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Rügen Steile Zuwegung: Schussfahrt bis ans Hafenbecken
Vorpommern Rügen Steile Zuwegung: Schussfahrt bis ans Hafenbecken
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08:45 28.07.2018
Lohmes Bürgermeister Matthias Ogilvie (li.) und der Wirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommerns, Harry Glawe, nach der Freigabe der neuen Straße zum Lohmer Hafen. Quelle: Maik Trettin
Lohme

Der junge Mann beugt seinen Oberkörper fast waagerecht nach vorn über den Kinderwagen und kämpft. Der Schweiß läuft ihm über sein Gesicht, als er den Kinderwagen vom Lohmer Hafen nach oben in den Ort schiebt. Bei mehr als 30 Grad in der Sonne tröstet ihn auch nicht die Tatsache, dass das Gefälle des Weges unter seinen Füßen früher noch viel größer war. Bis zu 40 Prozent betrug die Steigung der alten Zufahrt. Jetzt sollen es etwas weniger sein. Die Strecke dürfte dennoch zu den steilsten befestigten Straßen der Insel zählen. Gestern wurde sie durch den Wirtschaftsminister des Landes, Harry Glawe, offiziell eingeweiht.„Das war manchmal schon grenzwertig“, sagt Jörg Gothow mit einer Mischung aus Respekt und Bedenken, wenn er etwa an die Baggerarbeiten zurückdenkt. Der Geschäftsführer und seine Kollegen vom Büro Wastra-Plan haben die Entwürfe gezeichnet, nach denen ein weiterer Abschnitt des Lohmer Hangs stabilisiert und der Hafen und der Ort mit einer neuen Zuwegung versehen wurden. „Auf den Plänen sah das nie so gefährlich aus.“ Keiner der Planer hätte mit Baggerfahrer Rudi Schönberger tauschen mögen. „Aber wir sind ja auch keine Spezialtiefbauer.“Gefährlich war es auf dem Areal aber schon weit vor dem Beginn der Bauarbeiten. Der Lohmer Hang, wo es 2005 zum Abrutsch kam, galt auch in diesem Bereich als instabil. Mit einem Winkel von 30 bis 40 Grad sei die Böschung stark übersteilt. Wegen der ungünstigen Wasserverhältnisse sei auch dieser Abschnitt stark runtschungsgefährdet gewesen.

Für Versorgungs- und Rettungsfahrzeuge

Rutschig war auch der bisherige Weg in den Hafen, ein Provisorium, unterschiedlich befestigt und ohne jede Entwässerung. 2016 hatte sich ein Traktor auf dem damaligen Versorgungsweg überschlagen; zwei Menschen wurden verletzt. So ganz ungefährlich sieht die steile Piste auch jetzt nicht aus. Der gepflasterte, 300 Meter lange Weg hat zwar eine Beleuchtung und eine ordentliche Entwässerung bekommen. Der Hang links und rechts wurde mit einem Entwässerungssystem und Betonstützscheiben versehen und auf der Seeseite der Fahrbahn gibt es eine Leitplanke. Doch das alles dient eher der Sicherheit der Fußgänger. Fahrzeuge sollen hier nur im Ausnahmefall verkehren, etwa zur Hafenbewirtschaftung oder in Notfällen, wenn Einsatzfahrzeuge bis an den Anleger fahren müssen, wie Glawe sagte. Denn Parkplätze gibt es in dem kleinen Hafen nicht. Auch wenn Minister Glawe sich zuversichtlich zeigte, dass wegen der neuen Straße mehr Touristen nach Lohme kämen – den Weg zum Hafen sollen sich auch künftig nicht im Auto zurücklegen. Zu diesem Zweck wird in der kommenden Woche noch eine Schranke montiert, die sicherstellt, dass nur dafür berechtigte Fahrzeuge die neue Piste herunterrollen beziehungsweise hinaufkraxeln.

Bürgermeister träumt vom Aufzug zum Hafen

Rund zwei Millionen Euro hat das Vorhaben, das zu 90 Prozent vom Land finanziert wurde, gekostet. Etwa 100 Bäume mussten am Hang gefällt werden; ein Großteil, so Gothow, habe bereits auf abgerutschten Erdschichten gestanden. Im Gegenzug habe man eine Fläche von 2,5 Hektar aufgeforstet – allerdings weit außerhalb des Ortes, südlich des Kaderbachs. Auch mancher Anwohner teilt die Freude über das Projekt nicht. Einige mussten Teile ihrer Grundstücke an die Gemeinde abtreten, damit das Vorhaben umgesetzt werden konnte.Es soll nicht die letzte Großbaustelle in Lohme sein. Bürgermeister Matthias Ogilvie wünscht sich einen Aufzug zwischen Ostseeufer und Oberdorf und in dem Zuge auch gleich noch einen neuen, größeren Hafen mit einem Anleger für Ausflugsschiffe.

Dem ersten Spatenstich folgte eine lange Regenperiode

300 Meter lang ist der Weg vom Ort bis hinunter in den Hafen. Dabei wird ein Höhenunterschied von 35 Metern überwunden. Auf der abschüssigen Hangseite wurden eine 130 Meter lange Leitplanke und zehn Straßenlampen montiert. Rund 1000 Quadratmeter Weg wurden gepflastert und Borde auf einer Länge von 630 Metern sowie 300 Meter Zaun gesetzt.

Der Hang, an den sich die Straße schmiegt, wurde neu geformt und stabilisiert. Dabei mussten rund 10000 Kubikmeter Boden bewegt werden.

Bis zu sechs Meter tief wurden so genannte Stützkörper eingebaut, ein Beton-Erde-Gemisch, und 1400 Kubikmeter Regenableiter, so genannte Rigolen. Sie leiten das Wasser, das aus dem Hinterland auf den Hang drückt, gezielt in die Ostsee und verringern so den Druck auf die Böschung.

Erster Spatenstich war Ende August 2016, die eigentlichen Bauarbeiten begannen im Mai vergangenen Jahres. Kurze Zeit später setzte eine monatelange Regenperiode ein. Die Arbeiten wurden mit zwei Wochen Verzögerung beendet.

Maik Trettin

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