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Prora Sie lieben sich ein Leben lang

Ein Diamant funkelt heute in Prora: Sonja und Heinz Gesch aus Prora feiern ihren 60. Hochzeitstag

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Sonja und Heinz Gesch haben heute vor 60 Jahren den Bund fürs Leben geschlossen. Der besondere Moment von damals ist natürlich im Fotoalbum der beiden dokumentiert.

Quelle: Foto: Holger Vonberg

Prora. Das kann Liebe möglich machen: In Prora feiern Sonja und Heinz Gesch am heutigen Donnerstag ihre Diamantene Hochzeit. „Im kleinen Kreise der Familie werden wir unseren 60. Hochzeitstag begehen“, sagt Heinz Gesch.

Dessen Augen leuchten, wenn er erzählt, wie er seine Sonja einst kennengelernt hat. Sie sei im kalten Dezember 1945 als Flüchtlingskind aus Kolberg (Hinterpommern) nach Rügen gekommen, habe zunächst in Ralswiek und Parchtitz Unterschlupf gefunden und später im Bergener Ratskeller als Annonceuse gearbeitet. Dort sind sie sich zum ersten Mal begegnet. „Sie hat die Bestellungen der Gäste aufgenommen, aber auch in der Küche ihr Tun gehabt.“

Ihre schönen, braunen Augen und ihr langes, schwarzes Haar seien ihm sofort aufgefallen, als sie in hellgrüner Bluse und schwarzem Rock an seinen Tisch kam. „Zunächst wollte sie nichts von mir wissen, aber dann hat es doch gefunkt“, sagt er und streichelt liebevoll ihre Hand. Ein Lächeln huscht über das Gesicht seiner Frau. Mit Worten, Blicken, Berührungen und Gesten kommunizieren sie miteinander.

Heinz Gesch wünscht sich noch viel Kraft, um seine Sonja zu Hause weiterpflegen zu können. „Wir haben das große Glück, dass unsere Tochter Anja gleich nebenan wohnt und mir neben ihrer Arbeit helfen kann, meine Frau zu versorgen“, sagt der 83-jährige Jubilar. Und auch auf die Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes der Volkssolidarität könne er sich jederzeit verlassen. „Was diese Frauen leisten, ist bewundernswert.“

An den Polterabend vor 60 Jahren erinnert sich Heinz Gesch gern. Es war in Torgau an der Elbe. Er stammt von dort. „Da ging es hoch her. Aber heirate nie, wenn deine Eltern am selben Tag ihre Silberhochzeit feiern. Wir spielten in dieser großen Hochzeitsgesellschaft der Geschwister meiner Eltern eine eher kleine Rolle. Das war nun mal so.“

Seine Antwort auf die Frage nach dem Rezept für eine Liebe, die ein Leben lang hält, lässt nicht lange auf sich warten: „Man muss einander lieben, sich ehren, sich aussprechen und zusammenhalten – und das in guten wie in schlechten Zeiten.“

Die guten Zeiten waren die jungen Jahre, als sie ihre erste gemeinsame Wohnung bekamen und die beiden Töchter geboren wurden. „Seit 1958 wohnen wir hier in Prora. Wir haben vor Freude auf dem Küchentisch getanzt, als wir die Zweiraumwohnung einen Aufgang weiter bekommen haben. Und seit 50 Jahren lesen wir nun schon die Ostsee-Zeitung.“

Nach seiner Armeezeit studierte Heinz Gesch Chemie und wurde Diplomlehrer. Mit Peter Werner baute er die ASG (Armeesportgemeinschaft) Prora II auf, aus der viele Kinder und Jugendliche zu DDR-Zeiten Kreis- und Bezirksmeister wurden. Zuletzt war Heinz Gesch Lehrer an der kommunalen Berufsschule in Bergen. Bis zur Schließung ihres Kindergartens arbeitete seine Frau als Köchin. Ihr sei es zu verdanken, dass sie nicht nach Halle gezogen sind. „Wir haben keinen Tag hier auf der Insel bereut.“

Zur Diamantenen Hochzeit freuen sich die beiden heute über den Besuch einer kleinen Abordnung der Gemeinde Binz. Heinz Gesch wirft einen Blick in das Nebenzimmer. Seine Sonja schläft. Im Fernseher singt Udo Jürgens leise: „Und immer wieder geht die Sonne auf.“

Holger Vonberg

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