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Rügen Sie rettete ihren Kindern das Leben
Vorpommern Rügen Sie rettete ihren Kindern das Leben
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00:01 16.09.2017

Großer Bahnhof in der Hafenstadt: Meta Kummer feiert Geburtstag. Engste Familienmitglieder hat sie um sich geschart. Es gibt selbstgemachte Schnittchen von Tochter Edda Sack und einen frischen Pflaumenkuchen von Sohn Dieter. Der ist extra aus Berlin angereist. Zwei Kinder, drei Enkel, zwei Urenkel und sogar zwei Ururenkel sind gekommen. Denn die Rüganerin ist 103 Jahre alt geworden.

Meta Kummer wurde 1914 in Freetz bei Vilmnitz geboren. Mitte der dreißiger Jahre heirate sie ihren Erwin und lebt heute in Sassnitz.

1914 wurde sie in Freetz bei Vilmnitz geboren. Mit sechs weiteren Geschwistern und ihrer Mutter ist sie in einer reetgedeckten Kate aufgewachsen. „Das Haus gibt es heute noch“, sagt Tochter Edda.

„Wir waren neulich nochmal dort und sind von den neuen Besitzern reingelassen worden. Es war wirklich toll, das alles nochmal zu sehen.“

Der Vater von Meta Kummer ist im Ersten Weltkrieg gefallen und die Mutter hatte es schwer mit sieben Kindern. Schon als junges Mädchen fand Meta eine Anstellung bei einer reichen Familie in Freetz und half dort im Haushalt mit. Der Koch der Familie hatte ein Auge auf die zierliche Frau geworfen. Er nahm sie oft mit in die Küche und brachte ihr bei, wie die Gerichte für die Gutsleute zubereitet werden. Gute alte Hausmannskost und viel frisches Gemüse kam damals schon auf den Tisch. Später arbeitete Meta Kummer in Binz als Zimmermädchen und richtete die Wohnungen für Urlauber her. Besonders gefallen haben ihr damals die Urlauber mit ihren schönen Sachen, den teuren Pelzen und dem gepflegten Erscheinungsbild. Es war eben eine ganz andere Welt als auf dem Dorf in Freetz.

In Binz lernte sie ihren späteren Ehemann, Erwin Kummer, kennen. Bevor das Paar heiraten durfte, musste ein Amtsarzt der zukünftigen Braut die „beste Gesundheit“ bestätigen. Sie wog bei 1,60

Metern nur 45 Kilo. Bei der Behörde machte man sich Sorgen. Der Heirat stand nach der Untersuchung aber nichts mehr im Weg, und kurz darauf schenkte sie 1936 ihrem ersten Sohn Dieter das Leben. Meta Kummer ging ganz in ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter auf. Der Lebensmittelpunkt der jungen Familie verlagerte sich nach Bergen. Dort kümmerte sich die junge Frau vorwiegend um ihr erstes Kind, bevor 1940 ihre Tochter zur Welt kam.

Es waren schwere Zeiten, denn der Zweite Weltkrieg ging auch an Bergen nicht spurlos vorbei. „Meine Mutter erzählte später oft darüber, dass wir bei Fliegerbombenalarm in den Luftschutzkeller mussten. Ich habe davon nichts mitbekommen. Sie hat uns immer gut beschützt“, beschreibt die heute 77-jährige Tochter Edda Sack die Lebenssituation in Bergen. Eine bedeutende Entscheidung traf Meta Kummer in den letzten Kriegstagen, als viele Familien angehalten worden waren, mit einem Schiff zu fliehen. Meta Kummer blieb. Bei einem Bombenangriff der Amerikaner im März 1945 versank das Schiff vor Sassnitz. Alle Insassen kamen ums Leben. Mit diesem für die meisten damals nicht nachvollziehbaren Entschluss rettete sie sich und ihren Kindern das Leben.

Sieben Jahre kümmerte sie sich allein um die Familie und bestritt das schwierige Leben auf der Insel, bis der Ehemann und Vater endlich aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückkehrte.

Ihr Mann lernte das Handwerk des Bäcker- und Konditormeisters und eröffnete den ersten eigenen Familienbetrieb. Fortan verkaufte Meta Kummer Brot und Backwaren im eigenen Geschäft in Sagard und später frische Eiskugeln in der eigenen Eisdiele der Familie. Außerdem kümmerte sie sich um ihre Kinder, um den Haushalt und die Nutztiere der Familie.

Im Laufe der Zeit verdiente die kleine Familie neben dem eigenen Geschäft auch Geld mit Schweinen, Enten und Hühnern. „Es gab immer viel zu tun. Meine Mutter hat für die Familie und deren Bedürfnisse gelebt“, erzählt Tochter Edda. Denn Meta Kummer legte viel Wert auf eine saubere Wohnung und adrettes Erscheinungsbild der gesamten Familie. An den Feiertagen zu Ostern und Weihnachten bekamen die Kinder oft neue Sachen, um zu diesen besonderen Anlässen gut auszusehen. 1973 zog Meta Kummer dann nach Sassnitz, wo sie heute noch wohnt.

Sie ist ein naturverbundener Mensch. Für sie standen neben der Familie oft Wanderungen im heutigen Nationalpark auf dem Programm. Manchmal war Meta Kummer bis zu drei Stunden unterwegs und streifte durch Wälder und Wiesen in der Umgebung von Sassnitz. Dabei erholte sie sich und genoss den Frieden der Natur. Manchmal gönnte sie sich ein Eis in der Stadt.

Meta Kummer lebt heute im Betreuten Wohnen. Sie ernährt sich wie eh und je gesund, verzichtet auf schwarzen Bohnenkaffee und liebt rote kleine Tomaten. „Schwarzer Kaffee ist Gift“, betonte sie oft am Esstisch. Im Fernsehen hat sie sich immer nur die Nachrichten angesehen und den Wetterbericht, sonst nichts. Vielleicht sind das ja die Rezepte für ein langes, erfülltes Leben.

Oft ist sie nun in Gedanken versunken und mittlerweile sehr gern allein. Sie genießt die Ruhe in ihrem Zimmer, das sie nicht mehr so gern für Ausflüge verlässt. Denn sie macht sich Sorgen, dass sie Treppenabsätze oder Hürden im Alltag nicht mehr schafft. Für alle täglich zu erledigenden Dinge braucht und bekommt Meta Kummer die Unterstützung der Pfleger.

Christine Zillmer

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