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Rügen Störtebeker: Die Geliebte ist die Königin
Vorpommern Rügen Störtebeker: Die Geliebte ist die Königin
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11:46 27.07.2018
Sina Valeska Jung in der Rolle als sanfte aber selbstbewusste Selma (an ihrer Seite Karin Hartmann als Martha). Quelle: Jens-Uwe Berndt
Ralswiek

Wie passt die Störtebeker-Geliebte Selma zu Ihrer Persönlichkeit?

Sina Valeska Jung: Gut eigentlich. Sie ist nicht ohne Ecken und Kanten, wird auch mal frech, ist mal emotional angefasst und lässt sich nicht gleich bezirzen. Sie kann mit dem Messer umgehen und schmeißt auch mal jemanden aus dem Fenster.

Braucht es die Klischees: Blond ist lieb und dunkelhaarig - wie im Fall der Gegenspielerin Dorothea von Achenbach - ist böse?

Ich glaube nicht, dass man sie unbedingt braucht. Das ist aber irgendwie ethabliert, und der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Es hilft auch ein bisschen bei der Zuordnung. Die Menschen, die das hier bei den Festspielen entscheiden, die sollen das so tun, wie sie es für richtig halten. Und seit 26 Jahren funktioniert das richtig gut.

Was hat Sie zu den Festspielen nach Ralswiek geführt?

Im Prinzip meine Agentin. Ich durfte mich hier letzten Winter vorstellen. Vorreiten natürlich. Das ist immer sehr wichtig, denn wenn Schauspieler in ihrer Vita zu stehen haben, dass sie reiten können, soll das nicht immer in jedem Fall gestimmt haben.

Wenn Schauspieler zum ersten Mal nach Ralswiek kommen, um sich mit den Bedingungen bekannt zu machen, sind sie nach eigenen Aussagen nicht selten überwältigt von den Dimensionen. Wie war das bei Ihnen?

Beim Vorreittermin bin ich bereits mit dem Regisseur, Marco Bahr, zusammengekommen. Er hat mir alles gezeigt, auch die Bühne. Ich habe ihn direkt gefragt, wo er die Schwierigkeiten hier sieht. Es ist wohl so, dass die Neuen immer eines unterschätzen: den Sand. Das ist eine Komponente, die man weder vor der Kamera noch auf der Bühne hat. Und es stimmt: Man knickst um, oder da sind irgendwelche Löcher, die die Pferde hinterlassen haben - man kann aber nicht die ganze Zeit auf den Boden gucken, um zu sehen, wie man läuft, ohne sich zu verletzen.

Sie spielen neben der Selma auch die Königin Margarete. Und - Hut ab - wenn man es nicht weiß, bekommt man es eigentlich nicht mit. Wie sind Sie an diese Sache herangegangen?

Da hilft natürlich enorm das Kostüm und, dass die Haare weg sind. Da die beiden Frau obendrein einen komplett unterschiedlichen Gestus und sozialen Hintergrund haben, sprechen sich die Rollen automatisch volkommen anders. Darüber musste ich mir nicht einmal Gedanken machen. Das habe ich bei den Proben ein paar mal getestet, und es hat funktioniert. Ich habe schon mehrfach gehört, dass man wohl nicht einmal an der Stimme erkennt, dass ich auch die Margarete bin.

Klaus Störtebeker ist durch die Physis von Alexander Koll eine stattliche Erscheinung. Trotzdem wirkt er in diesem Stück doch meist eher sanft. Ist das der Störtebeker, wie Sie ihn sich vorgestellt haben, als Sie erstmals die Geschichte gelesen haben?

Wenn ich ganz normal ein Buch lese, dann habe ich natürlich Bilder im Kopf. Bei einem Drehbuch ist da hingegen was ausgeknippst. Um es mir nicht unnötig schwer zu machen, verbiete ich mir quasi, mir schon vorher von gewissen Dingen ein bestimmtes Bild zu machen. Ich würde mir überhaupt keinen Gefallen tun, wenn ich mir im Kopf bereits zurechtzupfe, so und so wird jemand aussehen oder rüberkommen. Und wenn ich Alexander Koll so sehe, finde ich, dass er das ganz herrlich macht.

Seine Rolle birgt viel Raum, sich mit der Zeit zu entwickeln.

Ja, das finde ich auch. Wenn man ihn jetzt etwas sanfter erlebt, ist es doch das Schöne, dass man diese Fallhöhe bekommt. Noch ist Klaus Störtebeker kein Pirat, und das Leben, das da vor ihm liegt, wird noch völlig andere Herausforderungen für ihn bereithalten. Da kann man einen enormen Bogen spannen. Ich bin wirklich gespannt, wie die Stücke in der Zukunft sein werden.

Was hielten Sie davon, wenn Störtebeker ein Typ wäre - wie im Mittelalter vielleicht nicht abwegig - der nichts anbrennen ließe: mal in dem Hafen eine Braut, mal in diesem - und trotzdem zu Hause seine Selma?

Trotzdem seine Selma? Man kann vieles mit dieser Figur machen. Aber ob das Publikum da so mitgehen würde? So ein Typ Mann ist eher Goedeke. So wie ich Klaus Störtebeker verstehe, ist er ein echter und wahrer Mensch. Er ist kein Schlitzohr - im Moment jedenfalls. Mit dem Schmerz, den er jetzt ertragen muss - der Tod von Selma und seines Vaters - kann das auch nochmal anders werden.

Wie sieht Ihr Tag neben den allabendlichen Auftritten aus?

Ich versuche mich fit zu halten, die Wehwechen zu pflegen, die ich mir bei den Aufführungen zuziehe. Ansonsten ist so ein Traumsommer fast schon ein bisschen gruselig, wenn ich an den Klimawandel denke. Für uns ist das super, ich kann das schon genießen. Für die Natur ist es aber nicht so toll, dass kein Tropfen Regen herunterkommt. Bisher bin ich gern am Strand. Ich brauche es nicht, in irgend welche Orte zu fahren. Da wir jeden Abend viele Menschen anziehen, bin ich tagsüber eher ungern unter Leuten. Ich bin froh, mal aus Berlin raus zu sein.

Sina Valeska Jung

Die 39-Jährige Schauspielerin ist dem TV-Publikum vor allem aus Serien ein Begriff. Sie spielte in „Verbotene Liebe“ (2006-2009) oder „Der Lehrer“ (2016) mit. Verheiratet ist Jung mit dem Rockmusiker Evil Jared Hasselhof (seit 2006). Hasselhof ist Bassist der Bloodhound Gang (größter Hit „The Bad Touch“). Beide stehen häufig im Blitzlicht der Boulevard-Presse. Sina Valeska Jung hat mit Hasselhoff eine Tochter.

Jens-Uwe Berndt

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