Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Zoff um BeWo: Stadtvertreter laufen Sturm
Vorpommern Rügen Zoff um BeWo: Stadtvertreter laufen Sturm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 01.11.2018
Auch im Stadtteil Rotensee werden von der Bergener Wohnungsgesellschaft Blocks betreut.: Quelle: RU
Bergen

Bergen habe einen echten „Stadtskanal“, schimpfte Eike Bunge, bevor er sein Mikrofon abschaltete und gemeinsam mit allen anderen Stadtvertretern zu einer fraktionsübergreifend beantragten Auszeit den Sitzungssaal in der Schule „Am Grünen Berg“ verließ. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung auf der Sondersitzung der Bergener Stadtvertreter enorm aufgeheizt. Es ging auch um nicht Geringeres als die fristlose Kündigung des Geschäftsführers der Bergener Wohnungsgesellschaft, Gerd Zander.

Ausgesprochen hatte sie Bürgermeisterin Anja Ratzke (parteilos) bereits am vergangenen Donnerstag. Als Grund nannte sie eine Pflichtverletzung. Konkret ging es um eine Unterschrift Zanders unter den Auftrag an eine Rostocker Anwaltskanzlei, die mit der Suche nach einem neuen Geschäftsführer für das Wohnungsunternehmen beauftragt werden soll. Beschlossen von der Gesellschafterversammlung in persona Ratzke, die die Stadt Bergen als einzige Gesellschafterin der BeWo repräsentiert. Die Geschäftsführerstelle müsste nämlich ab Juni 2019 regulär neu besetzt werden, da Zander in den Ruhestand geht.

„Ich habe Frau Ratzke auf die Risiken hingewiesen, die der BeWo bei Vergabe des Auftrags an die Rostocker Kanzlei entstehen würden“, sagte Gerd Zander. Das habe keine Wirkung gezeigt. Auch habe er formelle Einwände gehabt. „Das Angebot hatte eine Frist überschritten und war statt an mich an die Stadt gerichtet“, sagt er. Bei Bereinigung der Mängel wäre er angeblich zur Unterschrift bereit gewesen.

Die Bürgermeisterin stellte Zander zur Unterzeichnung mehrere Fristen, die jedesmal verstrichen, weshalb Anja Ratzke dem Geschäftsführer kündigte. Die Belegschaft wurde informiert, ebenso der Vorsitzende des BeWo-Aufsichtsrats, Kay-Uwe Hermes. Eine Mitarbeiterin des Bauamtes der Bergener Stadtverwaltung übernahm übergangsweise die Geschäftsführung. Allerdings soll in Kürze ein BeWo-Mitarbeiter die Geschäfte in die Hand nehmen. Und das dann aber nur so lange, bis die geplante Ausschreibung der Stelle der Stadt einen neuen Geschäftsführer beschert.

Monarchie und Abnickverein

Auf der jüngsten Sondersitzung der Bergener Stadtvertreter flog Anja Ratzke am Montagabend ihre Entscheidung zur Personalie Gerd Zander um die Ohren. „Scheinbar können wir künftig zu Hause bleiben“, erboste sich Eike Bunge, Vorsitzender der CDU/FDP-Fraktion. „Wir gehen offenbar von der Demokratie zur Monarchie über. Warum maßen Sie, Frau Ratzke, sich an, das höchste Organ der Stadt, nämlich die Stadtvertretung, zu übergehen?“ Er habe schon bei der Personalie Astrid Schlegel im Februar 2017 der Bürgermeisterin einen schlechten Führungsstil vorgeworfen (die OZ berichtete). „Sie haben seitdem nichts dazugelernt.“ Unverständnis bekundete auch Eva-Maria Schwerin von der Fraktion der Linken. „Ich verstehe nicht, wie sich eine einzelne Person anmaßt, solch eine Kündigung durchzuziehen.“ Kritik kam auch von Kristine Kasten, Vorsitzende der SPD-Fraktion: „Ich finde den Stil nicht in Ordnung. So wird die Stadtvertretung zu einem bloßen Abnickverein.“

Gerd Zander erhielt in der Sitzung die Möglichkeit, detailliert den Weg zu erläutern, der bis zur Verweigerung seiner Unterschrift geführt hatte. Er bezeichnete Anja Ratzke als „eigensinnige und autoritäre Person“. Der von der Bürgermeisterin in der Gesellschafterversammlung ausgewählten Rostocker Anwaltskanzlei sprach er jede Kompetenz ab und wies darauf hin, dass die Firma sich bei der Sichtung der Bewerbungen für die BeWo-Geschäftsführerstelle eines Mitarbeiters eines Rostocker Wohnungsunternehmens bediene. Demnach werde der diese verantwortungsvolle Aufgabe nebenbei in seiner Freizeit erledigen. „Aber vielleicht muss er das ja gar nicht tun, weil Frau Ratzke längst andere Pläne hat“, fügte Zander hinzu. Die Vermutung, die Bürgermeisterin könnte eine bestimmte Person auf den Posten lancieren wollen, wiederholte er auch nach der Sitzung gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. „Wir gehören dem Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen an – da kennt man sich, unterhält man sich und da weiß man auch, was alles so am Rande läuft.“ Die auf der Sitzung geäußerte Anschuldigung, Anja Ratzke habe den BeWo-Mitarbeitern bei der Information über Zanders Kündigung mit dem Verlust des Arbeitsplatzes gedroht, zog der abberufene Geschäftsführer einen Tag später wieder zurück: „Das möchte ich so nicht wiederholen. Der eine fasst manche Äußerungen so, der andere wiederum anders auf. Deshalb nehme ich den Vorwurf zurück.“

Die Stadtvertreter erwarteten, dass Anja Ratzke ihre Entscheidung ebenso zurückzieht: In einem Dringlichkeitsantrag der CDU/FDP-Fraktion wurde von der Bürgermeisterin verlangt, die Kündigung umgehend aufzuheben und Gerd Zander mit sofortiger Wirkung wieder als Geschäftsführer einzusetzen.

Das lehnte Anja Ratzke Dienstag erneut ab. „Ich habe mir die Entscheidung gut überlegt und nehme sie nicht zurück“, sagte sie gegenüber der OZ. Außerdem habe sich die Verwaltung wegen seiner Kurzfristigkeit mit dem Dringlichkeitsantrag noch nicht befassen können. „Ich werde mögliche Rechtsmittel prüfen.“ Den Vorwurf, einen ihr genehmen Geschäftsführer lancieren zu wohlen, wies sie zurück. „Ich habe dazu gar keine Möglichkeit“, sagte sie. „Die Findungskommission empfiehlt den geeigneten Kandidaten und die Stadtvertreter entscheiden.“

Jens-Uwe Berndt

Gleich zwei Großveranstaltungen laden Insulaner und Gäste am Wochenende ein. Während es zum erstmals „Putbus tanzt“ im Marstall heißt, erlebt die Bergener Musiknacht die 31. Auflage.

31.10.2018

Er ist wie Hans Dampf in alles Gassen. Ob Hochzeiten, Musikschulauftritte, Trachtenfest oder festliche Abende: Laszlo Sandor spielt dort, wo man ihn hören will.

31.10.2018
Rügen Bürgermeisterin bleibt hart - BeWo-Chef in Bergen fristlos gekündigt

Obwohl Bergens Stadtvertreter die fristlose Kündigung von BeWo-Geschäftsführer Gerd Zander per Beschluss anullierten, hält Bürgermeisterin Anja Ratzke an ihrer Entscheidung fest.

31.10.2018