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Rügen Sylvia Vandermeer: Von Rügen nach Florenz
Vorpommern Rügen Sylvia Vandermeer: Von Rügen nach Florenz
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06:01 30.10.2018
Sylvia Vandermeer zeigt derzeit in der katholischen Kirche in Binz ihre Ausstellung „Atemholen im Glauben“. Quelle: Gerit Herold
Binz

Es sind besondere Plätze und Perspektiven: die Abendstimmung mit Feuerschale neben dem Fischkutter am Ostseestrand, das verlassene Kino, eine Brücke mit Menschen in Venedig, das Labyrinth im Inneren der Kathedrale von Chartres. Orte, an denen sich Sylvia Vandermeer ausruhen, erden, zu sich finden kann. Es sind eingefrorene Momente. „Gerade noch im Jetzt“, nennt sie Sylvia Vandermeer. Auf 14 Bildern mit einer Größe von zwei mal 1,40 Metern hat sie ihre Sehnsuchtsziele auf der Reise zu eigenen Mitte festgehalten. In einer Kölner Manufaktur sind nach den Originalen großformatige Teppiche gewebt worden. Fünf davon hängen in der katholischen Kirche „Stella Maris“ in Binz. „Atemholen im Glauben“ heißt die Ausstellung, zu der es ein Begleitbuch mit meditativen Texten von Pater Dr. Amseln Grün gibt. Das Projekt wird durch das Bonifatius Werk gefördert.

Sylvia Vandermeer ist gläubige Christin. Die 50-Jährige beschäftigt sich mit religiösen Themen und biblischen Motiven, die sie in die Gegenwart holt. Ein Höhepunkt ihres Lebens war der 3. Mai 2006, als sie Papst Benedikt den XVI. ihr Gemälde „Madonna“ während einer Audienz in Rom überreichte - das Coverbild für das Journal of Management, Spirituality and Religion 2004. Die katholische Kirche Binz ist ihre Heimatgemeinde. Hier stellte sie schon mehrfach aus. Die Wände des modernen Gotteshauses ziert seit dem Jahre 2011 ein fünfzehnteiliger Kreuzweg, den sie gestaltet hat.

International erfolgreich

Der Mensch ist der Fokus ihrer der Arbeit. Die Künstlerin und Wissenschaftlerin stellt international erfolgreich aus und lebt in Binz. Den Weg zu Malerei fand sie erst spät. „Maler sind oft Quereinsteiger“, weiß Vandermeer und nennt berühmte Namen wie van Gogh, Gauguin, Cézanne, Degas und Matisse. Die 1968 in Zeitz (Sachsen-Anhalt) Geborene, die aus einem ökonomischen Elternhaus kommt, begann 1988 an der Humboldt-Uni ein Studium der Wirtschaftspädagogik, um Berufsschullehrer zu werden. In der damaligen Hauptstadt der DDR lernte sie auch ihren Mann Frank Meierewert kennen, der seit ein paar Jahren als freier Schriftsteller auf Rügen arbeitet und vorher als Eventmanager bei der Kurverwaltung Baabe tätig war.

Als Wissenschaftlerin gestartet

Das Paar zog 1990 mit zwei Rucksäcken und Reisetaschen los in Richtung Passau, wo Sylvia Vandermeer Betriebswirtschaftslehre studierte. Damals fing sie an, sich nebenbei mit der Malerei zu beschäftigen. Fünf Jahre später ging es nach Wien. Dort habilitierte und promovierte Sylvia Vandermeer an der Wirtschafts-Uni. Sie absolvierte zusätzlich ein individuelles Diplomstudium in den Fachrichtungen Bildende Kunst, Biologie und Psychologie, besuchte die Akademie der Alten Meister in Florenz und Wien und fand Aufnahme im Painting Seminar unter der Leitung von Prof. Ernst Fuchs. Ihr wissenschaftliches und künstlerisches Engagement wurde 2008 durch die Verleihung einer Professur von der Donau-Uni Krems geehrt. Dann gab sie die Wissenschaftskarriere auf und ging im Jahre 2010 mit ihrem Mann nach Rügen. Ihr erster Auftritt auf der Insel war die Verhüllungsaktion des Müther-Baus "Inselparadies" an der Baaber Strandpromenade. Die damalige Ruine war in Planen eingewickelt, auf denen Sylvia Vandermeer ihre Arbeiten präsentierte.

Hinwendung zum magischen Realismus

Seinerzeit stand sie noch für Fotorealismus. Doch davon ist abgerückt. Ihr Stil ist jetzt magischer Realismus, bei dem die reale Wirklichkeit mit der Traumwelt verschmilzt. Sie sei jetzt viel malerischer geworden, sagt sie. Sie wählt pralle Farben, die noch intensiver als in der Natur auf die Leinwand gelangen. Ihre Arbeiten sind gefragt. 2014 realisiere Sylvia Vandermeer zwei Ausstellungen in Paris und widmete sich einem Projekt mit Manfred Entrich: „Wandlung – Im Fluss des Lebens“. Die Werke wurden 2016 und 2017 unter anderem in Chartres, Venedig und in Barcelona präsentiert. Nun wurde zur Florence Biennale eingeladen, im Oktober nächsten Jahres mit ihren Werken teilzunehmen. Ein weiteres Projekt startet jetzt, das in zwei Jahren in der Kulturkirche St. Jakobi zu sehen sein wird: „Das Hohelied des Salomo“, wo es es um Liebe und Sinnlichkeit geht. "Es werden großformatige Aktbilder sein, von Frauen, Männern und Paaren“, kündigt Sylvia Vandermeer an. Dafür sei sie von diesem hinreißenden Sommer auf Rügen inspiriert worden.

Auf Rügen glücklich

„Ich bin lange den bürgerlichen Weg gegangen, bis ich mich getraut habe, auf die Kunst zu setzten. Ich habe keinen Tag bereut, auch nicht, nach Rügen zu gehen. Wir sind sehr glücklich hier“, sagt Sylvia Vandermeer. Gerade auch in solchen Momenten, in denen sie erfährt, dass ihre Teppiche, die auch schon in der Kulturmensa der Unimedizin Greifswald hingen, Patienten der Krebsstation Hoffnung und Kraft gegeben haben. Das Gefühl: Da draußen wartet die Welt auf mich.

Gerit Herold

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