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Rügen Stadt will früheres Pionierhaus am Knieperdamm abreißen
Vorpommern Rügen Stadt will früheres Pionierhaus am Knieperdamm abreißen
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02:22 22.03.2016
Auf der weitläufigen Anlage am Knieperdamm nahe der Brunnenaue steht auch der älteste Baum Stralsunds — eine 300-jährige Eibe. Quelle: Fotos: Stefan Sauer

Ein an der Brunnenaue vor sich hinschlummerndes Kleinod soll jetzt der Abrissbirne geopfert werden. Wie die Stadtverwaltung bestätigte, wird das ehemalige und denkmalgeschützte Pionierhaus in Stralsund demnächst abgerissen. Dies geht aus einer Antwort der Stadt auf eine entsprechende Anfrage der Grünen-Bürgerschaftsfraktion hervor, die der OZ vorliegt.

CDU-Politiker Hendrik Lastovka plant dort nach OZ-Informationen einen Neubau mit Fitnesscenter / Auf dem Park-Grundstück steht bislang auch der älteste Baum Stralsunds

Demnach sei in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege keine andere Lösung gefunden worden.

Auch Gutachter hätten untersucht, „inwieweit zumindest Teile“ des Hauses erhalten werden könnten. „Aufgrund des jahrzehntelangen Instandsetzungsstaus würde jedoch die Sanierung einem weitgehenden Neubau gleichkommen“, schreibt Ekkehard Wohlgemuth von der Abteilung Denkmalpflege im Bauamt in den vorliegenden Unterlagen.

Aus diesen Gründen sei einem Investor bereits Ende vergangenen Jahres grünes Licht für einen Neubau gegeben worden. Dabei soll es sich nach OZ-Informationen um Hendrik Lastovka handeln, Sohn des früheren Oberbürgermeisters Harald Lastovka. Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete soll auf dem Gelände den Bau eines Gebäudes mit Räumen für ein Fitnesscenter und ein Sanitätsgeschäft planen.

Das Pionierhaus befindet sich inzwischen in einem schlechten Zustand, trägt aber einige im Stadtgebiet historisch einmalige Holzverzierungen, die an die typische Bäderarchitektur auf den Inseln Rügen und Usedom erinnern. Der nach Jahren verwilderte, aber sehr großzügige Park direkt am Knieperdamm ist nach wie vor erhalten geblieben. Er galt Mitte des 19. Jahrhunderts als der erste richtige Bürgergarten in Stralsund.

Das Grundstück war damals Eigentum der Bürger-Ressource, einem Gesellschaftsverein, dem Kaufleute und Handwerker angehörten. Die Mitglieder legten den Park an und errichteten darauf Veranden, Musikpavillons und Lesezimmer. Zentraler Punkt ist der nachweislich älteste Baum Stralsunds, der an dieser Stelle steht — eine rund 300 Jahre alte Eibe. Sie ist umgeben von mehren anderen großen Bäumen.

„Der Baumbestand war dort in den vergangenen Jahren völlig ungestört. Das war für die Bäume sehr positiv“, sagt die Baumexpertin des Naturschutzverbandes BUND, Katharina Brückmann. Sie plädiert dafür, den Park zusammen mit der umliegenden Bebauung in ein Gesamtkonzept einzubetten. „Ein Fitnesscenter ist an dieser Stelle ganz sicher völlig fehl am Platz.“

Eine OZ-Anfrage, ob die Bäume inklusive der 300 Jahre alten Eibe trotz der geplanten Abrissarbeiten unberührt bleiben, ließ die Stadtverwaltung gestern unbeantwortet. Zu weiteren Details der Baupläne gab es gestern ebenfalls keine Auskunft.

Auch Lastovka versucht, alle Informationen zu dem Projekt unter der Decke zu halten. Ein Gespräch zu dem Vorgang lief am vergangenen Freitag folgendermaßen ab: Lastovka: „Ich kann dazu keine Auskunft geben. Sie müssen sich an die Pressestelle der Stadt wenden.“ Antwort OZ: „Sie wissen doch, dass die Pressestelle dazu kaum Auskünfte geben wird. Aber gut, dann schreiben wir, dass Sie mit dem Projekt nichts zu tun haben.“ Reaktion Lastovka: „Nein, das habe ich nicht gesagt.“ Zwei Tage nach diesem Gespräch erscheint in einem vor allem von CDU-Sympathiesanten finanzierten Anzeigenblatt ein Artikel, in dem die Neubau-Pläne bejubelt werden, von dem wertvollen Baumbestand und dem Park ist jedoch an keiner Stelle die Rede. Geschäftsführer des Wochenblattes ist Lastovka.

Für Jürgen Suhr, Frakionschef der Grünen in der Bürgerschaft und im Landtag, haben die Umstände, unter denen das Park-Grundstück spätestens im Sommer den Besitzer wechseln soll, ein Geschmäckle: „Der Vorgang wirft viele Fragen auf!“ Die Bürgerschaft hätte in der Vergangenheit immer wieder die Nutzungs- und Verkaufsabsichten hinterfragt und unbefriedigende Antworten erhalten, betont Suhr. „Dass jetzt ob der vermutlich kostengünstigeren Neubauoption sogar der Denkmalschutz infrage gestellt wird, werden wir nicht ohne Weiteres hinnehmen.“ Suhr will die Sache in der Bürgerschaft zum Thema machen. „Hier muss es größtmögliche Transparenz geben. Auch die Frage der Vergabe und des Konzepts gehört auf den Tisch der Bürgerschaft.“

Von Benjamin Fischer

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