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Hein-Erik hat ein großes Ziel vor Augen

Sassnitz Hein-Erik hat ein großes Ziel vor Augen

30-Jähriger nahm bereits die Hälfte seines Körpergewichts ab – auch durch Sport

Sassnitz. Hein-Erik Larsen treibt Sport – viel Sport. Das war nicht immer so. „Wenn ich mir alte Fotos anschaue, dann kann ich es gar nicht glauben, dass ich mal so dick war“, sagt der gelernte Koch heute. Mit acht Jahren hat der gebürtige Däne bereits 125 Kg gewogen. „Das ist annäherd das Gewicht, was ich derzeit habe“, resümiert der 30-Jährige. Mit 17 Jahren brachte er bereits das Doppelte auf die Waage. 250 bis 260 kg hat der junge Mann damals gewogen. „Man wusste nie so wirklich, woher das kommt. Es lag sicherlich auch an der Ernährung. Erst im Jahr 2003 wurde bei mir ein Gendefekt diagnostiziert“, erinnert sich Hein- Erik.

 

OZ-Bild

Unzählige Male ist Hein-Erik Larsen die Stufen der Fußgängerbrücke hoch gelaufen.

Quelle: Foto: Christian Niemann

In einer 14-wöchigen Kur in der Nähe von Parchim hat er dann das erste Mal abgenommen. 64 Kilo waren runter. „Man hat vor allem viel gelernt in der Einrichtung. Vor allem, wie man sich gesünder ernährt“, berichtet der Wahl-Sassnitzer aus den Erfahrungen vor 13 Jahren. Danach habe er sehr viel Sport getrieben und Fußball gespielt. „Ein halbes Jahr habe ich durchgehalten und danach bin ich dem alten Trott wieder verfallen“, erinnert sich Hein-Erik Larsen, der damals in Putbus lebte.

Ein Lichtblick gab es für den jungen Mann. Er hat 2005 eine überbetrieblich Lehre als Koch begonnen. „Schon damals hat sich der berühmte Jojo-Effekt bei mir eingestellt. Von unter 200 Kilogramm war ich mit 22 Jahren wieder bei 520 Pfund“, schaut „Heiner“, wie ihn seine Freunde nennen, zurück. Neuen Mut, das Gewicht zu reduzieren, fasste der damals 23-Jährige durch die Aufnahme seiner Tätigkeit „im jaich“.

„Ich bin jeden Tag von meiner Wohnung in der Nähe des Putbuser Marktes zum Lauterbacher Hafen gelaufen“, sagt Larsen. Umwege hat er in Kauf genommen. „Ich habe mir immer den längsten Weg ausgesucht, um zur Arbeit zu kommen“, berichtet der gelernte Koch. In dieser Zeit hat er 100 Kilo abgenommen. Zwei Jahre habe er das durchgezogen. Bis sich 2011 vor ihm wieder ein tiefes Loch auftat. „Die Fahrten zur neuen Arbeit nach Baabe waren ganz schön kräftezehrend. „Als ich dann krank wurde, hat mich mein Arbeitgeber gekündigt“, erinnert sich Hein-Erik Larsen, der damals wieder nach Sassnitz gezogen war. Er wollte immer in der Nähe seiner Eltern sein, die in der Hafenstadt zu Hause sind. Arbeiten gehen wollte der damals 25-Jährige auch. Nur wo, war die Frage.

Nach eigenen Angaben habe er über 500 Bewerbungen innerhalb eines Vierteljahres geschrieben. „Über die Inselgrenzen hinweg habe ich nach Beschäftigung gesucht“, erinnert sich Larsen, der von wenigen Unternehmen eine Rückmeldung erhalten hatte. Das sollten nicht die letzten Tiefschläge im Leben des noch jungen Rüganers gewesen sein.

„Gut 200 Kilo hatte ich auf den Rippen, als 2012 der Amtsarzt die Entscheidung getroffen hat, dass ich nicht mehr als Koch arbeiten durfte“, erzählt Larsen. Der Weg des damals 28-Jährigen sollte sich nicht zum Positiven entwickeln. „Ich durfte in dem Job, der mir soviel Spaß gemacht hat, nicht mehr arbeiten. Auch mein Privatleben entwickelte sich Zusehens zum Negativen. Ich war am Ende“, blickt Larsen zurück.

Im März 2013 hat es dann „klick“ gemacht. „Ich bin zu meinem Hausarzt gegangen und habe ihm gesagt, dass ich abnehmen möchte“, berichtet Larsen. Ein Diätplan sollte ihn dabei unterstützen. Das reichte ihm nicht. Er hat sich jetzt einiges mehr vorgenommen: Wenn ich es schaffe, dann jetzt!, lautete seine Devise. Besondere Unterstützung in diesem Vorhaben bekam er von dem Projekt des CJD Garz „Berufliche Zukunft auch mit Übergewicht“. Teamleiterin Christina Buhr zeigt sich rückblickend überrascht und stolz zugleich, was mit ihrem Schützling in der Zeit in der Fachklinik geschehen ist.

„Die Kilos wurden zusehens weniger und die Leute in der Gruppe haben mich akzeptiert“, sagt Hein- Erik. Im Gespräch mit der Psychologin ist ihm bewusst geworden, dass er eigentlich ein ganz anderer Mensch sei, als der, für den er sich ausgegeben hatte. Früher habe er seine Gefühle schlecht zugelassen. „Ich war immer ein kleiner Rebell“, beschreibt sich Larsen heute. Er habe immer das gemacht, was ihm Spaß gemacht hat. Das aber auf eine andere Art und Weise wie jetzt.

Nach diesem Richtungswechsel ging es nun aufwärts. Jetzt lässt er alle seine Gefühle raus. Neue Pläne werden geschmiedet. Sport wird zu seinem Lebenselixier. „Von Anfang an habe ich mein selbst entwickeltes Trainingsprogramm durchgezogen“, erinnert sich der damals 29-Jährige. Am ersten Tag bin ich sechs Kilometer gelaufen, am zweiten schon acht und am dritten waren es zehn Kilometer. Immer länger wurden die Strecken durch Sassnitz. Die Hängebrücke wurde eine Trainingsetappe auf seinem Rundkurs durch die Hafenstadt. Treppe rauf, Brücke runter und das fünf Mal hintereinander. „Ich bin kontinuierlich laufen gegangen, teilweise mit Gewichten“, erzählt Hein-Erik Larsen. Auf eine Waage stieg er damals kaum. Er konnte aber mit jedem Tag fühlen, wie er die Pfunde verlor.

Seinem Ziel kam er immer näher. Bald traute er sich auch an sportliche Wettbewerbe ran. Im Vorjahr hat er am Ernst-Moritz- Arndt-Lauf in Garz teilgenommen. „Ich habe es mir zugetraut und auch geschafft“, sagte der Rüganer nach den 10 Kilometern stolz. Ebenfalls 2016 lief er beim Rügenbrückenmarathon mit und bewies es sich und allen Kritikern.

In diesem Jahr wird der 30-Jährige erneut bei dem einen oder anderen Lauf dabei sein. Zwei wichtige Schritte hat Hein-Erik noch vor sich. Im kommenden Jahr will sich der Rüganer unters Messer legen.

In einer Operation soll die überschüssige Haut entfernt werden. Bis jetzt sind 126 kg weg. Wenn der BMI (Body-Maß-Index) unter 30 liegt – also sein Gewicht bei 106,5 kg liegt – und er dieses über ein Zeitraum von sechs Monaten halten kann, dann wird damit begonnen, die überschüssige Haut zu entfernen. Aktuell liegt sein Gewicht bei 138 kg.

Sein zweites Vorhaben ist, Europa mit dem Fahrrad zu bereisen. „Das sind 5000 Kilometer“, sagt Larsen. Über den Jahreswechsel 2016/17 begab er sich auf Sponsorensuche. „Ich hatte Red Bull angeschrieben. Drei Tage später erhielt ich eine Antwort. Es war zwar eine Absage, aber mit den Worten ,Bemerkenswerte Leistung'“, berichtet der Ausnahmesportler. Versprechen kann der 30-Jährige jetzt schon: „Ich bin spätestens Ende des Jahres ein völlig neuer Mensch. Bitte löscht die Bilder aus euren Köpfen, wie ich mal aussah. Der kommt nie wieder.“

Gendefekt

Seltener Gendefekt führt zu starkem Übergewicht: Schweizer Forscher haben diesen genetischen Defekt entdeckt, der das Risiko für starkes Übergewicht vervielfacht. Die Mutation ist aber sehr selten: Betroffen sind 0,7 Prozent der krankhaft fettleibigen Menschen. Der Defekt liegt auf dem Chromosom 16 des menschlichen Erbguts.

Betroffenen Personen fehlen ungefähr 30 verschiedene Gene. Die genaue Funktion dieser Gene ist noch unbekannt, doch ihr Fehlen hat fatale Auswirkungen. In einer Studie mit 33 Betroffenen fiel auf, dass alle Träger des Defekts stark fettleibig waren.

Christian Niemann

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