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Rügen Stabenweg: Hoffnung und Alptraum
Vorpommern Rügen Stabenweg: Hoffnung und Alptraum
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18:34 10.02.2018
Am Stabenweg im Außenbereich von Göhren soll ein neues Wohngebiet entstehen. Quelle: Herold Gerit
Göhren

Göhren braucht Wohnraum und Grundstücke für Eigenheime. Damit sollen junge Familien im Ort gehalten oder angelockt werden. Vor allem aber sollen bisher pendelnde Arbeitskräfte und zukünftige Mitarbeiter der beiden geplanten Kliniken am Südstrand versorgt werden. Laut des im letzten Jahr erarbeiteten „Wohnungsbauentwicklungskonzeptes“ für Göhren bis 2030 wäre das geplante Wohngebiet am Stabenweg der schnellste Schritt, um den Bedarf zu decken. Denn: Laut Gutachten werden rund 120 Wohneinheiten (WE) in den nächsten Jahren benötigt. Befragt wurden auch die 15 größten Arbeitgeber im Ort.

„Ob dies durch das neue Wohngebiet erfüllt werden kann, weiß ich nicht“, sagt Bürgermeister Wolfgang Pester. Erfüllt sei zumindest die Auflage der Raumordnungsbehörde. Die hatte den im Jahre 2014 auf den Weg gebrachten und umstrittenen Bebauungsplan Nr. 23 „Wohngebiet Stabenweg“ gestoppt und einen Nachweis gefordert, welchen Bedarf an Wohnraum es in Göhren gibt. Nach einem Gutachten über „Wohnungsbaupotentiale in Göhren“ von Stadtplaner Dr. Frank-Bertolt Raith im Auftrag der Gemeinde wurde das „Wohnungsbauentwicklungskonzept“ vom Energieministerium des Landes beauftragt und mit 24000 Euro finanziert. Dies wurde in die Vorentwürfe des B-Planes für den Stabenweg im Außenbereich des Ortes und somit auch der 4. Änderung des Flächennutzungsplanes eingearbeitet. Beide Pläne liegen zum zweiten Mal und noch bis zum 22. Februar im Amt Mönchgut-Granitz aus.

„In der ersten Auslegung hat es über 30 Einwände gegeben“, weiß der Bürgermeister. Die Raumordnungsbehörde habe zwar ein „positives Zeichen“ gegeben, aber bisher liege keine Zusage vor.

Gegen das Vorhaben läuft die Bürgerinitiative Lebenswertes Göhren (BILG) seit Jahren Sturm. Dass Wohnraumentwicklungskonzept sei nun ein „Gefälligkeitsgutachten“, um den B-Plan für den Stabenweg durchzupeitschen. Die BILG befürchtet, dass auf dem jetzigen Ackerland die Tür für künftige Bebauung in noch größerem Rahmen geöffnet werde. Sie pocht deshalb darauf, erst vorhandene B-Pläne umzusetzen. „Damit kann der Bedarf gedeckt werden, ohne dass der Außenbereich zerstört werden muss“, so Sprecher Bernd Elgeti.

Am Stabenweg will die Akzent Waldhotel Göhren GmbH Parzellen für Eigenheime und Mehrfamilienhäuser (70 WE) schaffen. Investor Wilfried Horst hatte betont, dass Grundstücke für Ärzte und Fachpersonal eine vertraglich vereinbarte Voraussetzung mit dem Betreiber der geplanten Klinik am Südstrand seien. Die Einrichtung baut und verpachtet das Waldhotel.  Ein anderer Investor will eine Augenklinik dort ansiedeln.

Am Stabenweg wird der Quadratmeter 110 bis 150 Euro plus 40 Euro Erschließung kosten. Es soll Rabatte für Familien geben, die Gemeinde werde bei der Vergabe des Wohnraums mitentscheiden. So sei es in dem 30 Seiten umfassenden städtebaulichen Vertrag festgezurrt worden, der schon lange unterschrieben sei, so Pester. „Man wird nun sehen, ob zu dieser Unterschrift auch gestanden wird“.

Mit dem Argument, erst die vorhandenen B-Pläne zu entwickeln, bevor ein neues Wohngebiet aufgemacht wird, hatte der Gemeinderat im Jahre 2012 dem Vorhaben am Stabenweg zuerst eine Absage erteilt. In der „Siedlung am Höft“ (B-Plan 16) sind seit Jahren Villen, Einfamilienhäuser und Wohnungen (rund 80 WE) geplant. So richtig kann es aber erst losgehen, wenn mit dem Ausbau der Höftstraße, über die die Erschließung laufen wird und für die die Gemeinde verantwortlich zeichne, begonnen wird. Der Straßenbau rückt in diesem Jahr auf den Plan. Aufgrund der aktuellen Wohnungsnachfrage hatten die Investoren im letzten Jahr angekündigt, neben dem Verkauf von Häusern auch selbst 21 bis 30 Wohnungen zu errichten und zu vermieten (OZ berichtete). Weiterhin entsteht auf dem Areal der ehemaligen Schweinemastanlage an der alten Försterei derzeit ein Neubaugebiet für Ein- beziehungsweise Zweifamilienhäuser und Geschosswohnungbau sowie Gewerbeeinheiten (B-Plan 27). Bauherr ist auch hier die Akzent Waldhotel Göhren GmbH, die hier unter anderem auch selbst bauen und vermieten beziehungsweise verkaufen will. Außerdem wird es laut Konzept in Göhren in den nächsten Jahren Umnutzungen von Ferienunterkünften in Wohnraum geben, zum Beispiel bei einer Betriebsaufgabe allein 24 WE. „Ab 2020 auch im ehemaligen Hotel Deutsches Haus mit rund 10 und in der Pension Kastanienhof mit 12 Wohneinheiten“, weiß Elgeti, der letztere mit seiner Frau betreibt und schon die erste Mietwohnung eingerichtet habe. Auch plane das Hotel Hanseatic den Bau von 40 Mitarbeiterwohnungen.

Die Entscheidung zum Stabenweg soll auf der Gemeinderatsitzung im März fallen.

Herold Gerit

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