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Er rudert schon sein Leben lang

Zittvitz Er rudert schon sein Leben lang

Seit 51 Jahren ist der Ruderstandort Zittvitz Wolfgang Kalks zweites Zuhause

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Die Ruderer im Vierer mit Steuermann sind startklar zur Tour auf dem Kleinen Jasmunder Bodden. Fotos (4): Susanna Gilbert

Zittvitz. „Kannst ja mal gucken gehen“, sagte sich der 15-jährige Wolfgang Kalk, als er von der Arbeitsgemeinschaft Rudern seiner Schule erfuhr. Ob er 1965 bei seinem ersten Besuch des Ruderstandortes Zittvitz von Klassenkameraden begleitet wurde, weiß der heute 67-Jährige nicht mehr. Die ersten Eindrücke von dem Bootshaus, den Holzbooten und seinen ersten Versuchen auf dem Wasser aber sind ihm unvergesslich geblieben.

 

OZ-Bild

In der Zittvitzer Bootshalle ist der leidenschaftliche Ruderer Wolfgang Kalk fast jeden Tag anzutreffen.

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Seither hat der Bergener zehntausende Stunden im Boot auf dem Kleinen Jasmunder Bodden zugebracht, hat unzählige Male die Skulls durch das Wasser gezogen und viele Nachwuchsruderer trainiert. Rudern ist zwar nicht sein Leben, aber ein wichtiger Teil von ihm. Sich selbst zu fordern, das fasziniert ihn auch heute noch am Rudersport. „Beim Rudern wird der ganze Körper trainiert – vom großen Zeh bis zu den Haarwurzeln.“

Die Geschichte des Rudervereins in Zittvitz ist bald 100 Jahre alt: 1919 gründeten Schüler der Bergener Ernst-Moritz-Arndt-Schule den Standort am Ufer des Boddens. Die Stadt stellte das Grundstück zur Verfügung, auf dem für 6150,48 Mark ein Bootshaus errichtet wurde. Die stetig wachsende Flotte ging allerdings im Zweiten Weltkrieg verloren. Dem Enthusiasmus von Lehrern und Schülern sowie der Entdeckung eines Doppelzweiers im Schilf bei Zirsevitz war es zu verdanken, dass der Rudersport wieder belebt wurde.

Dank Spenden konnten neue Boote angeschafft werden. Und Rudern wurde immer beliebter. „Wir waren 40 bis 60 Schüler“, erinnert sich Wolfgang Kalk. Unter der Ägide des Vereinsvorsitzenden Fritz Zielke lernten sie, sich in die Riemen zu legen und die Skulls im Takt durch das Wasser zu ziehen.

Die Stadt Bergen unterstützte die Ruderbegeisterten, Sektionen in Stralsund, Anklam, Greifswald und Rostock stifteten gebrauchte Boote. Mitte der siebziger Jahre wurde die Bootshalle um einen Bau mit Sanitäranlagen, Umkleideräumen, Küche und Gemeinschaftsraum erweitert. Nach der Wende der Einbruch. Es fehlte Geld, Mitglieder zogen sich zurück. Nur dank des Engagements einer Handvoll Ruderer ging’s weiter.

Vor genau zehn Jahren wurde der Standort von der Sana-Sportgemeinschaft Rügen mit ihrem damaligen Vorsitzenden Olaf Stoll übernommen. Bootshaus und Bootsbestand wurden saniert, alte Ruderer kamen zurück, neue hinzu. Heute hat der Verein 20 Mitglieder von 14 bis 72 Jahren. Denn „das Alter spielt beim Rudern keine Rolle“.

Dies alles hat Kalk als Zeitzeuge erlebt. Seine Eltern hatten nichts dagegen, dass ihr heranwachsender Filius jeden Samstag und Sonntag nach Zittvitz verschwand. Auch seine fünf Geschwister hatten sich den Ruderbetrieb angeschaut. „Von denen ist aber keiner dabei geblieben.“

Kalk ruderte als Schüler, während der Ausbildung zum Elektromaschinenbauer und durch sein ganzes Berufsleben hindurch. Seine vor wenigen Jahren gestorbene Frau und seine Töchter Antje und Yvonne kannten es nicht anders und akzeptierten es. „Sie wussten ja, wo sie mich finden.“

In Zittvitz werden keine Regatten gefahren, sondern Wanderfahrten gestartet. „Hier wird kein Leistungssport betrieben“, sagt Kalk. Wer dennoch seine Kräfte messen will, kann am großen oder kleinen Fahrtenwettbewerb teilnehmen. Dafür muss er im Jahr 1000 oder 200 Kilometer auf dem Wasser zurück legen.

In den Zittvitzer Hallen liegen fast ausschließlich alte Wanderboote. Nach der Saison, Ende Oktober, wird deren Holz geschliffen und neu gestrichen, damit sie am ersten April-Sonntag zum Anrudern startklar sind. Wanderboote erlauben bei ihrer Breite von 60 Zentimetern einen bequemeren Einstieg als die „hinternbreiten“ Rennboote, sagt Kalk.

Bei den Zittvitzer Ruderern, steht nicht der Wettbewerb, sondern das Naturerlebnis im Vordergrund. „Auf dem Wasser ist es totenstill“, sagt Wolfgang Kalk versonnen. Manchmal hat er auch Angst, „vor allem um andere, wenn die nicht machen, was sie machen sollen“.

Ruderunglück

An einem Frühlingstag 1959 waren Ruderboote zur Wanderfahrt auf dem Kleinen Jasmunder Bodden unterwegs. Bevor sie die Rückfahrt von Lietzow nach Zittvitz antraten, hatten sie die Weisung am Schilfufer entlang zu rudern. Fünf Ruderer hielten sich nicht daran. Sie durchkreuzten den Bodden. Offenbar hatten sie den Wellengang unterschätzt. Ihr Boot schlug voll. Einer schaffte es, das rettende Ufer schwimmend zu erreichen. Die anderen ertranken im kalten Wasser.

Susanna Gilbert

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