter muss nicht darben: Das Essen steht im Kühlschrank, die Kartoffeln sind geschält. „Drei Jahre muss ich noch“, rechnet Heidrun vor. Dann kann das Paar seinen Ruhestand genießen, der gar nicht so ruhig sein wird, wenn die beiden so aktiv bleiben wie jetzt. In ihrer knappen Freizeit fahren sie Rad, etwa bis Prora oder Karow, oder gehen im Sommer ans Wasser. Letzteres ist allerdings in diesem Jahr wegen des schlechten Wetters ausgefallen. „Ich war nicht einmal am Strand“, bedauert Heidrun.

Die Gerickes wohnen in dem Haus, das Heidruns Vater in den Fünfzigerjahren gebaut hat. Nach einem Umbau sind sie 2000 wieder eingezogen. Lange hat die Mutter mit ihnen gelebt, bevor sie vor vier Jahren gestorben ist. In der Nachbarschaft wohnt auch wieder Heidruns Schwester. Drumherum allerdings hat sich einiges verändert: Viele Wohnhäuser stehen Feriengästen zur Verfügung, viele junge Familien leben im Dorf. „Natürlich grüßt man sich“, sagt Heidrun nachdenklich, aber „wir haben eine ganz andere Auffassung vom Leben als die jungen Leute.“

S. Gilbert

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