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So ein Kunstzirkus am Circus

Putbus/Lauterbach So ein Kunstzirkus am Circus

Putbus ist in diesem Sommer die Kunsthauptstadt der Insel Rügen. Dort ist am Wochenende „Circus Circus“ eröffnet worden. Eine Vielzahl unterschiedlicher Werke in allen künstlerischen Medien lädt zu einem Ausflug ein, bei dem man nebenbei auch noch Orte entdecken kann, die sonst geschlossen bleiben.

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Die beiden bekanntesten deutschen lebendigen Kunstfiguren Eva (r.) und Adele (l.) aus Berlin gaben sich zur Vernissage „Circus Circus“ in Putbus ein Stelldichein und versprühten mit ihrer Präsenz internationales Kunstszenen-Flair auf Rügen.

Quelle: Fotos: Christian Rödel (3), Chris Herold

Putbus/Lauterbach. Auffallend viele glänzende Oldtimer und noble Autokarossen mit Berliner und Wiener Kennzeichen parkten am Samstagnachmittag auf dem Parkplatz vor dem Kronprinzen-Palais am Circus 1 in Putbus. Offensichtlich gut betuchte Kunstsammler und Mäzene rollten in der weißen Stadt Rügens ein, wo die Galeristin Susanne Burmester die bemerkenswerte Ausstellung „Circus Circus 2017“ mit einer an Überraschungen nicht armen Vernissage eröffnete. Bemerkenswert insofern, als sie knapp 90 international renommierte Künstler an drei Ausstellungsorten vereinte und eine schillernde Palette zeitgenössischer Kunst präsentierte.

OZ-Bild

Putbus ist in diesem Sommer die Kunsthauptstadt der Insel Rügen. Dort ist am Wochenende „Circus Circus“ eröffnet worden. Eine Vielzahl unterschiedlicher Werke in allen künstlerischen Medien lädt zu einem Ausflug ein, bei dem man nebenbei auch noch Orte entdecken kann, die sonst geschlossen bleiben.

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Den Auftakt bildete die in der Alten Schmiede auf dem Areal der Lauterbacher Spezialbau-Firma FLZ erstmals öffentlich präsentierte Installation „Marseus“ des Künstlers Holger Stark. Die Installation aus zumeist metallischen Fundstücken vom FLZ-Betriebsgelände versteht der 57-jährige Diplom-Maler- und Grafiker als augenzwinkernden Verweis auf den Amsterdamer Maler Otto Marseus van Schrieck (1619 – 1678), der als Hauptvertreter des von ihm entwickelten Waldbodenstilllebens gilt. Die in Nahansicht wiedergegebenen Pflanzen auf dem Waldboden und die dort lebenden Tiere sind die thematischen Motive von Marseus van Schrieck gewesen.

Holger Stark schafft eine entgrenzte künstlerische Alternative zu den kunsthistorischen Vorgaben. Grünlich bis rot eingefärbte, geschickt komponierte metallische Produktionsreste widerspiegeln eine Waldbodenlandschaft, die, im Gegenlicht betrachtet, irgendwie Pfützen ähnlichen Gebilden optisch sehr nahe kommen.

Es ist dem Lauterbacher Familienunternehmen Hurtienne zu verdanken, die nicht zum ersten Mal ein solches temporäres Kunstprojekt-Experiment ermöglicht. „Ich hoffe, dass sich viele Besucher auf unser Betriebsgelände wagen, um diese Ausstellung in der Alten Schmiede in Augenschein zu nehmen“, so Martin Hurtienne. Dessen Unternehmen produziert anspruchsvolle Glas- und Stahlkonstruktionen, zumeist an architektonischen Highlights der Gegenwart – so unter anderem für das Neue Museum Berlin, das vom Star-Architekten Daniel Libeskind entworfen wurde.

Nach dieser ersten Vernissage-Etappe begab sich der gesamte Tross der Kunstinteressierten wieder in die Stadt Putbus, wo im Circus 1 die nächste Werkschau eröffnet wurde. Im ehemaligen Kronprinzen-Palais waren unter anderem Video-Arbeiten von Sara Pfrommer zu betrachten.

Mitten in der Menge des Ausstellungspublikums stach das Künstlerpaar Eva & Adele optisch geradezu ins Auge. Das in der Kunstfachwelt als „Zwitterwesen der Geschlechtlichkeit“ bezeichnete Duo bewegte sich freundlich lächelnd durch die Gänge und suchte das zwanglose Gespräch mit den Gästen. Mit ihrer extravaganten Kleidung folgen sie einem radikalen Lebensentwurf: „Wir arbeiten für das Recht, dass jeder Mensch sein Geschlecht selber bestimmen kann, ohne sich operieren zu lassen.“ Der freie, kreative Umgang mit dem eigenen Körper ist für die beiden in Berlin lebenden Künstler ein hohes Gut in punkto Selbstverwirklichung. Die bei fast jedem großen internationalen Kunst-Event auf diesem Planeten eingeladenen Künstler, von denen kaum biografische Daten bekannt sind, gaben der Ausstellungseröffnung einen weltoffenen Charakter.

Den Abschluss der Vernissage bildete ein Rundgang im denkmalgeschützten Objekt am Circus 11, wo unter anderem Arbeiten von Nándor Angstenberger, Ulrike Mundt und Lorenzo Pompa zu sehen sind.

Kunsthauptstadt

Zu „CIRCUS CIRCUS“ sind in diesem Jahr Werke von mehr als 30 Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Dazu werden zwei Häuser Putbuser Circus und ein Firmengelände in Lauterbach bespielt.

Das Kunstevent wurde 2015 von Susanne Burmester initiiert, um die einstige fürstliche Residenzstadt als Ziel kunstinteressierter Besucher zu stärken und findet zum dritten Mal statt.

Die Ausstellungen an drei Standorten sind bis zum 27. August zu sehen. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr

Christian Rödel

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