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Rügen Sorge um Baumbestand im Nationalpark
Vorpommern Rügen Sorge um Baumbestand im Nationalpark
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00:05 07.06.2017
Die in Größenordnungen gefällten Bäume in der Stubnitz liegen zum Abtransport bereit. Quelle: Foto: Tim Allrich
Sassnitz

Unter den kritischen Blicken der Einwohner rollen regelmäßig große Transporte durch die Hafenstadt. Ihre Ladung: Riesige Baumstämme aus dem Nationalpark Jasmund.

Fällungen erregen Gemüter von Naturschützern – Umweltministerium verteidigt Maßnahme

Nationalpark Jasmund

Der Nationalpark Jasmund wurde im September 1990 im Rahmen des Nationalparkprogramms für die ostdeutschen Bundesländer ausgewiesen.

Mit 3003 Hektar ist der Nationalpark Jasmund Deutschlands kleinster Nationalpark.

Im März 2004 wurde das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl eröffnet.

Seit dem 25. Juni 2011 gehört ein Teil des Buchenwalds des Parks zum UNESCO-Welterbe.

„Früher schallte zurück, was man in den Wald hinein rief – heute verliert sich dieser Ruf an einzelnen, vergessenen Bäumen. Vergessen wurde auch, dass man einst darum kämpfte, solch ein bedeutendes Refugium zum Nationalpark zu machen“, zeigt sich der auf Rügen lebende Naturfotograf Klaus Ender über derzeit erfolgende Abholzungen der Buchen und Nadelbäume voller Sorge. „Seit Juni 2011 als Weltnaturerbe anerkannt, verliert die Natur im kleinsten Nationalpark Deutschlands ihre Unverwechselbarkeit“, befürchtet der 78-Jährige.

Anfang April wurden im Auftrag des Nationalparkamtes Vorpommern 300 Bäume an der Stadtkante gefällt. Die stattlichen Bäume mit einem Alter zwischen 160 und 180 Jahren waren nach Angaben der Verwaltung geschädigt. In einem Streifen von einem halben Kilometer sind im Abstand von 30 Metern zu Häusern und Grundstücken am Sassnitzer Wedding die Buchen gefällt worden. Die Nationalparkverwaltung sei verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass keine Gefahren für Personen und Sachwerte außerhalb des Nationalparks ausgehen, heißt es dazu vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt. Nicht mehr standsichere und bruchgefährdete Bäume wurden seinerzeit entnommen.

Im Nationalpark ist es grundsätzlich verboten, Pflanzen und auch Bäume zu entnehmen. Ziel ist die Herstellung eines von menschlichen Eingriffen weitgehend ungestörten Ablaufs der Naturprozesse auf großer Fläche. „Die Nationalparkverordnung gebietet jedoch, Nadelholzforste in naturnähere Bestände umzubauen. Aus diesem Grunde erfolgen noch bis zum Ende dieses Jahres Eingriffe in Nadelholzbestände im Nationalpark“, schreibt dazu das Backhaus-Ministerum dem Naturfotografen.

„Die Abholzung im Park und ringsum hat so verheerende Ausmaße erreicht, die nur noch als Verbrechen an der Natur und an der Menschheit gewertet werden können. Selbst in der Brutzeit der Tiere wird gerodet“, wirft Klaus Ender der Nationalparkverwaltung mangelndes Verständnis für die Natur vor. Er kann nicht nachvollziehen, was sich seit zwei Monaten im kleinsten Nationalpark Deutschlands abspielt.

Auch für Marlies Preller vom Nabu-Kreisverband Rügen ist der „Waldumbau“ nur schwer nachzuvollziehen. „Was über Jahre hinweg versäumt wurde, wird nun im großen Maße betrieben“, so Preller. Man habe in den letzten Jahren nicht daran gedacht, die kranken Bäume einzeln herauszunehmen. Sie mahnt die zuständigen Behörden, zukünftig verstärkt auf die Bebauung am Rande des Nationalparks zu achten und fordert keine weiteren Bauten zu genehmigen.

Diese Verkehrssicherungsmaßnahmen im größeren Ausmaß seien notwendig geworden, „weil über Jahre aus Kostengründen und aus Gründen der Rücksichtnahme auf die Nationalparkzielsetzung der ungestörten Naturentwicklung nur wenige potenziell gefährliche Bäume entnommen wurden“, heißt es in einem Schreiben des Schweriner Umweltministeriums. Über die Jahre seien die Bäume älter geworden, würden deutliche Absterbeerscheinungen zeigen und drohten auf Gebäude zu stürzen. „Um Schadensersatzansprüche gegen das Land abzuwenden, musste gehandelt werden“, heißt es aus der Landeshauptstadt. Das Nationalparkamt habe eine Planung vorgelegt, nach der vor allem in diesem und im geringeren Umfang auch noch in den kommenden zwei Jahren alle Gefahrenbereiche von potenziell gefährlichen Bäumen befreit und sogenannte Verkehrssicherungskorridore mit einem verjüngten, stabilen Baumbestand entstehen sollen.

„Nach Abschluss dieser Maßnahme wird es mit Ausnahme einzelner Baumentnahmen im Rahmen der Verkehrssicherung sowie zur Pflege der Orchideenbestände in den Pflegezonen des Nationalparks keine Eingriffe mehr in den Baumbestand geben“, verspricht das Ministerium.

Christian Niemann

Stralsund. 16127 Kita-Plätze gibt es in Vorpommern-Rügen in Krippe, Kindergarten und Hort. Sie sind zu 89 Prozent ausgelastet. Mit anderen Worten: Es müssten mehr als 1700 Plätze frei sein.

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