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Schneider: Ich habe gemerkt, wie gut mir der Sport tut

Binz Schneider: Ich habe gemerkt, wie gut mir der Sport tut

Der Binzer Bürgermeister hat das Kugelstoßen für sich wiederentdeckt und knüpft an einstige Erfolge an / Silber bei der Senioren-WM ist der bisherige Höhepunkt

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Das Siegertrio von Lyon mit Binzer Gemeindefahne: Vizeweltmeister Karsten Schneider (r.) mit dem polnischen Titelträger Marek Stolarczyk (l.) und dem dänischen WM-Dritten Michael Jepsen.

Quelle: privat

Binz. Dieser Bürgermeister schiebt nicht mal im Urlaub eine ruhige Kugel. Im Gegenteil: Karsten Schneider stößt sie. Weit. Sehr weit. So weit, dass der Bürgermeister von Binz bei der Senioren-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr im französischen Lyon Silber In der Altersklasse M 50 gewann (die OZ berichtete). Es war der bisher größte Erfolg in der Sportlerkarriere des Karsten Schneider, die in den 70er Jahren in der Prignitz begann.

Letztlich bin ich fitter geworden, was mir auch als Bürgermeister zu Gute kommt.“

Karsten Schneider, Vizeweltmeister

„Als Junge habe ich Feldhandball gespielt, bevor ich 1977 zur Leichtathletik kam“, erinnert sich der 52-Jährige, der in Wittenberge geboren wurde und in Perleberg aufwuchs. Der Weg zu den Wurf- und Stoßdisziplinen war für den kräftigen Teenager schnell vorgezeichnet. Mit dem 2014 verstorbenen Hans Thinius hatte Schneider bei Dynamo Perleberg überdies einen Trainer, „der mich geprägt hat“. Und als der junge Athlet gleich im ersten Jahr Kreismeister im Diskuswerfen wurde, hatte er seine sportliche Passion gefunden.

„Später habe ich im Nachwuchsbereich fast immer Gold gewonnen — mit der Kugel, dem Speer und dem Diskus“, erzählt der Mann, der heute mit 1,93 Meter und 120 Kilogramm noch immer über Gardemaße für seinen Sport verfügt. In der Altersklasse 16/17 gewann Schneider bei den „kleinen“ DDR-Meisterschaften — das waren Titelkämpfe ohne die Athleten der Sportklubs — Gold mit der Kugel. Die Delegierung zum SC Dynamo Berlin war im Gespräch, scheiterte jedoch aus medizinischen Gründen.

In seiner Armeezeit sorgte Karsten Schneider im militärischen Dreikampf für Furore, bevor ihn das Studium an der damaligen Pädagogischen Hochschule Güstrow 1984 nach Mecklenburg verschlug. Bei den DDR-Studentenmeisterschaften 1986 fügte er seiner Medaillensammlung mit Silber und Bronze weitere Glanzstücke hinzu. Dem Sport blieb er auch danach verbunden. Doch als er 1990 begann, Volleyball zu spielen, hatte er seine Leichtathletik-Laufbahn eigentlich abgehakt. Aber auf der Insel Rügen gibt es ja noch den umtriebigen Rolf Erler. „Er hat mich überlistet, als er 2013 das erste Kugelstoßen am Binzer Strand organisierte“, schmunzelt Karsten Schneider.

So steht der kräftige Bürgermeister plötzlich mit Stars wie Christina Schwanitz und David Storl im improvisierten Ring. „Als ich da die 7,26-Kilogramm-Kugel aus dem Nichts 13,50 Meter weit gestoßen habe, war der Ehrgeiz plötzlich wieder da“, gesteht Schneider. Zwei Jahre später belegt er bei der Hallen-EM der Senioren im polnischen Thorn (Torun) Rang fünf, im August 2015 wird er in Lyon mit 14,32 Meter Vizeweltmeister hinter dem Polen Marek Stolarczyk (15,09) und vor dem Dänen Michael Jepsen (13,93).

„Danach habe ich beschlossen weiterzumachen“, sagt Schneider. Das ist für den Bürgermeister einer kleinen Kommune, der im Verständnis der Bürger ständig erreichbar sein muss, nicht so einfach. „Ich muss mich zur Freizeit zwingen“, weiß das Gemeindeoberhaupt. Ohne Training wird halt auch ein Mann mit Schneiders Statur nicht Vizeweltmeister. Und: „Ich habe gemerkt, wie gut mir der Sport tut. Es ist schön, einmal nicht als Bürgermeister im Mittelpunkt zu stehen und andere Leute kennenzulernen“, hat er bei seinem Comeback festgestellt. „Letztlich bin ich agiler und fitter geworden, was mir auch als Bürgermeister zu Gute kommt.“

Auch wenn Karsten Schneider findet, dass der Seniorensport in Deutschland „stiefmütterlich“ behandelt wird, will er im Kugelstoßring „weiter angreifen“, vielleicht noch einmal seine Lebensbestleistung von 14,74 Meter überbieten. Seine Frau Silke bringt das nötige Verständnis auf, auch wenn im Urlaub mal die eine oder andere Trainingseinheit ansteht. Sohn Toni (23) wandelt ohnehin längst in den sportlichen Fußstapfen seines Vaters — er studiert in Rostock Sport und spielt Beachvolleyball.

 



Burkhard Ehlers

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