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Rügen So viel Stralsund steckt im Krimi
Vorpommern Rügen So viel Stralsund steckt im Krimi
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00:01 08.04.2016

Für einen Moment treffen das echte Stralsund und das der Filmemacher aufeinander. Zwischen Kameras, vermummten Polizisten und Tontechnikern steht plötzlich ein Fischer. Ein Original vom Dänholm, vermutlich lebt er hier schon ewig. Blaue Latzhose, Prinz-Heinrich-Mütze, kritischer Blick. Inmitten all der Großstadt-Menschen mit Röhrenjeans und Hipsterbärten wirkt er wie von einem fremden Stern. „Ihr legt hier ja alles lahm“, sagt er mit nordischem Dialekt, schüttelt mit dem Kopf und schlurft wieder davon. Das echte Stralsund muss heute für einen Tag ruhen. Stattdessen betreten SEK-Kommandos, kriminelle Bandenchefs und die attraktive Ermittlerin Nina Petersen, gespielt von Katharina Wackernagel, die Bühne. Es ist Zeit für einen neuen Stralsund-Krimi!

Am Mittwoch hat eine Crew mit 40 Leuten das Gelände „Am alten Marinehafen“ in eine Filmkulisse verwandelt. Es ist die einzige Szene im neuen Teil, die wirklich in der Hansestadt spielt. Einen Tag lang wurde gedreht, wie SEK-Beamte ein Hausboot stürmen, auf dem sie einen Tatverdächtigen festnehmen. Die maskierten Polizisten pirschen sich lautlos heran, klettern an einer Leiter die Bordwand herauf und rücken mit Maschinenpistolen im Anschlag in den Innenraum vor. „Und Dankeschön!“, ruft der Regisseur. Die „Freundschaft“ ist in Wahrheit natürlich kein Hausboot, sondern ein altes Marineschiff — aber sei‘s drum.

„Vergeltung“ lautet der Arbeitstitel für den mittlerweile zehnten Film der ZDF-Krimireihe „Stralsund“, bei der in den vergangenen Jahren bis zu sieben Millionen Menschen vor dem Fernseher saßen. Der neue Teil dreht sich um den Prozess gegen Bandenchef Jan „Pawel“ Pawlowski. Während der Vorbereitungen wird eine 15-jährige Schülerin entführt.

Wie wichtig dabei kleinste Details sind, zeigt ein Gespräch zwischen Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel und Regisseur Lars-Gunnar Lotz. Weil es sehr kalt ist, möchte die Schauspielerin in einer späteren Szene etwas dickeres anziehen. Doch wie baut man das in den Film ein, ohne das eine Logiklücke entsteht? Würde sich eine echte Polizistin in einem Einsatz umziehen? Und falls ja, was würde sie tragen: Jacke oder Pullover?

Bei so vielen Feinheiten kostet ein Dreh für einen Stralsund-Krimi neben Geld vor allem zwei Dinge: Zeit und Geduld. Einen ganzen Tag ist die Crew auf dem Dänholm beschäftigt — im fertigen Film werden es drei Minuten. A. Müller

OZ

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