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Rügen Sommerkirche auf den Spuren Luthers
Vorpommern Rügen Sommerkirche auf den Spuren Luthers
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00:00 09.06.2017
Mit der Gottesfrage kehren wir zur Kernfrage des Glaubens zurück. Christian Ohm, Pfarrer und Organisator Sommerkirche
Altenkirchen

Während der Sommerkirche Nord-Rügen werden die kleinen Kirchen auf Wittow und Jasmund wieder zu Schauplätzen großer Konzerte und Lesungen. Das Programm steht im Lutherjahr 2017 ganz im Zeichen des Reformators und seiner Frage nach einem gnädigen Gott. „Mit der Gottesfrage kehren wir zur Kernfrage des Glaubens zurück“, erzählt Christian Ohm, Pfarrer und Organisator des Festivals.

Bis September gibt es im Norden Rügens ein Programm aus Musik, Lesungen und Film

„Ich denke, wir werden dieses Thema auf ganz unterschiedliche Weise aufgreifen können.“ Dabei geht es nicht nur feierlich und nachdenklich, sondern durchaus auch fröhlich zu. „Die evangelische Kirche ist eine singende Kirche. Dass die Gemeinde im Gottesdienst mitsingt, war vor der Reformation gar nicht üblich“, erklärt Pfarrer Ohm. „Vorher war das nur Sache des Klerus.“

In diesem Zusammenhang unterstreicht ein Zitat Luthers aus dem Programmheft das sehr eindrücklich. „Es fließt mir das Herz über vor Dankbarkeit gegen die Musik, die mich so oft erquickt und aus großen Nöten gerettet hat“, heißt es dort.

Insgesamt stehen rund 60 Veranstaltungen auf dem Plan der Sommerkirche, darunter nicht nur Konzerte, sondern auch Lesungen, Vorträge, Filme und Ausstellungen. Auch die Spielstätten sind vielfältig.

Neben dem Kosegartenhaus in Altenkirchen und der daneben gelegenen Kirche laden auch die Kirchen in Wiek, Bobbin und Glowe sowie die Kapelle in Dranske ein. Nur in der kleinen Kapelle in Vitt werden in diesem Sommer keine Besucher begrüßt werden können. Die wird nämlich gerade saniert. Auch die wundervolle Natur Wittows ist Kulisse: Gottesdienste werden unter anderem am Hafen Lohme und am Ufer des Boddens bei Dranske stattfinden.

Mit Veranstaltungen wie den „Lutherliedern“ von Telemann und Bach im Juli oder von „Ein neues Lied – Luthers Leben im Spiegel seiner Lieder“ wird das musikalische Schaffen des Reformators Luther gewürdigt, der selbst die Texte für mehr als 20 Kirchenlieder geschrieben hat. Bei letztgenanntem Projekt von Eberhard Harbsmeyer wird allerdings kräftig experimentiert: René Mense hat die Musik für den Luther-Abend komponiert, Dorothea Balzer wird Textpassagen vorlesen, während die Ausnahmemusikerin Christina Meißner auf dem Cello spielt.

Ein weiterer musikalischer Höhepunkt im Kirchensommer sind die Wieker Orgeltage, die am 28. Juni beginnen. Los geht es mit Werken von Bach, Satie, Kaminski und Bossert, die von dem Organisten Jan Dolezel aus Würzburg unter dem Titel „Gebet der Orgel“ vorgestellt werden. Ein besonderes Experiment stellt die Aufführung des italienischen Stummfilmes „Die Waldenser. Ein Volk der Märtyrer“ dar.

Der Film aus dem Jahr 1927 zeigt die Geschichte des Ordens der Waldenser, der im Mittelalter durch die Inquisition verfolgt wurde. Begleitet wird der Stummfilm nicht wie sonst üblich am Klavier sondern an der Wieker Orgel von Filip Presseisen. Er improvisiert an der Königin der Instrumente.

Sogar eine Uraufführung kann der Musiksommer in diesem Jahr aufweisen. In der ungewöhnlichen Kombination „Orgel, Bibel, Percussion“ sollen Bibeltexte und Musik ganz unterschiedlicher Natur zueinanderfinden. Auch Jazz und Bluesmusik darf bei der Sommerkirche nicht fehlen, sogar Kammermusik und ein Kindermusical sind im umfangreichen Programm zu finden.

Neben der Musik stellen Lesungen und Vorträge einen weiteren Schwerpunkt dar. „Hat die Reformation die europäische Entwicklung zu Menschenrechten eher befördert oder behindert?“, fragt zum Beispiel Professor Richard Schröder. Christoph Hein stellt sein neues Buch „Trutz“ vor und Volker Weiß wird bei einem Diskussionsabend über „Die Autoritäre Revolte“ über die Entwicklung der „neuen Rechten“

sprechen.

Gespannt sein kann man auch auf den Vortrag von Professor Wolf Kröttge aus Berlin. Von ihm stammt das Zitat „Wir leben in einer Welt in der die Menschen vergessen haben, dass sie Gott vergessen haben.“ Auch bei dem Gesprächsabend mit ihm geht es um das Thema „Gottvergessenheit und Atheismus – zur religiösen Sprachlosigkeit der Gesellschaft“.

Immer wird bei der Sommerkirche auch ein Blick über den religiösen Tellerrand geworfen. „Es ist spannend, wie in anderen Religionen mit den grundlegenden Fragen nach Gott umgegangen wird“, macht Christian Ohm deutlich. „Ich freue mich sehr auf den Diskussionsabend mit Milad Karimi. Er versucht eine islamische Antwort auf die Frage nach Gott im 21. Jahrhundert zu geben.“ Auch ein christlich-jüdischer Gottesdienst wird wieder zu erleben sein. Zu Gast ist Rabbi Gábor Lengyel aus Hannover.

Anne Ziebarth

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